JOUWATCH EXKLUSIV: Warum der BILD-Totengräber jetzt Taxi-Driver ist…

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„Er hat früher seine Leser irregeführt, nun sind die Fahrgäste dran“, twittert Mehmet Ünal (@MehhmetBig). Als Chefredakteur fuhr Kai Diekmann (52) Bild vor die Wand, crashte die Auflage von 4,5 auf weit unter 2 Millionen (neue IVW-Quartalszahlen für 2017 kommen am 24. April). Weshalb man ihn auch den „Undertaker“ nennt. Jetzt heuert „Kaischie“ als Berater beim umstrittenen kalifornischen Fahrdienstvermittler Uber an.

Von Harry Haller

Eine gewisse Fahrkultur dürfte er ohne Zweifel mitbringen: Als Bild-Chef ließ sich Diekmann von einem israelischen Bodyguard in einer schwarzen (verlängerten) S-Klasse chauffieren. Als Familienkutsche stand zuletzt ein wuchtiger schwarzer Mercedes GL (7-Sitzer) in der Garage. Und sonntägliche Spazierfahrten ins herrliche Potsdamer Umland unternimmt der „Undertaker“ am liebsten mit seinem schwarzen MGB-Cabrio. Den Oldtimer hatte sich „Kaischie“ vor – gefühlt – fast 30 Jahren gekauft, damals von seinem ersten richtigen Gehalt als BUNTE-Chefreporter.

Guter Rat jedenfalls dürfte bei Uber teuer sein. Das kalifornische Start-Up (Firmensitz: San Francisco) sei eine „Maschine zum Geldverbrennen“, rechnete kürzlich die Alpen-Prawda vor. Laut „Süddeutscher Zeitung“ sollen sich die Verluste nach mehr als 7 Jahren auf gut 4 Milliarden Dollar summieren. Trotzdem wird der Unternehmenswert auf 50 bis 60 Milliarden Dollar geschätzt. Denn der Marktanteil zumindest in den USA wächst rasant.

Das Geschäftsmodell ist wie jedes gute Geschäftsmodell so simpel, dass man erst einmal drauf kommen muss: Uber vermittelt Chauffeurdienste per App. Fahrten sind deutlich billiger als mit dem Taxi, was immer mehr Amerikaner zu schätzen wissen.  Diekmanns früherer Arbeitgeber Axel Springer hat sich, wie jetzt bekannt wird, überraschend an Uber beteiligt. Es handele sich um eine Finanzbeteiligung „im Minimalbereich“, „keine strategische Investition“, bestätigte eine Unternehmenssprecherin eine Recherche des Portals t3n.de. Vielleicht rechnet sich Diekmanns Auszeit auf Verlagskosten von 2012 bis 2013 im Silicon-Valley ja doch noch für Mathias Döpfner?

Bislang machte Uber vor allem mit Negativ-Schlagzeilen von sich reden:  In den USA hat die Google-Schwesterfirma Waymo  Uber in einer Klage Uber vorgeworfen, Technologie einzusetzen,, die ein ehemaliger Mitarbeiter gestohlen habe. Zudem hagelte es Sexismus-Vorwürfe. Eine ehemalige Software-Entwicklerin beschrieb eine durch die Diskriminierung von Frauen geprägte Unternehmenskultur. Zuletzt veröffentlichte ein Uber-Fahrer ein Video, auf dem er sich mit dem Unternehmenschef Travis Kalanick streitet. Kalanick gestand daraufhin Schwächen in der Führungskultur ein und kündigte an, sich Hilfe zu holen.

Womit wir wieder bei Kai Diekmann wären: Der „Undertaker“ soll das Unternehmen in politischen Fragen beraten – als Mitglied im „Public policy advisory board“, das sich einmal im Jahr in San Francisco trifft. Unter anderem gehören dem Gremium der frühere US-Verkehrsminister Ray LaHood, die ehemalige EU-Kommissarin Neelie Kroes und die saudi-arabische Unternehmerin Prinzessin Reema bint Bandar al-Saud an.

In Europa läuft das traditionelle Taxi-Gewerbe seit dem Start des Unternehmens in mehreren Ländern Sturm gegen die neue Konkurrenz. Uber hat hier zudem mit juristischen Hindernissen zu kämpfen. In Deutschland sind Teile des Fahrdienstangebotes aus Sicherheitsgründen verboten.

Diekmann solle keine aktive Lobbyarbeit bei Politikern betreiben. Seine Aufgabe sei vielmehr „kulturelle Übersetzungsarbeit“ zwischen Uber und Europa. teilten die Kalifornier mit.

Doch wie „Uber“-setzt man: „Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir die Fresse ein“? Unschöne Drohungen wie diese kann „Kaischie“ sehr galant übersetzen. Formvollendet beim Dinner mit einem früheren Bundesverkehrsminister – inkl. roter Tiganello für 150 Euro die Flasche bis zum Abwinken beim Berliner Nobel-Italiener „Adnan“ (eigentlich ein Türke). Die Übersetzung lautet dann in etwa so: „Ich muss Ihnen doch nicht sagen, wer alles in Potsdam wohnt, Herr Minister…“ Damals ging es darum, die BER-Flugrouten möglichst weiträumig von Döpfners, Jauchs und Diekmanns Dächern und Gärten fernzuhalten. Was ja auch klappte – insofern: Außer Spesen schon was gewesen!

Aber damals ist lange her, da war „Kaischie“ noch der mächtige Bild-Boss – „Sie wissen doch, Herr Minister…“

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