Abschied von der Trump-Illusion: Überlegungen nach einer politischen Ernüchterung

Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Es ist nur ein schwacher Trost, dass es so vielen in den USA, Deutschland und anderswo ebenso ergeht: Ich habe mich in meinem nicht mehr ganz jungen Leben nun doch noch von einem Politiker auf für mich (und andere) ziemlich blamable Weise in die Irre führen lassen. Dabei hätte ich es eigentlich besser wissen sollen. Denn die Hoffnung, ausgerechnet ein Egomane und ausgebuffter Geschäftemacher wie Donald Trump könnte sich zum Sachwalter der Globalisierungsverlierer seines Landes, zum unbequemen Störenfried militanter Großmachtpolitik oder zum Sachwalter einer Verständigung mit Russland machen – diese Hoffnungen, die reines Wunschdenken waren, können und sollten wir nach den jüngsten Entwicklungen so rasch wie möglich aufgeben. Wir müssen uns sogar mit der Möglichkeit beschäftigen, dass Trump genau das Gegenteil von dem machen wird, was im Sinne und Interesse der patriotisch-freiheitlichen Bewegungen in Europa ist.

Von Wolfgang Hübner

Die politischen Fakten sprechen eine klare Sprache: Trump hat in Syrien militärisch eingegriffen, obwohl er keinerlei Beweise für die Verantwortung Assads präsentieren konnte und kann, den Giftgasmord an vielen Menschen befohlen oder toleriert zu haben. Trump bekennt sich nun uneingeschränkt zur NATO, die er vor einiger Zeit noch für überholt hielt. Trump hat seinen von den hiesigen Medien geradezu verteufelten Vertrauten Bannon nicht nur degradiert, sondern demütigt ihn nun auch noch mit abschätzigen Äußerungen. Und mit seinem neuen ökonomischen Berater wird der Präsident, der Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen versprach, bald in den Zwängen des globalistischen Freihandels kleine Brötchen backen müssen. Die Liste von Trumps Kehrwendungen, bejubelt von den US-Falken und fast ungläubig erleichtert zur Kenntnis genommen von den kurzzeitig in Panik geratenen deutschen „Atlantikern“ und Exportprofiteuren, ließe sich noch fortsetzen. Diese Liste wird demnächst, geht es so weiter, bestimmt mehr als ein Blatt benötigen.

Es gibt viele Vermutungen, Gerüchte und Theorien, warum es zu all diesen in Anbetracht seiner früheren Ankündigungen und Versprechen geradezu unglaublichen Richtungsänderungen von Trump gekommen ist. In der Politik zählen aber nur die Fakten. Und die sind gerade für seine bisherigen Unterstützer und Bewunderer nicht nur ernüchternd, sondern geradezu niederschmetternd. Doch Klagegesänge über den offensichtlichen Großverrat, über eines der größten Täuschungsmanöver in der Demokratiegeschichte nicht nur der USA, über einen Mann ohne festen Überzeugungen außer der von der eigenen Großartigkeit – das alles hilft nicht weiter und endet nur in der ziemlich bequemen Resignation, dass Politik eine schmutziges Geschäft und Politikern eben nie zu trauen sei.

Eine ganz andere Erkenntnis aus der Trump-Ernüchterung ist jedoch wichtiger, vor allem konstruktiver: Wir unzufriedenen Deutschen im Elend der Merkel-Maas-Schulz-Tristesse, zudem gefangen im Schuldturm einer „jüngsten“ Vergangenheit, die aufgrund bestimmter Interessen nie vergehen soll, müssen aufhören, unsere Hoffnungen darauf zu richten, politische Hilfe oder gar Erlösung von ausländischen Heilsbringern zu erwarten. Sollte das wirklich doch einmal geschehen (Gorbatschow!), dann können wir uns ja umso mehr freuen. Doch auch Gorbatschow hat der Wiedervereinigung gewiss nicht aus lauterer Deutschfreundlichkeit zugestimmt, sondern aus innenpolitischen Gründen in einer maroden Sowjetunion.

Erwarten wir also künftig nichts mehr von Trump, aber erwarten wir auch nichts von Putin oder Le Pen oder dem Brexit für uns. Sowohl der russische Präsident, die französische Kandidatin oder der historische EU-Austritt Großbritanniens können bei unserem politischen Kampf für die Bewahrung und Wiedergewinnung nationaler Souveränität, kultureller Identität und für eine soziale, also nicht globalistisch orientierte Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung von positiver Bedeutung sein. Doch den Kampf müssen wir selbst führen und gewinnen.

Es kann übrigens durchaus sein, dass Trump aus irgendwelchen Gründen und Launen in der Zukunft wieder alte Hoffnungen erweckt. Wir sollten uns dann nicht abermals in Illusionen ergehen – für uns macht er das bestimmt nicht. Aber wir werden daraus eventuell resultierende Vorteile in der deutschen Innenpolitik auch gerne für unsere Interessen und Zwecke nutzen. Die Enttäuschung über Trump sollte jedenfalls Anlass genug sein, den Kampf um die Zukunft unseres eigenen Landes endlich selbstverantwortlicher und selbstbewusster zu führen.

Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

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