Niederlande-Wahl: die Schafe fürchten sich vor der Freiheit

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Die Schafe der Kanzlerin melden sich noch mal zu Wort (Foto: Pixabay)

Die Niederlande haben gewählt. Einiges hat sich verändert. Die Arbeiterpartei wurde fürchterlich abgestraft. Aber im Grunde bleibt doch alles beim Alten. Warum haben die Europäer so wenig Kraft, so wenig Courage, eine radikale Umkehr zu vollziehen, die doch so dringend notwendig wäre. Weil Schafe sich vor der Freiheit immer fürchten?

Von Jürgen Fritz

Das Wahlergebnis

Die Niederländer haben gewählt. Stärkste Partei bleibt die VVD unter Ministerpräsident Mark Rutte, die von 26,5 Prozent auf ca. 21,3 Prozent fällt (- 5,2). Die Arbeiterpartei (SPD-ähnlich), bisher die Nr. 2, bricht völlig ein von 24,8 auf ca. 5,7 Prozent (- 19,1). Die Freiheitspartei von Geert Wilders, wahrscheinlich die einzig echte liberale Partei, kann zwar zulegen von 10,1 auf 13,1 Prozent (+3) und ist nun zweitstärkste Kraft, aber angesichts der Lage, in der Europa und speziell auch die Niederlande sich befindet, ist das im Grunde viel zu wenig.

Und wir müssen damit rechnen, daß auch die AfD im September nicht viel mehr als 13 Prozent holen wird. Wenn es sehr gut läuft, vielleicht 15, maximal aber 20 Prozent. Wenn überhaupt. Das aber heißt, über 80 Prozent bringen den Mut, etwas Neues zu wagen, nicht auf. Warum nicht?

Warum ist für echte liberale Parteien nicht sehr viel mehr drin im Moment?

Viel mehr als 13 Prozent ist für echte liberale Parteien, denen es nicht nur darum geht, möglichst geringe Steuersätze zu haben, derzeit nicht möglich, weil – machen wir uns nichts vor – die meisten Menschen im Grunde wie Schafe, wie Lämmer sind, die einfach nur ihr Futter wollen und dass die Schäfer lieb zu ihnen sind. Dass die Schäfer und die, die hinter diesen stehen – die Besitzer der Herde – teilweise völlig andere Interesse haben als das langfristige Wohl der Schafherde, dass sie primär ihren Profit sehen und ihre eigenen Interessen verfolgen, das zu durchschauen, vor allem auch die ganzen systemischen Zusammenhänge zu verstehen, die alles andere als simpel sind, das ist den meisten nicht gegeben und überfordert sie auch völlig. Hinzu kommt, dass die grün-linke Indoktrinationsmaschinerie seit vielen Jahrzehnten die Vorstellungswelt und die Urteilsmuser der großen Masse vollkommen dominiert.

Die Wurzel des Übels reicht weit zurück, sehr weit

Nach meiner Analyse geht das Ganze aber noch viel weiter zurück – nur so ist dieser fast völlige Erfolg zu erklären. Und zwar müssen wir zweitausend Jahre zurückgehen bis zu dem Nazarener, der tief sitzende geistig-seelische Viren einpflanzte, insbesondere kommunistische und pazifistische, an die man kaum ran kommt, weil diese über all die Geschichten, Mythen, Gleichnisse usw. ganz tief in den Seelen verankert sind und ein Welt- und Menschenbild sowie eine Moral prägten, die die Menschen unfähig macht, a) sich gegen Angriffe und Feinde zu wehren – einem Vergewaltiger auch noch die andere Wange hinzuhalten, würde heißen, ihm auch noch seine anderen Körperöffnungnen darbieten – und b) ein Gesellschaftsmodell zu entwickeln, das sich nicht an der Ergebnisgleichheit und der größtmöglichen Umverteilung orientiert, sondern an Stabilität, Chancen- und Rechtegleicheit, Nachaltigkeit und Gerechtigkeit. Doch das zu erläutern, würde hier zu weit führen.

Unterscheidung: naive, ursprüngliche christliche Lehre und ihre Entartungen

Was bezüglich des Christentums vielfach nicht sauber unterschieden wird, ist a) die ursprüngliche christliche Lehre, die völlig unfähig war, ein staatliches Wesen zu organisieren, die völlig unfähig war, sich zu verteidigen. Daher passt das Bild der Lämmer auch so gut – das Lamm, das bei Belieben geschlachtet oder auch abgeschlachtet wird, siehe die Christenverfolgungen in den ersten drei Jahrhunderten und siehe die Juden im Dritten Reich, die sich meist kaum wehrten.

Und b) das, was ab dem 4. Jahrhundert, genauer seit der konstantinischen Wende im Jahre 312 aus dem Christentum gemacht wurde bzw. wie es sich entwickelte, als es aus Notwendigkeit, um das Überleben zu sichern, einen ersten Verrat begangen und sich mit der weltlichen Macht, in Person Kaiser Konstantins verbündet hat. Seither wurde es einerseits wehrhaft (positiv), teilweise auch übergriffig (Missionexzesse) und bösartig (Hexenverbrennungen und Folter von Ketzern – negativ), vor allem aber korrupt, weil es jetzt immer mehr um Geld und Macht ging (negativ). Schauen Sie sich nur Kardinal Marx an.

Die Schizophrenie schon in der Ursprungslehre

Was aber weitgehend unverstanden ist, schon die Lehre Jesu war schizophren, teilweise sehr gut – weil sie das Gütige und die Liebe zum Nächsten, genauer: das Wohlwollen jedem, sogar dem Feind gegenüber predigte, -, teilweise übel, sehr übel. Inwiefern übel?

Weil sie einerseits die Wehrhaftigkeit lähmte, die aber zum Überleben in dieser Welt notwendig ist. Etwas banal ausgedrückt: Wenn die Guten oder weniger Schlechten immer nachgeben und alles mit sich machen lassen, wie wird die Welt dann wohl bald aussehen?

Übel andererseits aber auch, weil Jesus den Rache- und Vergeltungsgedanken nicht völlig überwand, sondern nur in die ferne Zukunft verschob (jüngstes Gericht und unendliche Höllenqualen). Denn Jesus wollte nach eigener Lehre wiederkommen, um fürchterlich zu richten.

Hier ist die Schizophrenie und Psychopathologie bereits latent angelegt, die dann bei dem anderen Religionsstifter 600 Jahre später vollends durchbrach und einen einzigartigen Höhe- bzw. Tiefpunkt erreichte: Ihr sollt andere nicht morden und quälen – bzw. bei Mohammed: nur die, die sich meiner Lehre nicht beugen – und wer sich daran nicht hält, wird später fürchterlich gequält. Schizophrenie pur.

Die Kunst – die bis heute nicht konsequent durchgeführt wurde – wäre, das Gute aus der Lehre des Nazareners zu entnehmen, da gibt es ja durchaus sehr vieles, und das Üble daraus zur Seite zu räumen. Das geht aber nur, wenn die Gestalt kritisch gewürdigt und sie nicht schafsmäßig angehimmelt wird.

Die Masse will Schaaf sein, ihre Ruhe haben und daß man lieb zu ihr ist

Fakt ist, wir müssen davon ausgehen, daß die Mehrheit der Menschen gar kein Interesse hat, sich aus den für sie oft gar nicht sichtbaren Fesseln der Schäfer, ihrer Wachhunde und der Besitzer der Schafherden zu befreien. Ein ernsthaftes Interesse daran, ein mündiges, emanzipiertes Wesen zu werden, ist nur bei wenigen, echten Liberalen vorhanden, die dann auch bereit sind, dafür zu kämpfen und den Feinden der Freiheit, den Unterdrückern und den Knechten, die aus ihrer Knechtschaft gar nicht befreit werden, sondern diese sogar noch ausbreiten wollen, die Stirn zu bieten.

Echte Liberale sind nicht tolerant gegen die Feinde der Freiheit

Echte Liberale (Freiheitskämpfer) sind nicht tolerant gegen die Feinde der Freiheit, die diese zerstören und unterdrücken wollen. Aber das versteht die Masse schon wieder nicht, weil sie über lange Zeiträume völlig anders konditioniert und indoktriniert wurde und weil es den meisten unendlich schwer fällt, eigenständig denken und urteilen zu lernen, viele das auch gar nicht wollen, vor allem aber der Hegemon (die Herdenbesitzer, ihre Schäfer und deren Wachhunde) das gar nicht will. Aus meiner Zeit als Lehrer an allgemeinbildenden Schulen weiß ich, daß ein Interesse an Mündigkeit und Emanzipation fast nirgends vorhanden ist, auf fast keiner Seite. Die Schafe wählen sich solche Schäfer, die sie klein halten und meinen sogar noch, das wäre Freiheit.

Jede Demokratie ist nur so gut wie ihr jeweiliger Demos

Insofern hilft die vielbeschworene Demokratie hier auch nicht wirklich weiter. Jede Demokratie taugt halt immer nur so viel wie die, die den Demos bilden. Wenn das mehrheitlich dumme Schafe oder sogar unzivilisierte, grausame Wölfe sind, dann sieht die Gesellschaft dementsprechend aus.

Und die Herrschaftseliten sind seit langem darauf spezialisiert, ihre Lämmer oder Wölfe so zu lenken, dass diese genau das wollen, was die Herdenbesitzer wollen, dass diese Lämmer es wollen. Sie denken nicht, sondern werden gedacht. Die Religionen waren dabei schon immer behilflich. Und die Erkenntnisse der Psychologie der Massen (Gustave Le Bon, Edward Bernays …), die bereits Goebbels rezipierte und sehr geschickt anwandte, werden heute noch um etliches geschickter appliziert und inzwischen nahezu perfekt umgesetzt.

Dagegen kommen wir Aufklärer und eigenständige Denker, wir Moralisten im besten Sinne des Wortes mit unseren sehr beschränkten Mitteln – wir erreichen nie zig Millionen Menschen, egal was wir machen – kaum an. Da sollten wir uns nichts vormachen.

Was sollen wir tun?

Was können wir machen? Das wird ein langer, sehr langer Kampf mit ungewissem Ausgang. Gleichwohl sollten wir nicht resignieren, den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern versuchen, Schritt für Schritt nach vorne zu gehen. Was heißt nach vorne? Nach vorne heißt in Richtung Freiheit, in Richtung Abschüttelung jeglicher Tyrannei, auch der verdeckten, subtilen, hinterfotzigen, in Richtung Mündigkeit, in Richtung kritisch-emanzipatorisches Denken, in Richtung echte Menschen-Werdung, in Richtung einer gerechten, wehrhaften, starken, stabilen und zugleich gütigen, solidarischen Gesellschaft. Selbst wenn wir diesen Kampf verlieren sollten, wir müssen ihn an- und aufnehmen. Alles andere wäre unwürdig.

https://juergenfritzphil.wordpress.com/2017/03/16/niederlande-wahl/

Foto: pixabay, CC0 Public Domain

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