Eine nicht ganz so frohe Osterbotschaft

Foto: Collage
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Von Alexander Wendt

Gern würde ich am Sonntag eine frohe Osterbotschaft überbringen. Ich fürchte, die Zeiten sind nicht danach. Egal ob wir hinschauen oder uns wegdrehen: wir sind gerade Zeugen oder wenigstens Zeitgenossen der Vernichtung christlicher Kultur im nahem und mittleren Osten. Das Christentum im Irak ist weitgehend ausradiert, in Syrien allenfalls noch rudimentär vorhanden. Die Kopten in Ägypten erleben gerade eine der größten Wellen islamischen Terrors.

Wenigen Europäern ist bewusst, dass die Mehrzahl der Christen immer außerhalb Europas gelebt hat. Die ältesten christlichen (oder früher christlichen) Staaten heißen Ägypten, Äthiopien, Georgien und Armenien. Auch die Kirchen vom Libanon bis Irak zählen zu den frühesten der Welt. Die Bedeutung dieser Geschichte geht weit über die Religion hinaus. Sie gehört zu unseren kulturellen Wurzeln.

Während diese Wurzeln gerade von moslemischen Eiferern gerodet werden, finden die Kirchenführer in Deutschland kaum ein Wort des Protestes. Sie prangern nichts an, sie hüten sich, die generelle Aggressivität des Islam festzustellen, in dem es bisher ab und zu nachbarschaftliche Hilfe für verfolgte Christen gibt, aber nirgends eine generelle Solidaristätsbewegung unter Moslems. Im Gegenteil: Mit ihrer demonstrativen Abnahme des Brustkreuzes auf dem Tempelberg vollzogen EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Marx einen Kapitulationsakt, der gar nicht bedeutender hätte sein können.
Bedford-Strohm, Marx und Woelki sind einfach viel zu beschäftigt, die Kirchenlichter auszuschalten, wenn irgendwo draußen ihnen nicht genehme Demonstranten auf dem Platz stehen; Bedford-Strohm verkündet bevorzugt ein notdürftig mit salbungsvollem Klimbim umrahmtes grünes Parteiprogramm.

Es vollziehen sich zwei Bewegungen gleichzeitig: während die letzten Christen im mittleren Osten und neuerdings auch in Ägypten drangsaliert, ermordet oder vertrieben werden, strömten unter demonstrativem Applaus der Kirchenmänner innerhalb von 15 Monaten hunderttausende junge moslemische Männer nach Deutschland. Christliche Flüchtlinge – also in jedem Fall echte Flüchtlinge – finden sich nur hier und da in der großen Einwanderung. Kein Bedford-Strohm, kein Marx kommt auf die Idee, wenigstens eine europäische Luftbrücke zu fordern, um alle Christen aus den bedrohten Gebieten auszufliegen, die das wünschen. Sie sehen keine Verantwortung dafür, arabische Christen bevorzugt hier aufzunehmen.

Den Amtskirchenbrüdern fällt auch keine Sekunde auf, dass ihr ständiges Gerede von Dialog und Suche nach dem Gemeinsamen überhaupt kein Echo auf der moslemischen Seite findet, nicht bei den schon länger hier lebenden Söhnen und Töchtern des Propheten, um einmal Angela Merkel zu bemühen, und schon gar nicht bei denen, „die neu dazugekommen sind“ (abermals A. M.) Bestenfalls gibt es ein bißchen Dialogsprech a la Aiman Mazyek (also auch A.M.), stets garniert mit Klagen über die unentwegte Benachteiligung und Stigmatisierung der Moslems in Deutschland, dem Staat, den Moslems Asiens und Afrikas merkwürdigerweise trotzdem besiedeln wie kein anderes Territorium außerhalb der Umma.

Man kommt nicht umhin, im Schweigen der einschlägigen Bischöfe und Kardinäle zur Vernichtung des Minderheitschristentums in den moslemischen Ländern eine volle Absicht zu sehen. Es scheint sie zu erleichtern, dass der alte Teil ihrer Religion endlich abgehauen wird. Und dass Kopten, syrisch-orthodoxe und andere Altchristen hier in größeren Mengen auftauchen, allesamt Gläubige, die sich der Ökumene mit dem Islam, dem Kampf gegen Rechtspopulismus und Klimaerwärmung nur verweigern würden – da sei Margot Käßmann vor.

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