„Der blaue Bock“ – Die Fabel zur Bundestagswahl

Bevor die Bundestagswahl in ihre heiße Phase kommt, ist jetzt die Fabel von JouWatch-Autor Thomas Böhm als e-book bei Amazon erschienen.

Dieses kleine Büchlein beschreibt die Abenteuer des schwarzen Schafes, das gemeinsam mit einer wild gewordenen Hammelherde bei der Bürgermeisterwahl von Balzheim den „Systemparteien“ den Stinkefinger zeigen will. Es wird ein Wahlkampf um Leben und Tod, auch weil die Gottesanbeterin mit ihren Knallfröschen kräftig mitmischt und mit einem Terroranschlag das Dorf in die Luft sprengen will.

Hie ein Auszug:

…Etwa zur gleichen Zeit, als das schwarze Schaf sich sein dickes Fell zulegte, um den Wahlkampf ohne größere Blessuren zu überstehen, versammelten sich in einem Saustall unweit von Balzheim die Großen und Mächtigen des Dorfes zu einer Geheimsitzung.

Die Made im Speck hatte als Gastgeber dafür gesorgt, dass es den Wichtigen bei der Veranstaltung an nichts mangelte und hatte entsprechend aufgetischt. Es gab Butter bei die Fische und die eigens aus Nordafrika eingeflogenen Bordsteinschwalben sollten dem Treffen am Ende noch den letzten Kick verschaffen. Um der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen zu geben, waren überall Selbstbeweihräucherstäbchen angezündet, die einen leicht euphorisierenden Duft verströmten.

Eine illustre Gesellschaft hatte sich versammelt. Für die Christlich-Demokratischen war der Platzhirsch erschienen, der seit vier Jahren auch als Bürgermeister amtierte. An seiner Seite, wie immer, der zerknitterte Papiertiger der Christlich-Sozialen. Die Sozialdemokraten wurden vom Bauerntölpel vertreten. Die Liberalen warteten mit dem Salonlöwen auf, die Gewitterziege vertrat die Fahnen der Grünen und die Linken hatten ihr Oberhaupt, die Planierraupe, ins Rennen geschickt.

Wie bei jeder dieser Sitzungen mussten die Teilnehmer Streichhölzer ziehen. Derjenige, der das längste zog, durfte die Versammlung leiten, die anderen wurden alle auf die hinteren Bänke verwiesen. Natürlich war auch heute wieder der Platzhirsch der Glückliche, weil er einfach das Streichholzheftchen, wie alles andere auch, in der Hand behielt.

Mit dem Pleitegeier hatten die Wirtschaftsverbände ihren kompetentesten Vertreter geschickt, mit dem Kredithai und dem Sparschwein waren gleich zwei der einflussreichsten Manager aus dem Bankensektor eingeladen und natürlich waren die Zeitungsente und die öffentlich-rechtliche Kanalratte ebenso mit von der Partie.

Am Anfang, wie bei jeder Sitzung dieser Art, herrschte ein wildes und lautes Durcheinander. Doch nachdem der Platzhirsch die Katze aus dem Sack gelassen hatte, wurde es mucksmäuschenstill.

Die Made im Speck hielt eine kurze Begrüßungsrede, in der sie sich noch einmal für die gute Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik bedankte. Dann kam man ganz schnell zur Sache und der Platzhirsch ergriff das Wort.

„Meine Freunde, Kollegen und Partner. Wie ihr wisst, stehen nun wieder Wahlen an, aus denen wir gemeinsam, wie in all den Jahren zuvor, mehr oder weniger als Sieger hervorgehen werden.“

Zustimmendes Gegrunze.

„Aber dieses Mal könnte es etwas schwieriger sein, das Stimmvieh ins Schlachthaus zu treiben. Irgendetwas ist im Busche, ich kann das riechen.“

Zustimmendes Gebrüll.

„Das Stimmvieh wirkt irgendwie ungehalten, nervös, zuweilen sogar aufmüpfig. Ist denen vielleicht eine Laus über die Leber gelaufen?“

„Die sind bestimmt noch verärgert, weil wir vor kurzem die Steuern erhöht haben“, warf der Salonlöwe ein.

„Aber um Gerechtigkeit walten zu lassen haben wir doch auch unsere Diäten erhöht“, antwortete der Platzhirsch.

„Ich vermute eher, die mögen unseren weichgekochten Einheitsbrei nicht mehr, den wir ihnen tagtäglich servieren“, meinte die Planierraupe.

„Das verstehe wer will“, moserte der Platzhirsch. „Wir haben dieses leckere Mahl doch von unserem Meisterkoch mit rotem Chili, grünen Tomaten, gelbem Paprika und Schwarzwurzeln nachwürzen lassen, damit es jedem mundet, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Art und Rasse und seiner gesellschaftlichen Stellung in der Nahrungskette.“

Die Gewitterziege hatte natürlich auch etwas zu sagen:

„Vielleicht sind die einfach nur enttäuscht, weil wir die Sonne vertrieben haben, um für alle den gleichen grauen Himmel, das gleiche trübe Wetter zu schaffen.“

„Auch das war eine sinnvolle Maßnahme“, behauptete der Platzhirsch. „Das Stimmvieh musste doch unbedingt vor dieser gefährlichen Strahlung geschützt werden. Außerdem ist dieser eigenwillige Feuerball ständig auf- und untergegangen, ohne uns um Erlaubnis zu fragen und hat uns trotzdem am Ende des Jahres immer diese hohen Rechnungen geschickt. Nein, so ist es besser. Ein grauer Himmel steht für Gleichheit und Brüderlichkeit. Und es gibt keine Dämmerung mehr, in der Tiere gejagt werden können. Verdammt, wir haben doch sogar die Evolution aufgehalten, damit sich keiner mehr schneller entwickeln kann als die anderen.“

Zustimmendes Gemurmel, der Platzhirsch fuhr fort:

„Ich sage euch was. Wir können machen, was wir wollen, das Stimmvieh ist immer unzufrieden und hat etwas zu meckern. Aber dagegen gibt es ein wirksames Heilmittel. Lasst uns den Geldhahn mal wieder ein wenig aufdrehen. Ihr werdet sehen, das Stimmvieh wird uns zujubeln.“

„Daraus wird leider nichts“, meldete sich das Sparschwein zu Wort. „Der Geldhahn ist in psychiatrischer Behandlung. Anscheinend hat er Depressionen, zumindest wirkte er in letzter Zeit doch sehr verschlossen. Aber auch wenn der Geldhahn wieder fit wäre, würde es dem Stimmvieh nicht viel nützen, denn die Knallfrösche sind mittlerweile schneller am Geldhahn als die einheimischen Tiere.“

„Na, dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als die Regeln zu ändern. Bei der nächsten Wahl werden wir uns die Stimmen nicht mehr für vier Jahre leihen, wir werden sie uns für immer nehmen und wenn wir jedem Einzelnen das Stimmband herausreißen müssten. Dann ist auf jeden Fall endlich Ruhe im Karton.“

Einstimmiges Gequieke. Und schon war das Treffen vorbei.

Zum Abschied bekamen die Zeitungsente und die öffentlich-rechtliche Kanalratte von der Made im Speck einen Sack voll Sand überreicht, der in China umgefallen und nach Balzheim transportiert worden war. Den sollten sie am nächsten Morgen, rechtzeitig zum Beginn des Wahlkampfes, über den Marktplatz streuen…

Und hier ist das Buch erhältlich:

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