Ayaan Hirsi Ali: Die Zukunft der moslemischen Frauen

Foto (zugeschnitten): Von Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47476351

(Der nachfolgende Text ist ein Ausschnitt aus dem pdf “Preserving the values of the West”) Ich möchte heute auf ein bestimmte Thema eingehen, und das ist das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Alle Kulturen haben ihre eigenen strikten Ansichten zu Ehe, Familie, Scheidung, Promiskuität und Elternschaft. Aber nicht alle Kulturen sind gleich oder austauschbar.

 Quelle: National Review/ Ayaan Hirsi Ali on What the Future Holds for Muslim Women

Übersetzt von EuropeNews

Innerhalb des Islams kann man heutzutage drei verschiedene Gruppen von Moslems in der Welt unterscheiden, basierend darauf wie sie ihren Glauben erleben und ausüben. Das hat wichtige Konsequenzen für die Frauen. Die erste Gruppe ist die problematischste – die Fundamentalisten streben ein Regime an, das als Grundlage die Scharia hat, das islamische religiöse Gesetz. Sie kämpfen für einen Islam, der teilweise oder gänzlich unverändert ist von seiner Version aus dem 7. Jahrhundert und sie sehen es als Voraussetzung für ihren Glauben an, dass sie ihn jedermann überstülpen wollen.

 Ich nenne sie die Medina Moslems, deshalb, weil sie die zwangsweise Einführung der Scharia als ihre religiöse Pflicht sehen, indem sie dem Beispiel des Propheten Mohammed nacheifern, als er in Medina gelebt hat. Sie nutzen den Respekt ihrer Mitmoslems vor der Scharia als heiliges Recht aus, die über den bürgerlichen Rechten steht. Erst nachdem sie diese Grundlage gelegt haben, sind sie dazu in der Lage, ihre Rekruten dazu zu bringen, den Dschihad auszuführen.

 Es gibt in ihren Augen keine Gleichstellung von Mann und Frau, weder juristisch noch in der täglichen Praxis. Die zweite Gruppe – eine klare Mehrheit in der moslemischen Welt – besteht aus Moslems, die sich loyal zu den Grundsätzen verhalten und auch fromm sind und beten, die aber weder Gewalt ausüben wollen noch Intoleranz gegenüber Nichtmoslems. Ich nennen diese Gruppe die „Mekka Moslems“ nach der ersten Phase des Islams und den friedvollen Koranversen, die in Mekka übermittelt wurden. In dieser Gruppe ist die Stellung der Frau umstritten.

 Vor kurzem und teils als Antwort auf den Aufstieg des islamischen Terrorismus, entstand eine dritte Gruppe innerhalb des Islams: Moslemische Reformer – oder, wie ich sie nennen würde „modifizierende Moslems“ – sie wollen die Trennung von Religion und Politik sowie andere Reformen vorantreiben. Obwohl manche von ihnen Apostaten sind, ist die Mehrheit der Dissidenten gläubig, darunter auch Kleriker, die zu der Überzeugung gekommen sind, dass sie ihre Religion ändern müssen, wenn ihre Anhänger nicht in einem undurchbrechlichen Zirkel der politischen Gewalt verdammt sein wollen.

 Die Reformer bevorzugen generell Gleichheit zwischen Männern und Frauen. Die Zukunft des Islams und die Beziehung der Welt und den Moslems wird sich entscheiden zwischen diesen beiden Minderheitengruppen – den Medina Moslems und den Reformern – ob sie die Unterstützung der ziemlich passiven mekkanischen Mehrheit erringen können. Im Westen haben sich die wohlwollenden Menschen dazu verpflichtet, Frauen dieselben Rechte und Möglichkeiten zu geben, um sich eine gute Zukunft aufzubauen und sich zu unabhängigen Menschen zu entwickeln.

 Die Menschen, die ich als „Medina Moslems“ bezeichnen würde – Männer wie Sayyid Qutb, Yusuf al-Qaradawi, oder Osama bin Laden – bieten eine alternative Vision an. Sie behaupten, dass ihre Vision, basierend auf der Scharia, in jeder Beziehung über den Normen steht, die der Westen bietet – Scheidungen, Alleinerziehende, Prostitution, eine Gesellschaft der sexuellen Beliebigkeit an amerikanischen Universitäten. Sie bieten krude und einfache Heilmittel an: Trennung der Geschlechter, die Bedeckung von Frauen von Kopf bis Fuß (die Bescheidenheitsdoktrin) um Männer daran zu hindern, ihre sexuelle Kontrolle zu verlieren. Die Verheiratung von Mädchen so früh wie möglich nach den Gesetzen der Scharia und eine Reihe weiterer Maßnahmen. Die Medina Moslems sagen, wenn alle diese Schariamaßnahmen gegen Frauen angenommen würden, dann würden die quälenden Probleme der Promiskuität, unehelichen Kinder und soziales Chaos (fitna) die sie in den westlichen Ländern sehen, verschwinden.

 Dennoch fällt es den Medina Moslems schwer, wenn man sie dazu zwingt, zu erklären, warum Schariamaßnahmen in Saudi-Arabien, dem Iran und bis zu einen gewissen Grad auch in Pakistan, soziale Missstände nicht kuriert haben. Im Gegenteil, was wir in diesen Ländern sehen, ist oftmals eine abstoßende Behandlung von Frauen und insbesondere von jungen Mädchen. In Saudi-Arabien wird die Aussage einer Frau in Strafsachen normalerweise nicht angenommen und in Zivilprozessen ist sie halb so viel wert wie die eines Mannes.

 Im Jahr 2009 sagte der Großmufti Scheich Abdul Aziz Al-Sheikh, „ein Mädchen im Alter von zehn oder zwölf Jahren kann verheiratet werden, Jene, die denken, sie sei zu jung, irren sich und sind unfair ihr gegenüber.“ Im Iran dürfen verheiratete Frauen das Land nicht verlassen ohne die Genehmigung ihres Mannes. Wenn ein Kind das siebte Lebensjahr erreicht hat, geht das Sorgerecht automatisch auf den Vater über (vorausgesetzt der Vater ist nicht in irgendeiner Form behindert, beispielsweise psychisch krank). Eine Mutter verliert auch ihr Sorgerecht für ihre Kleinkinder wenn sie wieder heiratet. Im Jahr 2016 sanktionierte der Vorsitzende des pakistanischen Rats für Islamische Ideologie, ein wichtiges Gremium, eine Art „light Version“ des Frauenschlagens.

 Von feministischen Akademikerinnen im Westen könnte man erwarten, dass sie die Medina Moslems zur Rede stellen oder zumindest Studenten dazu in die Lage versetzen, die Konsequenzen von Schariamaßnahmen zu durchdenken, so wie wir es im Iran und Saudi-Arabien sehen. Aber was wir sehen, ist etwas anderes. Es ist überraschend wie viele amerikanische Universitätsprofessoren und Studenten jede Analyse eines realen Konflikts zwischen aufgeklärten westlichen Werte und unreformierter Scharia ablehnen, sogar auch dann, wenn die westliche Zivilisation lächerlich gemacht wird und ihre vielen Beiträge zur Freiheit des Menschen und Gleichstellung der Geschlechter zynisch abgelehnt werden.

 In diesem Jahr hat das Frauenzentrum der Duke Universität als Zeichen des Zeitgeists ein neues optionales neunwöchiges Seminar angeboten, das darauf abzielt, dass junge Männer „ihre eigene Männlichkeit und gefährliche Männlichkeit kritisieren und analysieren“ sollen. Ich sage mit ziemlicher Sicherheit voraus, dass die Männer, die an diesen Sitzungen teilnehmen gute Absichten haben und gut erzogene junge Amerikaner sind, die schon jetzt Respekt für Frauen zeigen.

 Ein Thema, das nicht behandelt wird, so denke ich, wird das islamische Recht sein, oder der Konflikt zwischen den westlichen Werten der Gleichstellung der Frau und den islamischen Ansichten zu diesem Thema. An vielen amerikanischen Universitäten heutzutage, wird jede kritische Untersuchung in Bezug auf Islams, einschließlich Scharia und der Behandlung von Frauen im Islam, aus dem Blickwinkel der Forschung genommen.

 Die Brandeis Universität fand meine Gedanken zur Krise innerhalb des Islams so beängstigend – die Universität wurde nach einem Verfechter des Ersten Verfassungszusatzes benannt – dass sie mein Einladung dort zu sprechen und einen Ehrentitel zu erhalten, zurückgezogen haben. Es ist eine merkwürdige Ironie, dass meine Geschichte der Universität mehr Angst eingejagt hat als die Reihe der Ehrenmorde und der ausgiebige Missbrauch von Frauen in so vielen Teilen der islamischen Welt. Es ist eine Welt, die auf dem Kopf steht.

 Eine gute Ausbildung bedingt einen freien und offenen Austausch von Ideen auf der Grundlage von Vernunft und verlässlichen Primärquellen. Darum ist die Arbeit des American Council of Trustees and Alumni so wichtig: Er fordert die Freiheit die umstrittenen Themen unserer Zeit zu diskutieren und zu studieren.

 AHA Foundation

Foto (zugeschnitten): Von Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47476351

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...