Trump, Korea und was wirklich dahinterstecken könnte

Foto: Iordache Gabriel/ Shutterstock

Manchmal ist es notwendig, in diesem Tagebuch Vermutungen zu äußern, ohne – so sei ausdrücklich hinzugefügt – harte Beweise zu haben. Jedoch bieten einige auf den widersprüchlich wirkenden Tatsachen dieser Tage und auf einigen tieferen Zusammenhängen beruhenden Vermutungen eine bessere Erklärung für die Vorgänge der letzten Tage als die dürren offiziellen Nachrichten.

Von Dr. Andreas Unterberger

Tatsache ist, dass seit mehr als einer Woche verlässliche Informationen von den Vorbereitungen für einen nordkoreanischen Atomtest gesprochen haben. Tatsache ist, dass Nordkorea zu Ostern hingegen eine Rakete getestet hat.

Der Wechsel von der Atombombe zur Rakete dürfte in Wahrheit eine klare Abschwächung der Provokation durch Nordkorea sein.

Tatsache ist, dass die Amerikaner in den letzten Tagen sowohl in Syrien wie auch in Afghanistan mit überraschender und seit Amtsantritt von Donald Trump ungewohnter Härte militärische Luftattacken unternommen haben (mit dem ersten Angriff überhaupt auf einen Flughafen des Assad-Regimes selbst und mit dem ersten Einsatz der stärksten konventionellen Bombe, die sie je entwickelt haben, in Afghanistan). Es spricht vieles dafür, dass beides nicht nur gegen Assad, beziehungsweise die afghanischen Taliban gerichtet, sondern auch eine massive Warnung an Nordkorea gewesen ist.

Könnte es nicht sein, dass diese Drohgebärden Amerikas auf Nordkorea doch mehr Wirkung gemacht haben, als dieses zuzugeben bereit ist?

Tatsache ist jedenfalls, dass an Stelle des seltsamen Kim-Il-Sung-Enkels in dieser Stunde die Nummer zwei der nordkoreanischen Hierarchie sowie der bisher kaum merkbare Außenminister öffentlich aufgetreten sind und Durchhalteparolen abgegeben haben, die zwar martialisch klingen, aber doch ein wenig Angst zeigen, weil keine konkreten Aggressionsdrohungen zu hören sind.

Will die nordkoreanische Führungsclique zeigen, dass das Land doch nicht nur eine Familiendiktatur der Kims ist (die sich wie in einem Shakespeare-Drama gegenseitig umbringen)? Oder sind das erste Anzeichen einer Machtverschiebung an der Spitze?

Tatsache ist, dass ausgerechnet in den Stunden des nordkoreanischen Raketenabschusses der amerikanische Vizepräsident in Südkorea geweilt hat.

Das ist ein gewaltiges Zeichen der Solidarität und kühnen Mutes – liegen doch Südkoreas Hauptstadt und erst recht die besuchte Demarkationslinie in der Reichweite der nordkoreanischen Artillerie.

Noch interessanter ist die Tatsache, dass die von den Nordkoreanern gezündete Rakete gleich nach dem Start explodiert ist. Natürlich kann das passiert sein, weil die Nordkoreaner in ihrer Abgeschiedenheit technisch oft Mist bauen.

Es kann aber durchaus auch sein, dass man da gehudelt hat, weil Nordkorea aus Furcht vor einem US-Schlag an Stelle einer Atomexplosion schnell auf einen als harmloser geltenden Raketentest heruntergeschraubt hat, auf den man sich aber nicht ausreichend vorbereiten konnte. Das würde auch bestätigen, dass Nordkorea technologisch noch immer rückständig ist.

Tatsache ist auch, dass der amerikanische Flottenverband doch nicht vor dem Küsten Koreas aufgefahren ist, wie die US-Propaganda martialisch behauptet hat, sondern weit weg gewesen ist. Das klingt aufs erste rätselhaft.

Das könnte aber sehr wohl damit zusammenhängen, dass die Amerikaner bewusst ablenken wollten, weil sie an einer ganz anderen „Waffe“ dran waren. Es klingt relativ plausibel, dass es ihnen erstmals mit einer – im Konkreten natürlich unbekannten – Technologie des Cyberwars gelungen sein könnte, selbst diesen Fehlstart auszulösen. Das wäre der allergrößte Triumph für die Überlegenheit der US-Technologie. Den Washington aber nicht feiern kann, weil es ja nicht verraten kann, wie seine Technologien funktionieren.

Kein Zweifel kann aber jedenfalls in Hinblick auf das emsige Forschen an solchen Waffen bestehen. nicht nur in Washington.

Ein starkes Indiz, ob die Annahmen dieser Analyse zutreffen, werden die nächsten Tage bieten. Wenn die USA entsprechend ihren Ankündigungen wirklich eine militärische Strafaktion gegen die nordkoreanische Aufrüstung setzen, die Amerika ja eines nicht mehr fernen Tages selbst zum potenziellen Ziel des letzten stalinistischen Regimes zu machen droht, dann sind die Annahmen dieser Analyse falsch. Bleiben die USA jedoch zurückhaltend – trotz ihrer lauten Rhetorik, trotz der doppelten Stärkedemonstration in Syrien und Afghanistan – dann spricht fast alles dafür, dass sie wirklich eine bessere Technik entwickelt und nun erfolgreich ausprobiert haben als die bloße Vergeltungsdrohung, um feindliche Raketenabschüsse gleich beim Start verhindern zu können.

Sollte das stimmen, dann verändert sich die strategische Landkarte der Welt enorm. Dann haben die Amerikaner eine strategische Überlegenheit, die alle anderen Streitkräfte noch weiter in den Schatten stellt, als wir ohnedies schon wissen. Dann brauchen sie auch Nordorea keine Vergeltungsschläge mehr anzudrohen.

Sollten jedoch die Vermutungen dieser Analyse falsch sein, dann ginge Korea sehr ungewissen Zeiten entgegen.

Dann würde auch immer mehr die Frage auftauchen: Gehen die Amerikaner mit ihrer neuen Vergeltungsstrategie nicht zu weit? Gewiss, Assad und Taliban können sich nicht gegen die USA wehren. Nordkorea hingegen und viele andere Verbrecherregime können das zumindest in bestimmtem Ausmaß.

Nur, so ein weiterer Schritt in dieser Analyse: Wieweit wird Nordkorea auch weiterhin aggressiv sein und nicht nur reden? Wird es sich angesichts der von Washington gezeigten Entschlossenheit und der massiven Überlegenheit der US-Streitkräfte in allen Kampfarten jenseits des Guerillakrieges wirklich trauen zurückzuschlagen? Die komplette Führungsgarnitur würde ja dadurch die eigene Vernichtung auslösen.

In den letzten Tagen scheinen jedenfalls die Konturen der bisher noch sehr schemenhaften US-Politik unter Trump zunehmend sichtbar geworden zu sein: Trump scheint zwar weiterhin nicht so wie Obama auf einen direkten Machtwechsel in widerlichen Ländern wie Syrien aus zu sein; er arrangiert sich auch mehr als Europa mit dem türkischen Diktator. Er wird jedoch viel energischer als Obama agieren, wenn eines dieser Länder bestimmte Waffen einsetzt. Also wenn Syrien Giftgasbomben einsetzt; oder wenn Nordkorea Atombomben zündet.

Das heißt: Trump will also weiterhin nicht die Demokratisierung dieser Welt erzwingen. Er will jedoch erzwingen, dass sich auch die ärgsten Übeltäter „benehmen“, wie er es formuliert.

Für diese Deutung der neuen amerikanischen Politik gibt es noch keine handfesten Beweise. Dieser Deutungsversuch ist aber zumindest ebenso valide ist wie die Berichterstattung im Mainstream, die letztlich immer nur gebetsmühlenartig wiederholt, dass in Washigton halt ein eitler, dummer und unberechenbarer Wahnsinniger amtiert. Der Mainstream befasst sich in seinem Hass auf Trump lieber mit unbedeutenden Randthemen wie der Frage, ob dieser nicht zu oft in seinem Florida-Anwesen weilt (er tut dies alle 14 Tage), als dass er auch nur den Versuch unternehmen würde, Trumps Politik ohne Vorurteile zu analysieren.

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Foto:  Iordache Gabriel/ Shutterstock

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