Was wollen Jihadisten? Das Kalifat!

Foto: Prazis/ Shutterstock
Der Islam überzieht Europa mit Terror (Foto: Prazis/ Shutterstock)

Dieser Aufsatz ist ein Kapitel in dem Buches von Dhruv C. Caoch/Shakit Sinha (Hg.): Global Terrorism: Challenges and Poliy Options. New Delhi (Pentagon Press) 2017, S. 88-91.

Anmerkung DP: Diese Kapitel basiert auf einem bei der India Foundation Conference zu Terrorismusbekämpfung in Jaipur im Februar 2016 gehaltenen Vortrag; es wurde ohne meine Unterstützung veröffentlicht. Ich habe leichte Änderungen am Text vorgenommen. Der Originaltitel lautete: „Das Kalifat, Al-Qaida und der globale Jihad.“

Eine oft gestellte Frage lautet: „Was wollen die Jihadisten [Mudschaheddin]?“ Die Antwort ist überraschend unklar, da die meisten ihrer Anschläge keine klaren Forderungen beinhalten.

Von Daniel Pipes

Die furchtbaren Anschläge von Mumbai im November 2008 und Paris im November 2015 wurden von Selbstmord-Teams verübt; dabei führten Bewaffnete Massenerschießungen durch. Andernorts haben sie sich auf Angriffe mit Maschinengewehren, Enthauptungen, Bombenanschläge, Entführungen usw. verlegt. Nachdem die Angreifer von Sicherheitskräften neutralisiert wurden, wird eine Auswertung des von ihnen angerichteten Schadens vorgenommen und Kriminalbeamte versuchen die Identitäten der Täter ausfindig zu machen und sich die möglichen Motive anzusehen. Undurchsichtige Internetseiten erheben dann nachträglich unbestätigte Ansprüche, die die Frage „Was wollen die Jihadisten?“ Lügen strafen.

Motive für jihadistische Anschläge

Warum bleiben die Motive ungeklärt? Nach den Anschlägen auf die USA am 11. September 2001 spekulieren die Analysten immer noch über die vermutlichen Motive. Umfassend ausgedrückt können wir jedoch sagen, dass es zwei allgemeine Kategorien oder Motive für Anschläge gibt.

Die erste ist die Veränderung einer bestimmten Politik des Staates, der ins Visier genommen worden ist. Als Beispiel könnte dies für den Abzug von Auslandstruppen aus dem Irak und Afghanistan gelten oder darum Riyad dazu zu bringen die ausländischen Truppen aus seinem Staatsgebiet auszuweisen. Es könnte auch darauf zielen Regierungen unter Druck zu setzen die Unterstützung Israels zu beenden oder auf New Delhi Druck auszuüben die Kontrolle über den Kaschmir aufzugeben.

Die zweite Kategorie hat eine breitere Grundlage und zielt darauf, Nichtmoslems im Allgemeinen zu schwächen, ihre Wirtschaft zu untergraben, in der Psyche ihrer Bevölkerung Angst zu schaffen und zu versuchen moslemische Überlegenheit herzustellen. Aber beide Kategorien deuten auf etwas noch Größeres hin. Die Jihadisten streben den Aufbau einer von Moslems, dem Islam, der Scharia und dem Kalifat beherrschten Welt an.

Wir sehen, dass der Jihad zwei Formen annimmt, die auf der relativen Stärke der moslemischen Bevölkerung in einer Gegend gründen. Wo Nichtmoslems herrschen, wird der Versuch unternommen die Kontrolle über die Hebel der Macht zu gewinnen und das Sagen zu haben. Das Ziel besteht darin die Herrschaft der Kafir zu stürzen. Es gibt keinen direkten Versuch zu konvertieren, aber der Krieg ist ein Krieg um Territorium. Wo Moslems herrschen, besteht das Ziel darin die Scharia in ihrem vollen Umfang anzuwenden. Die Hoffnung oder das Endstadium ist ein frommer, gerechter Herrscher, der die Moslems stark und reich machen kann und der ihre Spaltungen beenden kann. Der Endzustand beider ist allerdings ein weltweites Kalifat. Der Kalif herrscht über alle Völker der Welt und setzt die Scharia in vollem Umfang um.

Kurze Geschichte

Die Nachfolge Mohammeds sah tiefe Spaltungen im Islam, die bis heute fortbestehen. Im Kern des Streits stand, wer den Platz des Propheten an der Spitze der moslemischen Gemeinschaft einnehmen würde, was heute eine noch größere Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten schafft. Die Nachfolger Mohammeds leiteten jedoch die großen islamischen Eroberungen der folgenden dreihundert Jahre. Das exekutive Kalifat endete in den 940-er Jahren und obwohl der Titel weitergegeben wurde, war das nur symbolisch. Das letzte Abbasidenkalifat in Bagdad endete im Jahr 1258 unserer Zeitrechnung, nach der Brandschatzung Bagdads durch die Mongolen. Während der zweiten Hälfte der abbasidischen Herrschaft hatten moslemische Herrscher allerdings begonnen, andere Titel wie Sultan zu verwenden. Atatürk beendete das Kalifat am 3. März 1924, aber die Idee blieb am Leben, wie man an der [indischen] Kalifatsbewegung der Jahre 1919 bis 1926 sehen kann.

Die jüngeren Artikulierungen eines Kalifats sind von Osama bin Laden gekommen; er wollte ein „frommes Kalifat, das in Afghanistan beginnt“. Sein Nachfolger, Ayman al-Zawahiri, stellte sich ein Kalifat vor, durch das „die Geschichte eine neue Wendung nehmen soll“. Fazlur Rehman Khalil, ein Al-Qaida-Führer sagt dazu: „Infolge des Segens des Jihad hat der Countdown für Amerika begonnen. Es wird bald seine Niederlage bekanntgeben“ und dem wird ein Kalifat folgen. 2005 eröffnete Al-Qaida den Radiosender Sawt al-Kahlifa.

Das Kalifat

Fatih Alev, der Imam des Danks Islamisk Center in Kopenhagen.

Ankündigungen gewisser Führer und ein allgemeines Gefühl in der Bevölkerung vermittelten ein Gefühl dafür, dass ein Kalifat bevorsteht. Bei einem Treffen der Hisb ut-Tahrir in Kopenhagen musterte ihr Imam Muziz Abdullah eine Halle, die mit stehendem Publikum dicht gefüllt war. „Als wir vor zehn Jahren begannen, was es völlig unrealistisch zu glauben, dass es ein Kalifat geben könnte“, erklärte er. „Aber heute glauben Menschen, es könnte in ein paar Jahren kommen.“ Fatih Alev, ein Kopenhagener Imam, erklärte: „Heute ist das Kalifat völlig irrelevant. Morgen könnte es relevant sein, ich würde das nicht ausschließen.“

Es gab auch unter den einfachen Leuten ein Gefühl, dass ein Kalifat unmittelbar bevorsteht. Kerem Acar, ein Schneider im Zentrum von Istanbul, sagt: „Ich werde es nicht mehr erleben und meine Kinder auch nicht, aber eines Tages werden vielleicht meine Enkel sehen, dass jemand sich zum Kalifen ausruft, wie der Papst, und Einfluss nehmen wird. Ertuğul Örel, ein Cafébesitzer in Istanbul, gab der Hoffnung auf ein Kalifat Ausdruck, glaubte aber nicht, dass es kommen würde. „Ein Kalifat bedeutet, es würde [nur] eine Stimme geben“, sagte er. „Doch ich weiß, dass weder die Amerikaner noch die Europäer das jemals zulassen werden.“ Ali Bulaç, ein türkischer Experte für Islam und die Türkei, war ziemlich deutlich, als er erklärte: „Das Konzept des Kalifats ist im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft noch deutlich am Leben.“

So ziemlich dieselbe Sichtweise drückte Zeyno Baran aus, ein Experte für die Hisb ut-Tahrir. „Vor ein paar Jahren lachten die Menschen darüber. Aber jetzt, wo bin Laden, Zarqawi und andere sagen, sie wollen das Kalifat wiederherstellen, nehmen die Leute das ernst.“ Plakate, die mit großen knallroten Buchstaben die Gründung eines islamischen Kalifats im Libanon fordern, sind heute auf vielen Straßen von Sidon zu sehen, aufgehängt von den Mitgliedern des Hisb ut-Tahrir. Die Plakate fordern eine „Wiederbelegung des islamischen Kalifatstaats, nachdem die Feinde im arglistigen und kolonisierenden Westen unsere geistige Macht unterschätzten. Nur mit einem islamischen Staat werden wir am Ende stark sein“.

James Brandon schreibt im Christian Science Monitor: „Die Hisb ut-Tahrir verspricht, dass ein wiedererrichtetes Kalifat die Korruption beenden und Wohlstand bringen wird. … Es wird die Moslems den Westen herausfordern und letztlich erobern lassen.“ Er zitiert Abdullah Shakr, ein jordanisches Mitglied der Gruppe: „Die moslemische Welt hat Ressourcen wie das Öl, aber ihr fehlt die Führung, die uns mit dem islamischen Recht regieren wird und diesen Jihad führt, vor dem die ganze Welt Angst hat.“ Shakr deutet an, dass der Erfolg des Kalifats mehr Übertritte zum Islam bringen und die gesamte Welt moslemisch machen wird. Der Weg zum Kalifat jedoch, wie er von Hisb ut-Tahrir propagiert wird, verläuft schrittweise und zumeist friedlich. Für Al-Qaida ist er gewalttätig und revolutionär.

Nichtmuslimische Ansichten

Dick Cheney begriff das Kalifat besser als die meisten Professoren für Islamstudien.

Jenseits der muslimischen Welt hatte das Verständnis eine andere Größenordnung. 2004 erklärte Dick Cheney, als er über Osama bin Laden sprach, ausdrücklich: „Sie reden davon, dass sie wieder gründen wollen, was man als ein Kalifat des siebten Jahrhunderts bezeichnen könnte“, das „vom Schariarecht regiert wird, der strengsten Interpretation des Koran“, sagte er. Viele andere in der Administration von George W. Bush zogen nach und 2005 ließ der Daily Telegraph die Alarmglocken schrillen, als er darlegte: „Fanatiker rund um die Welt träumen von der Rückkehr des Kalifats.“

Die Vorstellung schien damals unmöglich und die Bush hassende Linke, einschließlich Islam-Experten (Kenneth M. Pollack, John L. Esposito, Shibley Telhami) taten das gesamte Thema verächtlich ab. Der Investigativjournalist Robert Dreyuss war der Idee des Strebens nach einen Kalifat gegenüber ziemlich abschätzig. Er beschrieb die Vorstellung, dass islamistische Kräfte in Nordafrika und Südostasien ein Kalifat errichten wollten, als „idiotisch“. „Das war ausgemachter Unsinn“, sagte er. „Was geschah, war, dass diejenigen in der Administration, die solche Angaben machten, diese auf das stützten, was sie auf Al-Qaida und anderen jihadistischen Internetseiten lasen.“ Er fügte hinzu: „Solche Drohungen befanden sich in der Natur der Fantasie und sollten als solche behandelt werden.“

Es gibt ein Kalifat

Als am 29. Juni 2014 plötzlich ein Kalifat auftauchte, angekündigt von einem „islamischen Staat“ und geführt von Kalif Ibrahim, da kam das unerwartet. Der Mitteilung folgten spektakuläre militärische Siege, besonders in Mossul, die ihm einzigartiges weltweites Prestige verlieh. Gruppen wie Boko Haram huldigten ihm und es hatte elektrisierende Wirkung auf sunnitische Moslems. Der mögliche Einfluss des Islamischen Staats als Kalifat ist einer, der den Traum einer einzigen Herrschaft, die über den gesamten Islambereich herrscht, stärkt und darüber hinaus andere inspiriert dasselbe zu tun und islamistische Bewegungen radikalisiert.

http://de.danielpipes.org/17425/was-wollen-jihadisten-das-kalifat

Foto:  Prazis/ Shutterstock

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...