Farage: Die EU verhält sich wie die Mafia!

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Nigel Farage hat in seiner turbulenten Rede am 5.4.2017 im Europäischen Parlament die EU beschuldigt, Großbritannien  als „Geisel“ zu halten, „Lösegeld“ zu verlangen, sich „wie die Mafia“ zu verhalten und demokratische Nationalstaaten zu zerstören.

Übersetzt von Collin McMahon

„Guten Morgen, vielen Dank Herr Vorsitzender. Es hat vielleicht eine neunmonatige Schwangerschaft gebraucht, aber ich habe keinen Zweifel, dass der vergangene Mittwoch ein großartiger, historischer Tag war, an dem das Vereinigte Königreich ankündigte, wieder eine unabhängige, selbstbestimmte, demokratische Nation zu werden, ein Schritt, den hunderte Millionen Menschen weltweit bejubelt haben. Herr Verhofstadt hat uns heute Morgen eine kleine Lektion in Geschichte erteilt, aber er hat dabei einen Fehler gemacht: Im Jahr 1973 sind wir nicht der Europäischen Union beigetreten, mein Lieber, sondern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Hätte das britische Volk damals gewusst, dass daraus eine politische Union werden sollte, bei der wir unser eigenes Selbstbestimmungsrecht aufgeben mussten, wären wir nie beigetreten.

Ich muss leider feststellen, dass Ihre Reaktion auf die Auslösung von Artikel 50 allzu vorhersehbar war. Sie haben eine Reihe von Forderungen gestellt, die für Großbritannien nicht nur eine Zumutung sind, sondern teilweise sogar völlig unmöglich. Als Erstes haben Sie uns eine Rechnung über sage und schreibe 52 Milliarden Pfund vorgelegt, eine Summe die offenbar völlig aus der Luft gegriffen ist und eine Art Lösegeld darstellen soll. Sie hätten dabei auch zur Kenntnis nehmen können, dass wir netto über 200 Milliarden Pfund in dieses Unterfangen investiert haben. Wir sind also eigentlich Miteigentümer dieses Gebäudes und der restlichen Liegenschaften der EU. Eigentlich sollten Sie also uns ein verlockendes Angebot machen, damit wir gehen.

Der stets charamante Herr Verhofstadt sagt uns in seiner Resolution, die heute zur Abstimmung kommen soll, dass wir keine potenziellen Handelsabkommen mit anderen Staaten verhandeln dürfen, bis wir die EU verlassen haben. Diese Forderung entbehrt jeder rechtlichen Grundlage. Das ist wie wenn man einem Gefängnisinsassen verbreiten will, eine Wohnung für nach seiner Freilassung zu suchen. Ich bin mir sicher, dass die britische Regierung diese Forderung einfach ignorieren wird.

Dann gibt es natürlich den Herrn Tusk, der heute leider nicht bei uns sein kann. Wahrscheinlich heult er sich noch die Augen aus. Er sah jedenfalls ziemlich verweint aus, als der britische Botschafter ihm letzte Wochen das Austrittsgesuch ausgehändigt hat. In seinem Memorandum sagt er uns, jede künftige Handelsvereinbarung müsse gewährleisten, dass das Vereinigte Königreich keinerlei Wettbewerbsvorteil haben darf. Dass sind völlig unmögliche Forderungen.

Dazu kommt noch die Heuchelei, einerseits zu behaupten, die EU werde alles gemeinsam verhandeln, während Klausel 22 des Tusk-Entwurfs vorsieht, dass Spanien das gesamte Paket verhindern kann, wenn sie mit der Souveränität von Gibraltar nicht einverstanden sind.

Wir glauben an nationale Selbstbestimmung. Ihr Ziel ist es, den demokratischen Nationalstaat zu zerstören. Was Gibraltar angeht, werden wir uns unter diesen Bedingungen nicht einigen.

Mit Ihren Forderungen entlarven Sie sich als rachsüchtig und niederträchtig, und ich kann nur sagen: Gottseidank sind wir bald draußen. Sie verhalten sich wie die Mafia. Sie behandeln uns wie ihre Geisel. Das sind wir nicht. Es steht uns frei zu gehen.“

(Aufruhr im Saal. Der Vorsitzende Antonio Tajani: „Herr Farage, ich würde Sie gerne ausreden lassen. Aber dieses Parlament mit der Mafia zu vergleichen, das geht zu weit.“ Applaus.)

„Herr Vorsitzender, aus Rücksicht auf ihre landestypischen Empfindlichkeiten sage ich stattdessen: Sie sind Gangster. Ist das besser? Es steht jedenfalls fest, Sie haben uns eine Lösegeldforderung gestellt.

Was für Sie alle offenbar sehr schwer vorstellbar ist: Es gibt außerhalb der EU noch eine größere Welt da draußen. 85% der Weltwirtschaft liegt außerhalb der EU, und wenn Sie einen Deal sabotieren wollen, wenn Sie uns zwingen wollen, den Verhandlungstisch zu verlassen, dann wird das nicht uns treffen, sondern Sie.

Wir müssen keine deutschen Autos kaufen, französischen Wein trinken oder belgische Schokolade essen. Es gibt mehr als genug andere, die uns gerne diese Dinge verkaufen werden. Eine Rückkehr zu Strafzöllen wird hunderttausende Arbeitsplätze in der EU gefährden. Aber was Sie sagen ist, Sie setzen die Interessen der EU über dem Wohlergehen Ihrer Bürger und ihrer Unternehmen. Und wenn Sie diesen Weg weiter beschreiten, garantiere ich Ihnen, wird das Vereinigte Königreich nicht das letzte Land sein, das diese EU verlässt.“

Hier der ganze Text auf Englisch.

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti„) und Übersetzer („Gregs Tagebuch„). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump.

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