Trumps Amerika

Ein Reisebericht von Elisabeth Sabaditsch-Wolff

Eine Dienstreise führte mich Anfang März in die Vereinigten Staaten, genauer gesagt in den Westen: Colorado, Montana, Kansas und Kalifornien. Man mochte ja aufgrund der medialen Berichterstattung in Europa glauben, der leibhaftige Teufel namens Donald Trump hätte sich an die Macht geputscht. Daß die Wahl verfassungskonform und vermutlich ohne russische Einflußnahme vonstatten ging, ergo, daß Donald Trump der legitime und von der Bevölkerung legitimierte Präsident der Vereinigten Staaten ist, scheint den Linken und Progressiven auf beiden Seiten des Atlantiks bis heute entgangen zu sein. Kein Tag vergeht, ohne den Präsidenten medial herabzuwürdigen, ihn als Clown oder schlimmstenfalls als Terroristen oder die Inkarnation von Adolf Hitler darzustellen. Bedauerlicherweise wissen die wenigsten Europäer über die US-Verfassung Bescheid, beispielsweise über die Machtfülle, die ihm von der Verfassung zugestanden wird. Diese Machtfülle geht in Ordnung, wenn der Präsident dazu paßt, also in den vergangenen acht Jahren Barack Hussein Obama, aber wenn das Pendel in die andere politische Richtung schwingt, ist die Machtfülle „gefährlich“, „rassistisch“, „islamfeindlich“, etc. etc. Hinzu kommt, daß den Bundesrichtern eine besondere Rolle zukommt, wenn sie präsidentielle Erlässe null und nichtig machten, Erlasse, die die Sicherheit der Bürger erhöhen sollen.

Mit diesen Gedanken machte ich mich auf den Weg in die USA. Bei der Einreise in Denver wurde ich – als Inhaberin eines Visums – kurz, aber doch intensiver als noch bei meiner letzten Reise befragt; Probleme gab es jedoch keine. Ich hatte aber auch keine erwartet.

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg in die Rocky Mountains, um Ski zu fahren. Amerikaner sind von Natur aus sehr freundlich und offen, so war ich nicht lange alleine auf der Piste, als ich von einer älteren Dame angesprochen wurde, die mich fragte, ob ich mit ihr fahren würde, denn es war ihr erster Tag auf Ski. Nun, als geprüfte Skilehrerin und neugierige Amerikareisende war es mir eine Freude, und wir freundeten uns in kürzester Zeit an. Natürlich sprachen wir über die Politik. Ursprünglich stammte die Dame von der – sehr liberalen – Ostküste, wohnte aber seit einiger Zeit in Denver. Ihre Meinung vom neuen Präsidenten war eine vorsichtig optimistische, definitiv keine haßerfüllte. Man müsse ihm Zeit geben, meinte sie. Nach acht Jahren Obama müsse es einfach eine Änderung geben.

Ich sprach auch mit einer Dame, die mich Ski testen ließ. Dieser jungen Dame war die Erleichterung förmlich anzusehen, als wir auf das Thema Donald Trump zu sprechen kamen. Sie war heilfroh, Obama nicht mehr sehen zu müssen und blickte optimistisch in die Zukunft. „Anyone but Hillary,“ waren ihre Worte. Alle außer Hillary, denn die wurde als Wurmfortsatz Obamas gesehen.

Natürlich bewegte ich mich auf meiner Reise ausschließlich in republikanisch dominierten Kreisen, da die andere Seite meine Ansichten gar nicht hören wollen würde. Dennoch lernte ich Menschen kennen, die lange Zeit Trump sehr kritisch gegenüber standen, die Senator Ted Cruz unterstützten, aber nicht dem sogenannten „Never Trump“ Camp nahestanden. Sie sagten mir, ihnen wäre Ted Cruz natürlich als Präsident lieber gewesen, aber als Cruz seine Kandidatur beendete, liefen sie selbstverständlich für Trump. Und natürlich sind sie immer noch nicht gänzlich von ihm überzeugt, aber sie sind gewillt, ihm einen Vertrauensvorschuß zu gewähren. Kritik übten sie noch nicht.

Auch bei den weiteren Stationen meiner Reise in Kansas und Montana gab es nur positive Resonanz über den neuen Präsidenten, sowohl bei den Politikern als auch bei normalen Zuhörern meiner Vorträge. Jedenfalls spürte ich neue Hoffnung und eine Aufbruchstimmung, die ich auf meinen früheren Reisen, die allesamt unter Präsident Obama stattgefunden hatten, nicht erfahren hatte. Auch im extrem liberalen, d.h. linken Los Angeles konnte ich nichts von einer Trump-Diktatur bemerken. Ich hörte auf der Straße oder bei meinen Einkäufen keine Beschimpfungen in Richtung Trump. Das Leben geht seinen Weg. Die Menschen tun das, was sie jeden Tag tun.

Und ich flog zurück nach Europa in dem Wissen, daß am Ende des Tages, egal, wer Präsident der Vereinigten Staaten war, den allermeisten Menschen das gute, alte Prinzip von „life, liberty and the pursuit of happiness“ (Leben, Freiheit und das Streben nach Glück) immer noch am wichtigsten war.

Foto:E.S.W.

 

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