Wird Facebook für den Wahlkampf missbraucht?

Rainer Fuhrmann/ Shutterstock

Nicht nur in Deutschland geht es den Facebook-Usern an den Kragen. Überall dort, wo Wahlkampf ist, scheint man von Regierungsseite die Betreiber dieses sozialen Netzes unter Druck zu setzen.

Kurz vor der Präsidentenwahl geht Facebook zum Beispiel in Frankreich gegen 30 000 Accounts vor, die unter dem Verdacht stehen, sogenannte Fake-News zu verbreiten. Den Nutzern wird vorgeworfen, falsche Geschichten, Informationen und Falschmeldungen zu verbreiten.

“Unser erklärtes Ziel ist es, diese Accounts zu schließen“, erklärte der Facebook Sicherheitsmanager Shabnam Shaik. Ihm sei klar, dass sie bei dieser politischen Säuberungsaktion nicht alle Accounts löschen können, die „Fake-News“ verbreiten. „Wir müssen da noch besser werden. Es ist eine ständige Herausforderung“, so Shabnam Shaik gegenüber CNN.

Die Angst, dass sogenannte Falschmeldungen die beginnende Präsidentenwahl am 23.April beeinflussen könnten, ist groß.

Facebook schaltet auch Anzeigen in großen Zeitungen in Frankreich und Deutschland, um den Nutzern zu erklären, wie sie „Fake-News“ entdecken können.

Nach der Wahl des amerikanischen Präsidenten Trump, gerät Facebook zunehmend unter Druck. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, Trump durch die Verbreitung solcher Meldungen zum Sieg verholfen zu haben.

Auch in Frankreich haben sich nun Google, Facebook und Journalisten seit Anfang Februar in dem Programm „CrossCheck“ verbündet, um die Verbreitung von „Fake-News“ zu stoppen.

Auch in Deutschland gibt es in diesem Jahr Wahlen und so hat die Bundesregierung bereits beschlossen, Unternehmen, die nicht gegen „Falschmeldungen“ vorgehen, mit Geldstrafen bis zu 50 Millionen Euro zu belegen.

http://money.cnn.com/2017/04/14/media/facebook-fake-news-france-election/

JouWatch hat deswegen einen Appell an Facebook verfasst:

Liebe Facebook-Macher!

Wir wenden uns heute an Sie, weil wir Angst um die Zukunft Ihrer ursprünglichen Idee haben.

Facebook ist eine großartige Möglichkeit für viele Millionen Bürger weltweit, unzensiert, also völlig frei, miteinander zu kommunizieren, Ideen und Meinungen auszutauschen und sich fernab von reglementierten und damit beschränkten Möglichkeiten zu informieren.

Wir möchten – auch im Interesse von Facebook, dass das so bleibt.

Leider aber müssen wir feststellen, dass in letzter Zeit sehr viele systemkritische User gesperrt und sogar deren Konten gelöscht wurden.

Das geschieht auf Druck von außen, also von Regierungsstellen, die ganz bestimmte Interessen verfolgen – ganz besonders im Wahlkampf.

Mit Ihrer Entscheidung, u.a. das „gemeinnützige Recherchezentrum“ Correktiv damit zu beauftragen in Deutschland Falschmeldungen, also sogenannte „Fake News“ auf Facebook zu finden und entsprechend zu melden, haben Sie Ihre für eine Kommunikationsplattform gebotene Neutralität verlassen, denn hinter Correktiv stehen bestimmte Interessengruppen. Parteien, Ministerien und Medien, die ihrerseits politische und kommerzielle Interessen verfolgen:

Außerdem hat Correctiv weder die personellen Kapazitäten noch die journalistischen Kompetenzen richtige Meldungen von falschen Meldungen zu unterscheiden. Es wäre also sehr schwer für das „Recherchezentrum“ stichhaltige Beweise für sogenannte „Fake News“ zu erbringen. Dennoch werden Sie als Kommunikationsplattform zum Handeln gezwungen. So werden die von Ihnen oder Correctiv gemeldeten sogenannten „Fake News“ und die darauffolgende Löschung ein Akt der Willkür und widersprechen der einstigen Gründungsidee von Facebook.

Das gleiche gilt für den Bereich „Hasskommentare“. Natürlich haben menschenverachtende Kommentare und Beiträge nirgendwo etwas zu suchen, auch bei Facebook nicht. Aber auch hier gibt es in Deutschland keine neutrale Instanz, die beurteilen kann, wann Kritik aufhört und Hass beginnt, einfach weil jeder, der das beurteilen will, seine eigenen bzw. die Interessen seiner Auftraggeber verfolgt.

Lassen Sie sich bitte nicht unter staatliche Kontrolle stellen, lassen Sie sich nicht für den Wahlkampf einspannen!

Bislang hat sich Facebook aus dem parteipolitischen Alltag eines Landes herausgehalten und Neutralität bewiesen. Lassen Sie sich auch in Zukunft nicht von bestimmten politischen Kräften vor den Karren spannen und für deren Zwecke missbrauchen. Das wäre nämlich das Ende von Facebook, so wie seine User diese Plattform bisher gebrauchen und schätzen gelernt haben.

Bleiben Sie bitte Facebook!

Rainer Fuhrmann/ Shutterstock

 

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