IST ES DIE MÖGLICHKEIT?

Max Erdinger Foto: JouWatch

„Steuern sind etwas Gutes“: Detlef Esslinger kommentierte in der Süddeutschen Zeitung das allgemeine Ächzen der Leistungsträgerinnen und Leistungsträger, resp. der Leistungstragenden in diesem Lande. Die Steuerlast sei ihnen Qual, nicht Quell der Freude  – und genau das sei die falsche Einstellung. Mehr Begeisterung fürs Steuerzahlen! Wer´s nicht glauben mag, hier der Link …

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuern-und-abgaben-steuern-sind-doch-etwas-gutes-1.3462081

Von Max Erdinger

Zitat: „In einer Debatte über Steuern ist es im Grunde so wie in jeder anderen Debatte auch: Sie wird nicht nur durch die dem Thema zugrunde liegenden Fakten gelenkt; vielleicht dies sogar nur zum geringeren Teil. Viel stärker wird sie gelenkt durch die Betrachtung dieser Fakten – und die wiederum durch die Begriffe, die sich jeweils durchgesetzt haben.“ – Zitatende.

  1. Die Gleichheit aller Debatten vor dem Herrn. Einen solchen braucht es nämlich, um diese Gleichheit zu verfügen. Im Grunde der Debatte. Im lauschigen Debattengrund. Das ganze Vogelgezwitscher.
  2. „Die dem Thema zugrunde liegenden Fakten“ – zefix. Hätte es denn auch welche gegeben, die dem Thema nicht zugrunde liegen? Leidet Esslinger an chronischer Sprachschwellung? Er setzt gleich noch ein virtuoses „vielleicht“. Ganz sicher ist er sich dann aber, daß im feuchten Debattengrund die Debatte „viel stärker“ gelenkt wird – und zwar nicht vielleicht, sondern ganz bestimmt. Und zwar vermittels sich durchsetzender Begriffe. Mit anderen Worten: Esslinger ist der Ansicht, daß sich Deutsch für Debatten schlecht eignet.

Zitat: „Beim Thema Steuern hat sich der Begriff von der Last durchgesetzt.“ – Zitatende.

Das heißt also, daß sich der Begriff von der Freude in der Minderheit befindet. Was muß man mit Minderheiten machen? – Genau: Man muß zusehen, daß sich die Minderheiten freuen und glücklich sind. Ist doch in anderen Zusammenhängen auch so. Hier wäre es eben die Integration der Lebensfrohen in die Gesellschaft der masochistischen Belastungsgeilen. Man fragt sich, was es eigentlich zu jammern gibt angesichts der Gleichheit sämtlicher Debatten im grünen Debattengrunde.

Zitat: >“Eine „Entlastung bei den Steuern“ forderten am Mittwoch die führenden Wirtschaftsforscher in ihrem Frühjahrsgutachten. Und wovon war die Rede am selben Tag im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, den vor allem die SPD-Ministerin Nahles verantwortet? Von „steuerlichen Erleichterungen“. Überhaupt, die Begriffe und Metaphern beim Thema Steuer: Steuerpflichtiger, Steuerzahler, Steuerfalle, Melkkuh. Gibt es bei dem Thema eigentlich auch positiv klingende Wörter? Ja; Paradies, Oase und Asyl.<  – Zitatende.

Ja, ein paar positiv klingende Wörter fallen mir auch ein: Steuervermeidung und Steuerflucht zum Beispiel. Ich garniere das mal mit ein paar Zahlen. Im Jahre 2003 betrugen die Gesamtsteuereinnahmen des Bundes nicht inflationsbereinigt 442 Mrd. Euro. Für das Jahr 2017 werden über 700 Mrd. prognostiziert. Die Steuerquote liegt bei weit jenseits von 50 Prozent eines durchschnittlichen Bruttoeinkommens. Direkte und indirekte Steuern addiert, dürften wir in Deutschland bei etwa 65 – 70 Prozent liegen. Aber der „Begriff von der Last“ stößt dem Herrn Esslinger auf. Steuern seien doch etwas Gutes, meint er.

Ein Leben, Herr Esslinger, ist auch etwas Gutes. Etwas verdammt Gutes sogar. Im Jahre 1970 reichte der Lohn eines Facharbeiters aus, um seine vierköpfige Familie zu ernähren, ein Häuschen abzubezahlen, sich einen Opel Rekord zu leisten und einmal im Jahr mit Sack und Pack in den Urlaub nach Italien zu fahren. Das ist heute undenkbar. 1970 wurden aber auch nicht Hunderttausende Sozialhilfebedürftiger aus anderen Kulturkreisen ins Land geholt, sondern Arbeitskräfte. Es gab keine milliardenschwere Förderung von Kokolores wie Gender Mainstreaming, dessen Implementierung mit bis zu 1,3 Mrd. Euro pro Jahr gefördert wurde und wird, ohne daß ein nennenswerter Teil des steuernlatzenden Volks überhaupt wüßte, worum es dabei gehen soll. Den ganzen steuerfinanzierten Egal-wofür-Beauftragten-Apparat gab es nicht. Politiker, die sich eine 4 Mrd. Euro-Bauruine geleistet hätten, wären geteert und gefedert vom Hofe gejagt worden. Das sind die „dem Thema zugrunde liegenden Fakten“, Herr Esslinger, deren Betrachtung  sich bei aller Gleicheit sämtlicher Debatten im romantischen Debattengrunde eben nicht an den Begriffen festmacht. Das ist der faktische Hintergrund für die Durchsetzung des Begriffs „Last“. Um in der Esslingerschen Diktion zu bleiben: „Im Grunde ist es bei den dem Thema zugrunde liegenden Fakten immer das gleiche, – das Steuersklavendasein ist so belastend wie jedes andere Sklavendasein.“

Man könnte wunderschöne Spaziergänge mit seinem Hund im Wiesengrunde unternehmen in der Zeit, in der man sonst debattengrundmäßig für den Staat anschaffen ginge. Man könnte ein Leben haben, anstatt sich der Finanzierung von Inkompetenz, Maßlosigkeit, Gier, Arroganz und feudalistischen Herrscherallüren zu widmen. Und man sollte sich dafür entscheiden. Der Steuerzahler, Herr Esslinger, wäre nämlich dann, wenn er tatsächlich Demokrat sein sollte, durch seine Finanzierung der Machenschaften dieser Regierung – bei aller Unterschiedlichkeit der Betrachtungsweisen selbstredend – „vielleicht auch“ als Mittäter zu bezeichnen, um hier mal ein bißchen mit den Begriffen zu spielen, die ihrer Durchsetzung harren. Man hilft einem Süddeutschen gern auf die Sprünge. Nichts zu danken!

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