Tenenbom: Was Kubitschek und Bachmann sagen, denkt in den USA jeder Zweite!

Tuvia Tenenbom (Bildmitte) ist ein in Israel geborener amerikanischer Autor, der, wie nur wenige, sich schriftlich als auch in Interviews so äußert wie er die Dinge sieht, ohne Rücksicht darauf, was der Mainstream gerne hätte. Deshalb leitet der SPIEGEL ihn auch in seinem jüngsten Interview bewusst als „umstrittenen Autor“ ein.

Von P.I.News

Anlass ist Tenenboms jüngstes Werk „Allein unter Flüchtlingen“. Dafür hat er sich in ein deutsches Flüchtlingslager begeben, um zu dokumentieren, für wes Geistes Kinder wir dort Betten aufstellen (PI berichtete). Auch im Interview nimmt er kein Blatt vor den Mund und erklärt dem etwas indignierten Spiegelschreiberling, vor allem in Deutschland gebe es keinen Journalismus, sondern Aktivismus und Prediger. „Journalisten berichten nicht mehr, was geschieht, sondern, was wir denken sollen.“ Journalisten sollten uns nicht erzählen, was richtig oder falsch sei, sondern von Tatsachen berichten, so Tenenbom. Das saß erst einmal.

Interviewer Kaspar Heinrich kann das offenbar nicht fassen und fragt in bewährter Spiegel-Manier verdattert nach: „Aber ist es nicht zum Beispiel ganz elementar, gegen Hass einzutreten, wie es Emcke getan hat?“

Tenenbom kontert gelassen: „Nein. Das kann man im Privatleben praktizieren, aber nicht im Journalismus.“ Ein Journalist solle die Wahrheit sagen. Mehr nicht, so der Autor.

Tenenbom, der unter anderem den Bestsellerautor Akif Pirinçci besucht und interviewt hat, geht auch mit der Meinungsfreiheit in Deutschland hart ins Gericht und nennt die Causa Pirinçci als Beispiel. Seit der in den Medien eindeutig falsch zitierten Dresdener Rede Pirinçcis wird dieser von Verlagen wie Random House boykottiert. Man könne von Pirinçci halten was man wolle, so Tenenbom, aber er habe ein Recht auf seine Meinung. Dieser Boykott sei Unrecht.

Da hält der linke Spiegel doch dagegen:

Random House ist ein privates Unternehmen. Der Verlag darf sich seine Autoren aussuchen.

Tenenbom hat den richtigen Vergleich parat:

Aber wenn sie entscheiden würden, nur weiße Schriftsteller zu verlegen, keine schwarzen, ginge das vor Gericht, und dort würden sie gestoppt werden. Das ist dasselbe. Kein Unternehmen hat das Recht, jemanden zu schädigen.

Kaspar Heinrich beharrt borniert:

Aber abgesehen von seinem missverständlichen KZ-Zitat vertritt Pirinçci doch ganz offensichtlich rassistische und menschenverachtende Ansichten.

Tenenbom:

Auf den ersten Blick richtig, auf den zweiten falsch. Ja, er beschimpft Muslime und den Islam – aber er ist ein Türke und dunkelhäutig. Wenn ein hellhäutiger Deutscher das Christentum beleidigt, sich über Jesus und den Papst lustig macht, wird er als Intendant an einem der besten deutschen Theater landen. Wenn ein Christ seine eigene Religion beleidigt, bleibt er ein freier Mann, er wird sogar für seinen Freigeist gelobt. Pirinçci hat genau dasselbe getan, nur als Moslem. Und jetzt ist er ein Rassist?

Jetzt zeigt uns der Spiegelreporter was Trotzkistenjournalismus ist:

Das eine macht das andere nicht besser. Es bleibt dabei: Pirinçci hat rassistische Ansichten.

Tenenbom macht sich aber nicht nur „schuldig“, weil er sich auf Akif Pirinçcis Recht auf Meinungsfreiheit versteift, er hat auch Götz Kubitschek als „netten Kerl“ bezeichnet. Das bringt ihm nicht nur den Verdacht der Naivität ein.

Spiegel Online: Sie nennen Pirinçci in Ihrem Buch einen “freien Geist”, den neurechten Verleger und Publizisten Götz Kubitschek einen “netten Kerl”. Ist das nicht naiv?

Tenenbom: Ich bin nicht naiv. Ich weiß sehr wohl, was sie sagen und denken. Aber um jemandem respektvoll zu begegnen oder ihn zu mögen, muss ich nicht seiner Meinung sein. Und übrigens: Was Götz Kubitschek sagt, auch was Lutz Bachmann sagt, denkt in den USA jeder Zweite.

Spiegel Online: Das macht es ja nicht besser.

Tenenbom: Ich will nur sagen: Sollen wir jetzt alle Amerikaner so behandeln? Nein. Und wissen Sie was? Viele Deutsche denken genauso, sie haben nur Angst, es auszusprechen. Na und? All diese Leute dürfen sich Europäer nennen. Es gibt halt eine Auseinandersetzung zwischen der einen Auffassung, die es schon früher gab, die auf die Bewahrung der eigenen Kultur setzt – Sie können das Engstirnigkeit nennen -, und einer anderen Bewegung, die keine Grenzen und Nationalstaaten will und Kulturen vermischen möchte. Das sind zwei gültige Ansichten, zwei zulässige Wünsche. Lasst die Wahlen entscheiden! Aber nennt diese Leute nicht Nazis, nur weil sie die deutsche Kultur bewahren wollen.

Spiegel Online: Sie haben vom Liberalismus gesprochen. Was bedeutet er für Sie?

Tenenbom: Meinungsvielfalt. Wir öffnen allen die Tür, jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Lutz Bachmann genauso wie Gregor Gysi. Und ich denke, ich habe beide gleich behandelt. Denn ich sehe keinen Unterschied zwischen ihnen. Inhaltlich gibt es den natürlich, aber der eine ist deshalb nicht besser als der andere. Demokratie bedeutet letztlich: Die Mehrheit legt die Regeln fest. Wenn die Mehrheit ihre Macht missbraucht, entscheidet das oberste Gericht gegen sie. So läuft das. Aber nicht, indem man Leute beschimpft, boykottiert oder schlecht aussehen lässt, nur weil eine Ansicht nicht politisch korrekt ist.

Die Einwanderungspolitik betreffend, im Besonderen das Flüchtlingsthema sagt der Autor:

Wir haben hier den wirklich extremen Fall eines Landes, das kein Einwanderungsland war und plötzlich entschieden hat, eines zu sein. Durch die Straßen zu laufen und so viele Menschen Arabisch sprechen zu hören: Das ist schon eine extreme Veränderung. Der ganze Westen bewegt sich in eine Richtung – Gott weiß wohin -, doch Deutschland bewegt sich zehnmal so schnell. [..]

Deutschland hat in Europa die meisten Flüchtlinge aufgenommen, aber wie man das getan hat, war richtig schlecht. Vieles hat man einfach nicht verstanden. Da wurde mancher mit dem Mörder oder Vergewaltiger seines Bruders oder seiner Schwester zusammengepfercht. Sunniten, Schiiten und Christen im selben Raum unterzubringen, ist im Grund kriminell. Ich habe kein Paradies erwartet, aber diese Lebensumstände sind nicht akzeptabel. Die Deutschen hätten nur so viele Flüchtlinge aufnehmen dürfen, wie sie auch hätten bewältigen können.

Tenenbom ist aber nie einseitig und so sieht er auch durchaus vorhandenen Antisemitismus in Deutschland, auch das sagt er. Und, dass der Westen aufhören solle, sich in Nahost einzumischen. (lsg)

» Das ganze Interview bei Spiegel Online
» Das Buch “Allein unter Flüchtlingen” von Tuvia Tenenbom gibt es für 13,95 Euro beim Verlag Antaios

https://www.pi-news.net/2017/03/tenenbom-was-kubitschek-und-bachmann-sagen-denkt-in-den-usa-jeder-zweite/

Foto: Collage/ P.I.News

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