Die Geschichte vom Löwen (oder: Freie Presse – quo vadis?)

Die nachfolgende Geschichte ist – in dieser Form – fiktiv; Analoges ereignet sich aber in diesem unserem Lande  täglich.

Ein Mann schlendert durch einen bundesdeutschen Zoo (Anm. d. Verfassers: Nicht den in Berlin-Mitte – einen herkömmlichen), plötzlich sieht er ein etwa vierjähriges Mädchen, das es irgendwie geschafft hat an dem Schutzgitter des Löwengeheges hochzuklettern und nun von dort aus versucht die “Kätzchen” durch Sympathiegeräusche anzulocken. Dies gelingt ihm relativ schnell: Einer der Löwen macht einen gewaltigen Satz über den internen Wassergraben, kann sich in die Jacke des Kindes verkrallen und versucht nun mit allen Kräften den (inzwischen entsetzt kreischenden) Leckerbissen in das Gehege zu ziehen.

Von quo usque tandem

Der Mann eilt beherzt herbei, ergreift im Vorbeieilen ein herumliegendes Stück Holzlatte und appliziert damit einen kräftigen Schlag auf die Nase des Löwen, welcher hierauf von seiner prospektiven Beute ablässt und sich murrend in das Innere des Geheges verzieht.

Während des, in solchen Fällen üblichen tränenüberströmten Dankesgestammel der Eltern (wo waren diese eigentlich vorher?) und der Beifallsbezeugungen aus den Reihen der Augenzeugen, macht ein zufällig anwesender Pressereporter ein ad-hoc-Interview mit unserem Helden.

Reporter (nach den Preliminarien von Vorstellung und Bitte um ein paar Worte): “Das war ja ein außerordentlich schnelles und beherztes Eingreifen von Ihrer Seite. Respekt! Respekt! Unsere Zeitung wird dies auch gleich morgen früh gebührend zu würdigen wissen. Darf ich noch um Ihren Namen bitten und wo Sie politisch stehen?”

Retter: (gibt eigenen Namen sowie den einer, vom System als “rechtspopulistisch” eingestuften Partei) “Ich möchte, im politischen Bereich, ganz einfach nicht, dass mein Land in einen bankrotten Schweinestall verwandelt wird.”

Reporter (um einige Grade kühler): “Hmm, na ja, dann lesen Sie mal morgen die…” (Name des Presseorgans).

Unser Held eilt bereits frühmorgens zum Nachbarschaftskiosk, kauft die neueste Ausgabe der bewussten Zeitung und liest auf der Titelseite die Überschrift:

Rechtsradikaler misshandelt afrikanischen Zuwanderer und raubt ihm seine Mahlzeit!

 Der in letzter Zeit häufig zu vernehmende Sprechchortext “Lügenpresse halt‘ die Fresse“ müsste angesichts eines solchen Umfeldes eigentlich auf Verständnis stoßen.

Grafik: Autor

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