Michael Paulwitz über die AfD und die Lust an der Selbstbeschädigung

Foto: Wikipedia/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Petr Bystron AfD

In der „Jungen Freiheit“ ist ein wichtiger Beitrag über die katastrophale Selbstzerfleischung der AfD kurz vor der Ziellinie erschienen. Es geht wie sicherlich bekannt, um lukrative Posten, die beim Eingang in den Bundestag winken, die allerdings dann auch nur den guten AfD-Leuten zugute kommen sollten.

Michael Paulwitz schreibt:

Sie haben es wieder getan: Diesmal war es der Landesparteitag der bayerischen AfD, der der Lust an der Beschädigung der eigenen Aushängeschilder erlegen ist. Statt des über die Landesgrenzen bekannten Landesvorsitzenden Petr Bystron setzte eine Mehrheit einen außerhalb der eigenen Reihen kaum wahrgenommenen Gegenkandidaten auf Platz 1 der Landesliste für die Bundestagswahl. Der Starnberger Kreisvorsitzende Martin Hebner erhielt auf dem Landesparteitag in Greding 243 Mitgliederstimmen, Bystron 190.

Für die Bayern-AfD, die mit der CSU im Bundestagswahlkampf einem härteren Gegner gegenübersteht, als ihn die Merkel-CDU für andere Landesverbände darstellt, ist das ein Desaster. Entsprechend verheerend fiel das Echo in den von dieser Entscheidung überraschten Medien aus: „Schlappe“, „Niederlage“, „AfD düpiert Parteichef“.

Bystron, der den Landesverband in der Krise nach dem Abgang der Lucke-Anhänger übernommen und wieder auf Erfolgskurs gebracht hatte, hat sich durch eine Reihe souveräner Medienauftritte einen Grad an Bekanntheit und öffentlicher Präsenz erarbeitet, auf den die Partei in der „Entscheidungsschlacht um den Bundestag“, in die der Landeschef sie führen wollte, nach rationalen Maßstäben nicht verzichten kann.

Warum dann dieses groteske Ergebnis? Offenkundig ging es weniger um politische Grundsatzfragen als um interne Querelen und persönliche Animositäten. Eine seit Wochen schwelende Auseinandersetzung zwischen dem Landesvorstand und dem Nürnberger Kreisvorsitzenden Martin Sichert lieferte das Grundrauschen. Der Konflikt um das Ausschlußverfahren gegen den Thüringer Landeschef Björn Höcke spielte ebenfalls eine Rolle, wenn auch wohl nur eine untergeordnete.

Hebner selbst bestritt seine Vorstellungsrede vor allem mit Attacken auf die Arbeit des Landesvorstands, dem er als Landeschriftführer selbst angehört. Kritische Nachfragen etlicher Mitglieder, die ihm Passivität und Illoyalität in der Vorstandsarbeit vorwarfen, verhallten vor dem aufgeheizt applaudierenden und buhrufenden Anhängerblock.

Die Praxis der Mitgliederparteitage, von der AfD als basisdemokratisches Kernstück hochgehalten, begünstigt fraglos die taktische Mobilisierung von Unterstützerkohorten, um Mehrheiten kurzfristig zu beeinflussen. Ein tieferes Problem dürfte indes in der Neigung bestehen, subjektive Befindlichkeiten und Bauchgefühlstimmungen über die politische Ratio und Lageanalyse zu stellen, ohne Rücksicht auf den potentiellen Schaden für den Gesamterfolg...

Die AfD und die Lust an der Selbstbeschädigung

Wenn die AfD so weiter macht, ist die letzte Chance, eine echte Opposition im Bundestag zu installieren, hin.

Und dann wissen wir, wer die Schuld daran trägt: Es sind die „Merkel-Fans“ in den eigenen Reihen.

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