DIE PROFITEURE

Max Erdinger Foto: JouWatch

Gestern heiß es in einer deutschen Zeitung – ich weiß nicht mehr, in welcher – , Alexander Gauland „profitiere“ von Petrys Entscheidung, sich nicht als Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl zur Verfügung zu stellen. Inzwischen hat es einen erschossenen Polizisten auf dem Champs Élysées gegeben. Und schon wieder gibt es eine „Profiteurin“: Marine Le Pen. Am Sonntag wird in Frankreich gewählt.
https://www.welt.de/politik/ausland/article163875836/Ein-moerderisches-Geschenk-fuer-Marine-Le-Pen.html

Von Max Erdinger

Allein schon die Schlagzeile in der WELT ist eine Frechheit: „Ein mörderisches Geschenk für Marine Le Pen“. Wer jemandem etwas schenkt, tut etwas sehr Bewußtes. Daß jemand ein Geschenk macht, ohne zu wissen, warum er es tut, dürfte noch nie vorgekommen sein. Daß sich die Beschenkten in aller Regel über ihr Geschenk freuen, ist Sinn des Schenkens. Ein Geschenk soll Freude machen. Die Insinuation der Schlagzeile also: Marine Le Pen freut sich über ein „mörderisches Geschenk“ in Form eines erschossenen Polizisten. Sie „profitiert“.

Das scheint die größte Sorge der Systemversager und ihrer Medienbüttel zu sein: Daß jemand von außerhalb des Systems „profitieren“ könnte von ihrer sträflichen Inkompetenz aus ideologischen Gründen. Die nächste Stufe auf der Leiter des Vorwurfs wäre, daß die „Beschenkten“ den Terror zu ihrem Vorteil „instrumentalisieren“, was als besonders verwerflich zu gelten hätte. Den Vorwurf getraut sich allerdings angesichts der Fülle von Terroranschlägen in der letzten Zeit niemand mehr zu machen. Etwas zu instrumentalisieren bedeutet, aktiv zu sein. Gegen das Beschenktwerden hingegen kann man nichts machen. Das ist eine passive Angelegenheit. Jedoch macht „instrumentalisieren“ (aktiv) und „beschenkt werden“ (passiv) in einer Hinsicht keinen Unterschied: Es gibt einen Profiteur. Und was Profiteure für welche sind, weiß man in der sozialdemokratistischen Gesellschaft der unterstellten Gleichheit von allen mit jedem nur zu genau. Wer profitiert, der tut das immer auf Kosten Dritter. Der Profiteur ist eine unsolidarische Figur. Überspitzt ausgedrückt, hätte die WELT auch titeln können: Erschossener Polizist bedient Le Pens Profitgier.

Ansonsten das Übliche: Wichtig war zunächst einmal, festzustellen, ob es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. Das heißt, als denkbar hatte bis dahin zu gelten, daß es keiner gewesen sein könnte. Es bleibt der Phantasie des Lesers überlassen, was der Terroranschlag sonst gewesen sein könnte. Ob wohl ein FN-Wähler seinem exzentrischen Hobby des Polizistenerschiessens nachgegangen ist? Oder ein dummes Versehen, vielleicht?

Der Täter war – *tärä* – „ein 39-jähriger Franzose“, der wegen eines Angriffs auf Polizisten bereits vorbestraft gewesen ist. Er sei ebenfalls erschossen und identifiziert worden. Warum erfahren wir seinen Namen nicht? Weil es eine Namensgleichheit mit Jean Paul Belmondo oder Charles de Gaulle gibt? Weil es eigentlich eine Täterin gewesen ist, die zufällig Brigitte Bardot heißt? Oder woran könnte das liegen, daß der Täter zwar identifiziert ist, der Leser aber den Namen des „39-jährigen Franzosen“ nicht erfährt? Hat er etwa einen ungünstigen Namen, von dem jemand „profitieren“ könnte?

Zitat: „Während die letzte Präsidentschaftsdebatte läuft, erschüttert drei Tage vor der Wahl ein Anschlag Paris. Auf den Champs-Élysées wird ein Polizist erschossen. Der Täter ist identifiziert. Die Rechtsextremen könnten profitieren.“ – Zitatende.

Ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Terroranschlag also. Drei Tage vor der Wahl, während die letzte Präsidentschaftsdebatte läuft. Allein dafür sollte man als Linksdemokrat dem Attentäter schon eine reinhauen. Kann der nicht wann anders um sich ballern? Weiß er denn nicht, wer drei Tage vor der Wahl profitieren könnte? Soll er nicht eigentlich vor dem Fernseher sitzen, wenn Präsidentschaftsdebatte ist, anstatt frech Polizisten zu erschießen? Da kommt doch zum Mord die Unverschämtheit noch erschwerend hinzu?!
Zitat: „Auf dem Fernsehsender France 2 lief gerade die letzte Debatte der elf Kandidaten, da schien ein halbes Dutzend Schüsse aus einem Sturmgewehr all jene zu bestätigen, die genau so ein Szenario befürchtet hatten: Dass der französische Präsidentschaftswahlkampf durch einen Terrorakt entschieden werden könnte.“ – Zitatende.

Wie man nur darauf kommen kann, der französische Präsidentschaftswahlkampf könne durch einen (in Zahlen: 1) Terroranschlag entschieden werden? – Also ob es vorher nicht schon genügend Terroranschläge gegeben hätte. Fast glaube ich, daß man bei französischen Präsidentschaftswahlen auf das Langzeitgedächtnis des Wählers nichts gibt, womöglich, weil man unterstellt, daß er keines hat. Sein Kurzzeitgedächtnis ist das Schlimme! Marine Le Pen könnte vom Kurzzeitgedächtnis des Wählers profitieren. So ein Kurzzeitgedächtnis ist aber auch eine rechtsextreme Angelegenheit. Kurzzeitgedächtnisse müssten genau genommen verboten werden. Sie sind offensichtlich demokratiegefährdend. Ein einziger Terroranschlag zum ungünstigen Zeitpunkt – und Frankreich fällt Marine Le Pen in den Schoß wie ein überreifer Apfel. Wegen des Kurzeitgedächtnisses. So muß es wohl sein.

Zitat: „Gegen 23.30 Uhr bekennt sich die Terrororganisation Islamischer Staat zu dem Anschlag. Präsident François Hollande bestätigte am späten Abend, dass man von einem terroristischen Akt ausgehe.“ – Zitatende.

Deswegen gibt es auch den Namen des bereits identifizierten Täters nicht. Wenn nämlich herauskommt, daß der 39-jährige Charles de Gaulle im Auftrag des IS einen französischen Polizisten erschossen hat, drei Tage vor der Wahl, mitten auf dem Champs Élysées, während die Präsidentschaftsdebatte im Fernsehen läuft, könnte man nicht schreiben, daß Marine Le Pen davon profitiert. Das würde einem nämlich endgültig keiner mehr glauben.

Wollen mal so sagen: Diejenigen, die von einer Berichterstattung a la WELT profitieren sollen, sind genau dieselben, die mit ihrer egalitaristischen Friede-Freude-Eierkuchen-Ideologie dafür verantwortlich sind, daß Marine Le Pen „profitieren“ wird. Sollen und Werden: Zwei verschiedene Paar Stiefel.

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