AfD-Wahlkampf in Essen: Aller Anfang ist schwer

Am Samstag war es soweit. Der Wahlkampfauftakt der AfD fand in Essen statt. Unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen, die man sich nur denken kann. Denn schon im Vorfeld lief schief, was Polizeibedienstete mit SPD-Parteibuch, Ordnungsamtsmitarbeiter mit Weisungen von oben und städtische Politiker mit Zukunftsängsten, nur haben schieflaufen lassen können.

Von Holm Teichert


Ins Zentrum wollte die AfD ursprünglich. Man wollte dahin, wo die Essener unterwegs waren. Wo sie einkaufen, wo sie durch die Geschäfte bummeln, wo sie mit den Zügen ankommen, kurz, wo die AfD gesehen wird, wo man damit rechnen konnte, dass Leute stehen bleiben und einfach mal zuhören, wenn die Partei über sich und ihre Vorstellungen über unserer aller Zukunft spricht.
Doch da bekam die Partei schon mal das erste von mehreren Problemen:
Die Stadtverwaltung, die, trotz eines CDU-Bürgermeisters, fest in Hand von SPD-Parteibuchsoldaten ist, hatte nie vor, die politische Konkurrenz ins Herz der Stadt zu lassen.
Das wäre ja noch schöner, wenn man die bösen Nazis sich so platzieren lassen würde, dass sie am Ende auch noch die Wähler erreichen.
Und so kam bei den städtischen Bediensteten die Idee auf, die Wahlkampfveranstaltung wegen einer gleichzeitig stattfindenden städtischen Mottoserie aus dem Zentrum fernzuhalten. Ob es nun die „Grüne Hauptstadt“, die „Lichterwoche“, eine „Wir halten die Stadt nazifrei“-Veranstaltung oder der „Kontest der schönsten städtischen Gehwegplatte“ war, die als Grund vorgeschoben wurde, um der AfD den eigentlich gewünschten Platz zu verweigern, spielte letztendlich keine Rolle. Sie fand nämlich faktisch gar nicht statt.
Und so beugte sich die AfD den Kampfansagen der Stadtverwaltung aus unerklärlichen Gründen und verlegte die Veranstaltung nach Altenessen.
Und hier war dann schon das nächste Problem:
„Ausgerechnet Altenessen“, stöhnten die Leute auf, als der neue Veranstaltungsort bekannt wurde.
Denn Altenessen ist nicht Essen in alt. Nein. Altenessen ist Essen in bunt. So bunt, dass es fest in moslemischer Hand ist. Darüber gibt es bei den Bürgern längst keine Diskussion mehr. Das Einzige, was noch rege diskutiert wird, ist, ob nun noch die Türken, oder doch schon die Libanesen das Kommando im Stadtteil haben.
Ob die Entscheidung für Altenessen nun eine strategische war, immerhin kommt Guido Reil aus diesem Stadtbezirk, oder nur aus Ortsunkenntnis der Organisatoren, ist zweitrangig.
Auch von daher blieben zu viele interessierte Essener der Veranstaltung fern, weil sie schlicht Angst vor den gerne schon mal in Rudeln auftretenden Anwohnern hatten.
Erschwerend hatte der alternativ gewählte Platz exakt alles das, was man als Planer und Organisator eines solchen Events normaler Weise meidet, wie der Teufel das Weihwasser.
Umgeben von hohen Häuserfassaden blieb jeder Unbeteiligte, der sich hätte spontan entschließen können, stehen zu bleiben und zuzuhören, durch seine Unkenntnis der Veranstaltung von ihr ausgeschlossen, es sei denn, dass er sowieso zielgerichtet zu ihr wollte. Aber vielleicht wussten die Macher ja schon, dass es an Spaziergängern oder Schaufensterbummlern in Altenessen sowieso fehlt. In Altenessen geht man nicht bummeln. In Altenessen beeilt man sich, nach Hause zu kommen, ohne überfallen oder verprügelt zu werden.

Die Idee Reils, die Veranstaltung mit Würstchenstand für die Besucher und Hüpfburg für deren Kinder, aufzuwerten, war so richtig, wie auch konsequent. Bratwürste und Hüpfburgen gehen immer. „Machste einfach nix falsch mit“, wie der Ruhrpöttler sagen würde.
Klar, dass das die ängstlich auf einen möglichen AfD-Erfolg starrenden Amtsstubeninsassen auch wissen, die natürlich sofort Bratwürste und Hüpfburgen untersagten. Das Warum konnte mir trotz mehrfacher Nachfrage niemand in den sozialistisch geführten Behörden erklären.
Aber auch Guido Reil konnte mir nicht sagen, warum er dieses Verbot akzeptierte.
Hier ein Gang zum Gericht, um einen Eilantrag durchzupeitschen, hätte nur ein paar müde Euros gekostet und Anwälte, die das übernehmen, sollte es ausgerechnet in der AfD mehr geben, als in der SPD oder gar bei den Grünen. Und ein Kippen dieses Verbotes wäre, soviel weiß ich aus mehrfacher eigener Erfahrung, mit fast 100% sicher gewesen.
Doch es passierte nichts. Das Verbot wurde hingenommen, ein wertvoller Inhalt einer Wahlkampfveranstaltung wurde müde verschenkt.
Dass dann aber auch keiner auf die Idee kam, statt der höchstbehördlich untersagten und mit einem Bann belegten AfD-Bratwürste, einen gewerblichen Imbissstand kommen zu lassen, der seine Fremdanbieterbratwürste an die Teilnehmer verschenkt und später mit der Essener AfD abgerechnet hätte, ist traurig.
Warum eine untersagte Hüpfburg nicht allein aus Trotz, durch ein buntes Programm ersetzt wurde, ist wohl hoffentlich auch nur durch die Unerfahrenheit der Organisatoren, nicht aber durch mangelnden Kampfeswillen zu erklären.
Ein Schlag ins Gesicht der Beamten wäre es nämlich gewesen, wenn statt der verbotenen Hüpfburg, ein Glücksrad mit kleinen Gewinnen, ein Kinderschminkstand, ein Ballonclown oder eine Kinderanimateurin auf den Nachwuchs gewartet hätten. Das wäre familienfreundlich gewesen, das hätte die trotzdem erfolgreiche Veranstaltung noch einmal massiv aufgewertet und das hätte noch viele Erwachsene mehr animiert, ihre Kinder mitzubringen.
So wäre übrigens auch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch gewesen, wenigstens einige Familien, die das angrenzende Alleecenter durch den Seiteneingang verließen, der Kinder wegen, rüberzulocken.
Diese Punkte erwecken bei mir den Eindruck, als hätten die Beamten hier einfach mal im Trüben gestochert und mit Verboten und Hindernissen um sich geworfen, die den Organisatoren aus mangelnder Erfahrung als gottgegeben und unumstößlich erschienen sein mögen.
Ich empfehle für kommende Veranstaltungen dringendst den Kontakt zur höchst umtriebigen Aktivisten Ester Seitz, zwecks Erfahrungsaustauschs aufzunehmen. Sie organisiert in ganz Deutschland Aktionen und Demonstrationen erfolgreich. Und wenn ihr ein Ordnungsamt mit einem Verbot eines Wurstgrills käme, dann meldet sie mal direkt sieben politische Veranstaltungen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen direkt vor den Türen und unter den Fenstern des Ordnungsamtes an. Bis jetzt hat jedes von ihr so beglückte Ordnungsamt ganz genau überlegt, ob sie ein unnötiges und nur dem politischen Willen geschuldetes Verbot erlässt. Sieben Tage Ester Seitz vor den Türen will keine Behörde haben. Genausowenig den immer damit einhergehenden medialen Rummel.

Die Veranstaltung selbst begann mit dem GAU schlechthin.
Die gebuchten Künstler hatten aus Angst um sich und ihre mitgebrachten Cheerleader abgesagt.
Es ist verdammt besorgniserregend, wenn eine, auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Partei, von linker Seite so massiv bedroht wird, dass selbst Künstler Angst vor Repressalien, wie z.B. Überfällen oder Auftragsrückgängen, haben müssen.
Dass aber eine Partei ausgerechnet zum Auftakt des Wahlkampfes nicht die lange vorhandenen eigenen Erfahrungen berücksichtigt und Ersatzkünstler oder ein Mix an Künstlern verpflichtet, um einzelne Ausfälle kompensieren zu können, wirkte hochgradig unprofessionell, ja geradezu naiv.
Ausgerechnet einer AfD muss klar sein, dass nicht nur gebuchte Hotels und Gaststätten, auf Grund des Druckes der sogenannten Demokraten, Rückzieher machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch mit Künstlern passieren kann, ist exorbitant hoch.
Aber es ging doch nochmal so ziemlich gut, denn es wurde noch wenige Stunden vor Beginn ein Künstler gefunden, der einsprang und eine gelungene Show bot.
M.K. (es ist immer noch besorgniserregend, dass es so ist, aber ich möchte seinen Namen nicht ausschreiben, damit ich ihm die Spatzenhirne der Antifa erspare), mit dem ich schon vor ca. 20 Jahren ab und zu durch die Bühnen NRWs tingelte und Party machte, rettete den Auftakt und sorgte schon in der Aufwärmphase für super Stimmung und heitere Gesichter.

Als Redner kam das Who is Who der Partei. Naja, so ziemlich. Große Enttäuschung machte sich schon im Vorfeld breit, weil Redner wie Höcke oder Gauland nicht dabei waren.
Na klar. Es ging um den Wahlkampf in NRW. Aber nach der Wahl ist auch für die AfD vor der Wahl. Und zwischen Landtagswahl in der einstigen Schatzkammer Deutschlands, welche nun nur noch das Armenhaus ist, und der Bundestagswahl liegen gerade mal 4 Monate. Eine Verknüpfung von beiden Wahlen wäre sicherlich nachvollziehbar und sinnvoll.
Doch auch ohne die beiden Mitglieder waren die Reden es mehr als nur Wert, angehört zu werden.
Eröffnet wurden die Beiträge durch den Lokalmatadoren Guido Reil. Er sprach vom Niedergang NRWs und seiner Industrie, ein Thema, was auch die anderen Redner hervorragend erläuterten.
Der Funke wollte an Samstag leider nicht so recht überspringen. Die vorherrschende Meinung unter den Besuchern war, dass es bei weitem nicht Reils beste Rede war, die man von ihm hörte. Aber gut. Wer ist jeden Tag gleich gut?
Seine Rede war ihnhaltlich schwer in Ordnung. Sie enthielt alles, was gesagt werden musste, sie war authentisch und nachvollziehbar. Er ist eben tatsächlich ein Malocher unter Malochern. Das kam an, das gefiel, das wurde mit viel Applaus honoriert.
Als Jörg Meuthen die Bühne betrat, wurde es spannend. Den meisten Besuchern war er nur aus dem Fernsehen bekannt. Und da wurde er ausschließlich als Rechtspopulist dargestellt.
Doch live ist nach wie vor live und durch nichts zu ersetzen.
Denn die Bühne betrat ein äußerst sympathischer Mann, der Ruhe und Gelassenheit und auch schon eine Portion Altersweisheit ausstrahlte. Als er das Mikro ergriff, herrschte erst einmal gespannte Stille.
Seine Rede fesselte von Anfang an. Ruhig und besonnen, mit kurzen Pausen um die richtigen Worte zu finden, sprach da ein Mann, der Sicherheit ausstrahlte. Dem man glaubte, wenn er vom Niedergang der deutschen Kultur sprach. Von Überfremdung und Verelendung, von Gewalt gegen Deutsche, von offenen Grenzen und offenen Problemen.
Meuthen ist nach wie vor ein maximaler Gewinn für die Partei, der es den Medien allein durch sein Dasein schwer macht, zu begründen, warum die AfD eine Partei der ausgeflippten Nazis sein sollte.
Nach Meuthen betrat der doch hoch umstrittene Marcus Pretzell die Bühne. Er scheidet die Geister. Die einen beschrieben ihn als aalglatten Typ Versicherungsvertreter, die anderen Gäste sahen in ihm eher einen aufgeräumten Organisierer, der den Überblick behält.
Es war nicht möglich, eine Tendenz unter den Besuchern auszumachen.
Doch Pretzell überraschte wohl doch alle Teilnehmer. Er war witzig, er war wortgewandt, er überzeugte durch klare politische Statements auf der einen Seite, durch kurze und wohlplatzierte Hiebe auf die weit hinten krakelende linke Antifa andererseits.
Richtig spannend wurde es dann endlich, als die sichtbar und nicht nur ein bisschen schwangere aber mindestens genauso umstrittene Frauke Petry das Wort ergriff.
Als sie redete, traten alle Differenzen innerhalb der Partei in den Hintergrund. Sie sprach ruhig und überlegt, brachte Fakten und untermauerte diese mit Fachwissen und Sachverstand.
Als Fazit der Reden kann man ohne Übertreibung zusammenfassen, dass sie alle absolut gelungen waren. Jedem Zuhörer, der sich die Reden von Altparteien zu Gemüte geführt hat, fiel sofort auf, dass keiner der AfD-Redner diese ständigen hohlen Sprechblasen machte, die den Altpolitikern so eigen sind. Jedes gesprochene Wort war mit Inhalten prall gefüllt. Rhetorikkurse der AfD, die sie den Politikern der Altparteien anbieten würden, müssten sich verkaufen wie geschnitten Brot.
Doch leider gelang es andererseits keinem der Redner, richtig auf den Tisch zu hauen, die tieferen Emotionen der Leute zu wecken, ihre Wut auf die Politik des Verrates an Deutschland rauszukitzeln und sichtbar werden zu lassen.
Daran konnten auch einzelne Situationen, als es kraftvoll aus hunderten Kehlen schmetterte: „Merkel muss weg!“, nichts ändern. Für die Zukunft noch einen Redner mitzubringen, der die Stimmung aus den Leuten holt, der sie provoziert, sie wachrüttelt, der Feuer reinbringt, wäre dringend angeraten.
Das kleine Mädchen, welches Frauke Petry einen Blumenstrauß von der Essener AfD überreichte, symbolisierte letztendlich noch einprägsam und ausdrucksstark, was die AfD in der Wahrnehmung der Wähler so dringend benötigt: Die Verbundenheit mit der Familie, die Zugewandtheit zur nächsten Generation, die Sorge um die Kinder, die morgen das zu ertragen haben, was unsere Altparteien heute für Verbrechen an ihnen begehen.
Insgesamt kristallisierte sich der Erkenntnisgewinn bei vielen Teilnehmern heraus, wie sehr sie von den Medien belogen und falsch über die AfD informiert wurden.
Viele Besucher waren bis dahin unpolitisch und kannten die Partei nur aus den Medien.
Das Bild, welches sie von der AfD an diesem Samstag bekamen, war so überhaupt nicht deckungsgleich mit dem der Medien.
Eine junge Frau erzählte mir ganz aufgelöst, dass sie gegen den Widerstand ihrer Eltern und Freunde gekommen wäre, mit größten Bauchschmerzen auf ihrer allerersten politischen Veranstaltung ankam und sich fragte, ob sie gerade das Richtige tue, doch alle Sorge unbegründet waren, denn keine der Reden hat auch nur den Hauch von Nazigedanken verbreitet.
Sie, die bisher immer mit der SPD sympathisierte, wüsste nach diesem Samstag ganz genau, was sie wählt. Die AfD.
Und damit ist es dann doch noch ein guter Wahlkampfauftakt geworden.
Bei den Essenern und Gästen von außerhalb ist der Wunsch nach einer AfD im Landes-, wie auch im Bundesparlament deutlich spürbar gewesen.
Die einzige Sorge, die alle einte, war der interne Streit der AfD-Führung mit Höcke. Die Tendenz war weitestgehend klar erkennbar:
Die Leute wollen eine AfD mit Höcke. Und mit Petry. Sie wollen keinen Streit. Sie wollen eine Partei, in der verschiedene Strömungen und Flügel fair miteinander ringen um den besten Weg gemeinsam zu erarbeiten und anschließend auch zu gehen.
Die Sorge, dass der Streit die Wähler davon abhält, Ihr Kreuz bei der AfD zu machen, lag greifbar in der Luft.
Der Auftritt der Antifa unter ihrem Führungsoffizier, dem alternden, verbissenen und hasserfüllten Max Adelmann ist genau das gelungen, was sie gerade nicht erreichen wollte.
Sie störten mit ihren Trillerpfeifen und Brüllkonzerten die Teilnehmer, die im Grunde genommen nur den Reden zuhören wollten. Denn viele Besucher waren keine überzeugten AfD-Anhänger. Aber sie wollten trotzdem die Chance nutzen, sich endlich mal ein eigenes Bild von dieser Partei zu machen.
Sie wollten die Reden hören, sie wollten den Geist der Partei spüren. Sie wollten sich sortieren. Und es ist kein Geheimnis, dass sie dann irgendwann von den pubertären Schreihälsen so angepisst waren, dass sie den einen oder anderen Schlag in die Backen anboten, falls hier nicht sofort Ruhe herrschen würde, damit man wieder die Rede verstehen könne.
Dass zottelige, pickelige und junge Dauerstudenten, die sich selbst Antifa nennen, bei Malochern im mittleren Alter nicht punkten können, hätte einem Max Adelmann von vornherein klar sein müssen.
Aber sein Projekt „Essen stellt sich quer“, welches durch Ver.di, SPD, Kirchen und Medien finanziert wird, muss Leistung bringen. Sonst wird die Kohle gekürzt.
Notfalls auch zu dem Preis, dass die Jüngelchen, die außer Ehrenrunden in der Schule noch nichts erreicht haben, geschweige denn, dass sie schon mal selbst für ihren Lebensunterhalt gearbeitet haben, vielen, bisher völlig unpolitischen Teilnehmern mittleren Alters, die ihr Leben lang gearbeitet haben, die Augen öffneten, was für ein unsäglicher Schlag Mensch hinter den Linken steckt.
Und damit war der Wahlkampfauftakt in doppelter Hinsicht ein Erfolg.
Wenn auch kein voller, so doch ein spürbarer.
Und wenn man nun noch die Organisation den Profis überlässt, wird die nächste Wahlveranstaltung ein voller Erfolg.

Foto: Martin Semmel

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