Bild & Co: Senkrecht in den Abgrund

Alles wie gehabt in der Berliner Axel-Springer-Straße: „Bild“ und „Bild am Sonntag“ brechen im ersten Quartal 2017 erneut zweistellig ein. Das xte Mal nacheinander. Wieder liefen um die 200.000 davon…Und auch der Rest-Mainstream säuft weiter ab. Zulegen konnte mal wieder die „Junge Freiheit“ – um 5,1 Prozent. Wahrscheinlich wär’s (wie letztes Jahr) das Doppelte gewesen. Aber das Blatt passt sich mehr und mehr dem Mainstream an …

Von Harry Haller

Alle drei Monate zittern die Verlagsmanager. Dann stellt die „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“ (IVW) mit Sitz in Berlin ihre Quartals-Erhebungen zur Printauflage deutscher Medien online. Sinn und Zweck ist es, der Werbewirtschaft objektive Daten zu vermitteln – vor allem darüber, wo sich Anzeigen lohnen und zu welchem Preis noch.

Denn „ehrliche“ Zahlen liefert einzig die „harte Auflage“. Sie erfasst die tatsächlichen Einzelverkäufe ohne Auflagenkosmetik wie Bordexemplare, Lesezirkel, Gratisexemplare und Rabattverkäufe. Mit Blick auf die aktuellen Zahlen für 2017 zitierte der Mediendienst HORIZONT dieser Tage einen Verlagsmanager:,,Der Auflagenverfall in einzelnen Titelsegmenten insbesondere beim Einzelverkauf ist offensichtlich. Die Verteidigungsprosa wird schwieriger.“

Ganz besonders bei Axel Springer!

Die „harten“ Auflagenzahlen für 2017 (Meldeschluss: 18. April) dürften Verleger-Witwe Friede Springer noch weniger schmecken als bisher – da hilft keine Operation  mehr, Herr Döpfner! Da hilft nur noch Amputation…

„Bild“ (inkl. „BZ“ und „Fußballbild“!!) meldet 1,621 Mio. Das sind übers Tanit-Jahr 2016 gerechnet 194 820 „hart“ verkaufte Zeitungen weniger ( -10,7 %). Rechnet man die noch vorhandene, kümmerliche Restauflage der „BZ“ von etwa 70.000 raus, dazu die im Herbst bejubelten 50.000 für die grüne Fußball-BILD, bleiben Mütterchen BILD noch gerade eben 1,5 Mio. Von einst stolzen 5 Mio und mehr…

Auch die „BamS“ unter der arroganten Quotendame Marion Horn stürzt um gnadenlose 10,9 Prozent von den Stöckelschuhen, macht auf dem Küchentisch häßliche 104 734 Exemplare weniger! Bleiben noch 859 052. Als noch der legendäre „Titten-Struwe“ ( der dicke Ewald mit der Davidoff) das Blatt machte (bis 1985) waren es 2,6 Millionen. Aber damals ist lange her. Damals ließ Titten-Struwe nach Redaktionsschluss auf dem Servierwägelchen Cognac und Whisky auffahren für seine Redakteure. Aber selbst unter dem freudlosen Dauer-TV-Talker und Ex-Stoiber-Berater Michael H.Spreng waren es noch 1 Mio mehr als jetzt bei der blonden Freundin der evangelischen Sandalenpäpstin mit dem Schluckauf. Prost! Gute Nacht, Marie…

Die „Welt“ unter Chefredakteur „Leberecht Hühnchen“ verliert „nur“ knapp drei Prozent, sackt auf 92 271 Exemplare, genau: minus 2,8 % = 2 700 weniger. Da wird wohl Rotkäppchen fliessen, statt Caffe Latte…

Die „Welt am Sonntag“ dagegen landet bei 233 377, büßt 26 315 „harte Auflage“ ein, sagenhafte  minus 10,1 Prozent. Da wird der neue Chefredakteur und Diekmann-Buddy Peter Huth wohl weniger Zeit für Facebook und Twitter haben – und für ein Pfeifchen, dann und wann. Schmauch!

„Land unter“ aber auch beim Rest von Merkels Mainstream:

Die „Frankfurter Allgemeine“ (204 013) minus 14 057 = 6,4 % weg.

Die „FaS“ verjagt 9 912, hat nur noch 211 373 = minus 4,5 Prozent.

Auch die Alpen-Prawda sieht immer mehr Leser von hinten; die „Süddeutsche“ meldet noch 305 035 „harte“ Ausharrer, macht 10 189 ehrliche Exemplare weniger =  3,2% Minus.

Bei den Magazinen kriegt  erneut der „Stern“ seinen vorvorletzten Karnickelfangschlag: Nur noch 370 617  – minus  8,1 Prozent =

32 635 Käufer weniger … Henri Nannen hat es wahrscheinlich  längst aufgegeben, sich im Grab zu drehen – ihm würde schwindelig werden.

Auch der „SPIEGEL“, einst unter Rudolf Augstein das Sturmgeschütz der Demokratie,  rostet und rostet zum Rohrkrepierer – noch 582 622  (wieder 16 482 weg = minus 2,8%). Ex-SPIEGEL-Chef Stefan Aust, der bei SPRINGER rastet, wird eine nachdenkliche Reitrunde zusätzlich einlegen im Alten Land. Möglich aber auch, dass es ihm längst wurscht ist.

Bei „Bild“ rechnen sie längst die 15 Jahre dauernde „Diekmann-Kurve“ (http://www.bildblog.de/40669/abwaerts/ ), die ab jetzt die Reichelt-Kurve ist, auf ihr Ende hoch: „Wenn die galoppierende Auflagenschwindsucht anhält, macht hier in acht Jahren der letzte das Licht aus“, sorgt sich ein Leitender Redakteur (der dann in Rente ist). Ein jüngerer Fotoreporter meint sarkastisch: „Wir rennen doch schon jetzt mit der Kerze durchs Haus.“

Es gibt auch Positives in der Journaille, allerdings relativ weit weg von Merkels Mainstream: Das „Handelsblatt“ hält sich (fast) stabil –  88.824 ehrliche Zeitungen, genau 518 oder gerade mal 0,6 % weniger. Davon träumt Axel Springer im Jenseits!

Die „HörZu“, einst das stolze Programm-Flaggschiff von ihm, das Döpfner 2013 an einen textverarbeitenden Betrieb namens Funke-Gruppe versilberte, ist dagegen weiter konsequent auf dem Weg zur „HörWeg“: Nur noch 931.170 Exemplare – fast 30.000 oder knapp drei Prozent weniger. Zur Erinnerung: 1979 unter Peter Bachér hatte die „HörZu“ mal eine Auflage von 4,43 Millionen!

Der alte Herr lebt noch, darf einmal die Woche bei BILD schreiben. Schreiben kann er natürlich auch – er ist schließlich ein Urenkel von Theodor Storm, „Schimmelreiter“, Sie wissen schon… Julian Reichelt, der „Chefredakteur der Chefredakteure“, trinkt dagegen lieber Kampftee gegen den Syrienkrieg, embedded natürlich, und immer auf der richtigen Seite – gegen den angeblichen „Gasmörder“ Putin, gegen die AfD und gegen seine Leser. Von nichts kommt nun mal nichts. Nur immer weniger…

https://www.dwdl.de/zahlenzentrale/61190/ivw_12017_so_hoch_ist_die_harte_auflage_wirklich/

 

 

 

 

 

 

 

 

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