Von demokratischen Spielregeln und Politik-Darwinismus

Ich bin Mitglied der AfD und lebe in einem nördlichen deutschen Bundesland, in dem Wahlen zum Landesparlament kurz bevorstehen. Wenn ich auf die genaue Angabe meines Wohnortes verzichte, so werden Sie, geschätzter Leser, angesichts des Politikdarwinismus, auf den ich gleich zu sprechen kommen werde, dafür sicher Verständnis haben. Ich habe keine Lust darauf, morgens alle vier Reifen meines Autos angestochen und/oder die Wände meines Wohnhauses mit Graffiti verziert zu sehen und/oder in den Rollstuhl geprügelt zu werden; für all diese Dinge gibt es bereits konkrete Beispiele.

Von Quo usque tandem

In Ausübung eines verfassungsmäßig verbrieften Rechts habe ich, zusammen mit einigen Parteifreunden, währen mehrerer Nächte in meinem Wohnort Wahlplakate aufgehängt. Im Gegensatz zu den Systemparteien, deren Anhänger dieses Recht in vollem Tageslicht ausüben können, ist die AfD gezwungen, um die oben beschriebenen potentiellen Konsequenzen für ihre Wahlkampfteams zu vermeiden, dies unter dem Schutz der Nacht und bei leeren Straßen zu tun. Gedankenassoziationen an eine bestimmte Periode der deutschen Geschichte, im mittleren Drittel des 20. Jahrhunderts (um aus der weltweiten Auswahl solcher Situationen nur eine, uns am nächsten liegende, zu nennen) kommen unwillkürlich in den Sinn.

Die aufgehängten AfD-Plakate waren regelmäßig innerhalb von weniger als 24 Stunden wieder verschwunden. Wenn man von der Annahme absieht, dass dies das Werk von Heinzelmännchen oder von außerirdischen Besuchern ist, muss man zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass der politische Hauptgegner zahlenmäßig starke Späh- und Zerstörungskolonnen beschäftigt (mit Steuergeldern entlohnt?). Wenn man über keine überzeugenden Gegenargumente zu den Wahlkampfforderungen der AfD verfügt und um sein Pfründenrevier abzusichern, greift man eben zu solchen, an die Altsteinzeit anklingenden Methoden.

Die bundesdeutschen Medien sowie die Systemparteien (wenn auch gewisse Integranten derselben dies eher lauwarm tun) überschlagen sich gegenwärtig mit Verurteilungen der Radikalmethoden, mit denen der türkische Autokrat Erdogan die Rückführung seines Landes in ein von ihm beherrschtes Sultanat betreibt. Sind die gegen die AfD eingesetzten Mittel nicht eine – noch embryonale – Kopie dieser Methoden? Müssen wir vielleicht damit rechnen, dass im Vorfeld künftiger bundesdeutschen Wahlen unliebsame Gegner des herrschenden Systems unter fadenscheinigen Vorwänden durch Verhaftung „aus dem Verkehr gezogen“ werden? Dass künftige Wahlkämpfe durch Schlägerkolonnen entschieden werden? Die (bestimmt nicht spontan agierenden) inkohärent heulenden, nach Blut lechzenden Horden von Gegendemonstranten bei AfD-Auftritten lassen solche Zukunftsvisionen zumindest im Hinterkopf auftauchen.

Nehmen sie sich die Zeit, geschätzter Leser, um einmal über die Möglichkeit eines weiteren Abgleitens unseres Landes in den Politikdarwinismus und dessen Folgen nachzudenken.

Foto: Autor

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.