Wolfgang Hübner: Offener Brief an die „faz“

Berichtet unkritisch: FAZ (Foto: Collage)

Sehr geehrter Herr von Altenbockum,

als langjähriger Abonnent der FAZ und stets aufmerksamer Leser Ihrer Texte in dieser Zeitung habe ich kürzlich ihren Leitartikel vom 24. April 2017 zum Thema AfD-Bundesparteitag in Köln sehr kritisch kommentiert. Falls Sie, was wahrscheinlich ist, das noch nicht gelesen haben sollten, füge ich meinem Text diesen Offenen Brief an Sie bei. Er wird Ihnen wohl wenig gefallen, aber das muss ein gestandener Journalist mit hoher Meinungsbildungswirkung tapfer ertragen.
Was ich bei Abfassung meines Textes noch nicht wusste, sondern heute erst durch eine Filmdokumentation über die Aktionen zur Störung des AfD-Parteitages erfuhr: Auch Sie konnten nur unter massivem Polizeischutz in das Tagungsgebäude gelangen und später nur mit einer doppelten Kletterübung den von der Polizei abgesperrten Bereich verlassen.
Sie haben also selbst hautnah erlebt, wie ein politisch motivierter Mob versucht hat, die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit einer demokratischen Partei zu verhindern und die körperliche Sicherheit der AfD-Delegierten und Gäste zu gefährden. Allerdings hat kein Leser ihres Leitartikels über Ihr Erlebnis auch nur ein Wort lesen können – kein einziges!
Warum, Herr von Altenbockum, schweigen Sie über dieses auch für Sie sicher demütigendes, für AfD-Mitglieder allerdings fast alltägliches Erlebnis? Zeichnen die Vorgänge um den Parteitag nicht ein sehr düsteres Bild vom Zustand der demokratischen Kultur in Deutschland? Und wäre es nicht Journalistenpflicht, solche – zumal selbsterlebten – Vorgänge zu schildern und zu kommentieren? Oder haben Sie Ähnliches schon einmal beim Besuch von Parteitagen von CDU, SPD, FDP, Grünen oder auch der Linkspartei erlebt?
Ich bin sicher nicht der einzige FAZ-Abonnent und Leser Ihrer Texte, der mit Interesse der Beantwortung dieser Fragen entgegensieht. Sie brauchen mir die Antworten übrigens gar nicht persönlich mitteilen, ich halte mich nicht für so wichtig. Viel besser wäre es, Sie würden diese Fragen bald einmal in der FAZ für alle Leser beantworten.
Keine Antworten aber, sehr geehrter Herr von Altenbockum, könnten sehr stark den Verdacht nähren, dass empörende Tatsachen aus bestimmten politischen Opportunitäten verschwiegen werden sollen. Das würde nicht nur Schaden für Ihr journalistisches Ansehen zur Folge haben, sondern vielleicht auch den ohnehin schon beträchtlichen Auflageschwund der FAZ noch beschleunigen.
Ich bin sicher, dass Sie an beiden Entwicklungen kein Interesse haben, nicht haben können. Deshalb sehe ich Ihren nächsten FAZ-Artikeln mit großem Interesse entgegen und verbleibe
mit freundlichen Abonnentengrüßen
Ihr
Wolfgang Hübner

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