Max Erdinger: Demokratie – Wie’s wohl kommt?

Zwei Parteizeitungen im Vergleich. Einmal der Vorwärts als Parteizeitung der Entrückten von der SPD – und einmal die BILD als inoffizielle Parteizeitung der entrückten Kanzlerin und ihrer Partei. Es ist Wahlkampf, in NRW wird am 14. Mai gewählt,  beide Parteien sitzen fast noch ein halbes Jahr im Bund zusammen in einer Regierung und der Leser staunt über das gedruckte Wort. Wie´s wohl kommt, fragt er sich, daß sich SPD und CDU im Bund noch nicht zerfleischt haben?

https://www.vorwaerts.de/artikel/hannelore-kraft-nrw-wahl-halten-versprechen

Von Max Erdinger

Zitat Vorwärts: „Hannelore Kraft, Sie sind viel in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Wie erleben Sie die Stimmung im Land?

(Hannelore Kraft): Die Stimmung in NRW ist super. Die Bürgerinnen und Bürger kommen sehr offen auf mich zu. Die Partei hat Lust auf Wahlkampf, das spürt man überall. Wir haben ein klasse Programm für die Landtagswahl und unsere Inhalte kommen an: Denn die Menschen wollen, dass es gerechter zugeht im Land. In den Gesprächen wird aber auch deutlich – gerade bei den jungen Leuten, dass sich viele Sorgen machen um unsere Demokratie und ein offenes und freiheitliches Europa.“ – Zitatende.

Ich kann das Geschwätz nicht mehr ertragen. „Die Menschen“ wollen, daß es gerechter zugeht im Land. Herr im Himmel! Unbekannt ist, ob „die Menschen“ im Land auch wollen, daß der Rhein nasser wird. Gerecht, gerechter, am gerechtsten. Frei, freier, am freiesten … aktueller Schwachsinn, aktuellerer Schwachsinn, der aktuellste Schwachsinn. Kraft ist seit 2010 Ministerpräsidentin von NRW. Man sieht: Sieben Jahren reichen nicht aus, um ein Bundesland von gerecht auf „am gerechtesten“ zu bringen. Unklar ist nämlich, warum der Sozialdemokrat Erfolg haben will bei seinem segensreichen Wirken. In der gerechtesten und freiesten aller denkbaren Welten hätte er sich mit seiner politischen Genialität selbst obsolet gemacht. Er lebt aber nicht von seiner Obsolenz, sondern von Steuergeldern. Die politische Erfolglosigkeit des Sozialdemokraten ist Garant für die Existenz jeder zukünftigen Möglichkeit, Stein und Bein zu schwören, daß es etwas zu verbessern gebe. Deshalb ist der Sozialdemokrat nie für eine gerechte und freie Bürgergesellschaft zu haben, sondern immer nur für eine gerechtere und freiere Menschengesellschaft. Das garantiert den Schnack vom sozialistischen Kampf bei fortwährendem Open End. Eine tolerante Gesellschaft wäre ebenfalls der politische Tod des Sozialdemokraten. Deswegen will er eine tolerantere. Solange der Superlativ des Absoluten noch absoluter erreicht werden kann, sieht es gut aus im eigenexistenzsicherenden „Kampf des Sozialdemokraten“ für nasseres Wasser und rundere Fahrradreifen. Aber gut, was schreibt die BILD?

http://www.bild.de/politik/inland/nordrhein-westfalen/das-deutsche-griechenland-51120628.bild.html

Zitat BILD:
► NRW ist mit 180 Milliarden Euro Miesen Schuldenkönig in Deutschland. Wie Griechenland in der EU. Nur Berlin braucht mehr Hilfe aus dem Länderfinanzausgleich.
► NRW ist arm: höchste Kinderarmutsquote im Westen (23,6 %), die meisten Empfänger staatlicher Grundsicherung (laut Paritätischem Wohlfahrtsverband), das am stärksten steigende Armutsrisiko (laut Statistischem Bundesamt).
► Die NRW-Wirtschaft lahmt: Das Land hat die höchste Arbeitslosenquote im Westen (7,7 %), im Gegensatz zum Bundestrend (+ 1,2 %) ging der Export aus NRW 2016 zurück (–0,5 %).
► NRW ist unsicher: Im Land leben ein Fünftel der Deutschen, hier passierten 2016 aber mehr als ein Drittel aller Wohnungseinbrüche – Bundesrekord.
► Straßen und Brücken sind marode: NRW hat ein Sechstel aller Autobahn-Kilometer in Deutschland, laut ADAC aber ein Drittel aller Staus (2016).
Kraft gab sich gestern in Essen trotzig, Devise: Alles richtig gemacht! Weiter so!“ – Zitatende.

Noch einmal der Vorwärts – Zitat: „Warum sollen die Wähler bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai ihr Kreuz bei der SPD machen?
(Hannelore Kraft): Seit der Regierungsübernahme arbeiten wir jeden Tag konsequent, vorausschauend und mit einer klaren Haltung für ein zukunftssicheres und gerechtes NRW. Unter der Überschrift „Kein Kind zurücklassen“ haben wir seit 2010 unsere vorbeugende Politik auf den Weg gebracht. Jeder dritte Euro des Landeshaushaltes fließt in die Bereiche Kinder, Bildung und Familien. Aber auch um den Wirtschaftsstandort, die Erneuerung der Infrastruktur und die Innere Sicherheit haben wir uns intensiv gekümmert. Wir haben im Gegensatz zu anderen Parteien einen klaren Plan für NRW und wir halten, was wir versprechen.“ – Zitatende.

Zitat BILD: „Absurd: CDU-Herausforderer Armin Laschet scheint aus der rot-grünen Pleite-Bilanz keinen Wahlsieg machen zu können, liegt in Umfragen deutlich hinter der SPD.Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner zu BILD: „Laschet schafft es nicht, die angeschlagene Regierung von Hannelore Kraft mit einer glaubwürdigen Wirtschafts- und Sicherheitspolitik zu stellen.“ – Zitatende.

So ist das inzwischen in der freiesten, gerechtesten und tolerantesten Gesellschaft, die es – Achtung, sehr wichtiges Wort: BISHER – in Deutschland gegeben hat. Es gibt viel zu tun für eine ZUKÜNFTIGE Gesellschaft, die noch freier, gerechter und toleranter sein wird, als die freieste, gerechteste und toleranteste bisher. Der Bürger hat die Wahl zwischen der Pest und der Cholera, zwischen zwei minimal unterschiedlichen Haufen von Sch … pitzenpolitikern und zwischen der Entscheidung, die einen oder die anderen Labertaschen prächtig zu finanzieren.

Daß sich dieser simple Sachverhalt von zwei verschiedenen Parteizeitungen ein- und derselben Regierungskoalition so darstellen läßt, als ginge es um etwas, erzählt viel über Macht und Wertlosigkeit des gedruckten Wortes in einem Land, in dem individuelle Meinungsstärke bei maximalmöglicher Ignoranz als freieste aller superdemokratischen Freiheiten gelten. Hierzulande wären die Sportfans begeistert, wenn sie darüber abstimmen dürften, welcher unsichtbare Skispringer am weitesten gesprungen ist. Die einen lesen den Vorwärts, die anderen die BILD. Wegen der größeren Meinungsvielfalt in der größten aller meinungsvielfältigen Presselandschaften bisher. Alles paletti.

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