Jörg Meuthen: Der „Teddybär“ gefällt sich selbst

Foto: Von Robin Krahl - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37902654
Jörg Meuthen (Foto: Robin Krahl)

Die Süddeutsche Zeitung vom 16.03. widmet sich ausführlich der AfD in Baden Württemberg. Ganz nebenbei zeichnet der Autor Josef Kelnberger das Portrait von Jörg Meuthen, dem Fraktionsvorsitzenden  der AfD im Stuttgarter Landtag.

Von Marta Engel

„Nach dem Abschied von Bernd Lucke galt Jörg Meuthen als Feigenblatt für den wirtschaftsliberalen Flügel der AfD“, schreibt Kelnberger. In der Tat wurde Meuthen nur sehr widerwillig an die Spitze der AfD gewählt. Zu groß war seine Nähe zu den führenden Personen des in der Partei verhassten  „Weckruf“, allen voran zum engsten Vertrauten von Lucke in Baden-Württemberg, Bernd Kölmel. Doch Meuthen war zu schlau, um sich gänzlich als „Weckrufler“ abstempeln zu lassen. Diese ‚moralische Flexibilität‘ zusammen mit seinem Professorentitel hievten ihn an die höchste Position innerhalb der Partei.

Aber Meuthen schaute stets sympathisch drein und eckte nirgendwo an. Viele belächelten ihn wegen seines Auftretens ohne Biss und Kante zwar als „Teddybär“, doch er war an der Spitze der Partei angekommen und formal ein gleichberechtigter Spreche mit Frauke Petry und Chef und Spitzenkandidat der AfD im Ländle.

Doch dann fiel ihm die Tatsache vor die Füße, dass er sich im Vorfeld der Landtagswahl nicht darum gekümmert hatte, was für Gestalten mit ihm in den Landtag einziehen. Die Folge war eine Spaltung der Fraktion wegen Wolfgang Gedeon und eine anschließende Schmierenkomödie, die das Ansehen der AfD schwer beschädigte. Die Affäre decke Meuthens Schwächen auf. Kelnberger schreibt dazu: „Die Abspaltung in der Affäre um Gedeon trug ihm den Ruf des Egomanen ein“. Meuthen agierte nämlich selbstherrlich. Erst nach Druck gab er den Landesvorsitz ab, behielt jedoch den mit 17.000 Euro im Monat gut dotierten  Fraktionsvorsitz.

Meuthen zog Lehren aus seiner Entmachtung. Er zeigte sich dabei sehr flexibel ob der eigenen politischen Überzeugungen und Einstellungen. Plötzlich entdecke er den Patrioten in sich und besuchte sogar das Kyffhäuser-Treffen des rechten Flügels der AfD.

Meuthen erkannte, dass er gerade in diesem Milieu die meisten Gegner seiner Erzfeindin Frauke Petry finden konnte und setzte auf weiteren Schmusekurs nach dem Motto: Der Feind meiner Feindin ist mein Freund. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war sein Schulterschluss mit Höcke sowie seine Kritik an Petry an dem Tag, an dem der Bundesvorstand mit einer Zweidrittelmehrheit  ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke auf den Weg brachte. Meuthen stimmte nach eigenen Worten gegen das Ausschlussverfahren. Der dpa sagte er, er halte das Verfahren „nicht für richtig, obwohl diese Rede wirklich sehr daneben war.“

Das Surfen auf der richtigen Welle scheint sich für Meuthen zu lohnen. In der SZ heißt es dazu: „Mittlerweile glaubt er zwei Drittel bis drei Viertel der AfD-Gemeinde hinter sich. In den sozialen Netzwerken komme vor allem seine Haltung zu Björn Höcke gut an. Er hat sich gegen einen Parteiausschluss des Thüringers wegen dessen Dresdner Rede („Denkmal der Schande“) ausgesprochen. „Das wird innerparteilich überwiegend geteilt“, sagt Meuthen.“

Anstatt die Partei zusammen zu halten und mäßigend nach innen zu wirken, befeuert Meuten den Streit um Höcke öffentlich. Dabei weiß er genau um die verheerende Wirkung seiner öffentlichen Äußerungen. Denn als es um den Skandal um Gedeon ging, kritisierte er selbst: „Wir haben zuweilen zu wenig Disziplin in der Außendarstellung“.  Doch jetzt, während die AfD in ihre schwerste Krise seit Luckes Abgang stürzt, verfolgt er weiter seine eigenen Interessen. Autor Kelnberger fasst zusammen: „Wohin die AfD steuert, ist unklar. Meuthen indes wähnt sich längst wieder auf dem aufsteigenden Ast.“

Und Meuthen tut alles, damit ihm beim weiteren Aufstieg auch wirklich niemand im Wege steht. Beim letzten Parteitag der Südwest-AfD verhinderte er mit einer Rede, dass Alice Weidel zur Landeschefin gekürt wurde. Gegenüber der SZ bestätigt er, dass Weidel nachher zu ihm sagte: „Du hast mich abgeschossen.“ Da klingt der Teddybär ganz stolz.

Foto: Von Robin Krahl – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37902654

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