SCHLECHTES WETTER: DONALD TRUMPS LIEBENSWÜRDIGKEIT

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Der "Spiegel" sucht Auswege (Foto: Collage)

Flugenten fliegen, wie der Name schon sagt. Watschelenten fliegen nicht, sondern die watscheln, wie ebenfalls der Name schon sagt. Wohin watscheln sie? Zum Beispiel zum Flughafen und wieder zurück.
SPIEGEL ONLINE titelt: „Schlechtes Wetter: Merkel-Besuch bei Trump verschoben.“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-besuch-von-angela-merkel-wegen-schlechten-wetters-verschoben-a-1138594.html

Von Max Erdinger

Schon die Schlagzeile ist einfach zu göttlich. Der Begriff „Tauwetter“ wird ja gerne verwendet, wenn Medien von einer Entspannung zwschen Staaten reden. Das Gegenteil: Die Beziehungen werden frostig. Politisches Frostwetter also. Von „schlechtes Wetter“ war aber bisher noch nie die Rede. Warum also „schlechtes Wetter“ als erstes in der Schlagzeile?
Der SPIEGEL hofft auf den flüchtigen Leser, der lediglich kurz die Schlagzeile überfliegt (sic!), ganz egal, wie das Wetter ist. Flüchtende Leser hat er schon zur Genüge. Der flüchtige Leser soll möglichst glauben, es läge tatsächlich allein am Wetter, daß Merkel auf dem Boden der Tatsachen bleiben mußte, anstatt geflogen zu werden.

Wir lesen – Zitat: „Das erste Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump ist verschoben. Eigentlich hätten sich die beiden am Dienstag in Washington treffen sollen. Trump habe sie angerufen und wegen eines heraufziehenden Unwetters das Treffen abgesagt, sagte die Kanzlerin in Berlin. Die Absage kam unmittelbar vor dem Abflug der Kanzlerin. „Die Journalisten packen im Merkel-Jet ihre Sachen zusammen“, twitterte Roland Nelles, Ressortleiter Politik von SPIEGEL ONLINE.“ – Zitatende.

Nun ist es ja so, daß heraufziehende Unwetter sich nicht einzelne Jets herauspicken, die nicht fliegen können. Man sollte annehmen, daß dann, wenn der Merkel-Jet wegen eines Schneesturms an der Ostküste der USA am Boden bleibt, auch alle anderen Flüge von Deutschland an die amerikanische Ostküste gestrichen worden sein müssten. Dem scheint aber nicht so zu sein. Verschiedenste Fluggesellschaften flogen gestern Abend und fliegen heute Vormittag von Frankfurt aus anstandslos an die amerikanische Ostküste. Die Webseite des Frankfurter Flughafens meldet jedenfalls keine Flugstornierungen für die Verbindung FRA – NY. Es gibt mindestens sechs Direktflüge, die stattfinden.

Was noch? Das hier – Zitat: „Laut Weißem Haus soll das Treffen nun am Freitag stattfinden. Die deutsche Regierung muss den neuen Termin noch bestätigen.“ – Zitatende.

Noch einmal: Nicht der Pilot des Merkel-Jets hat den Flug abgesagt, sondern einer, der selbst gar nicht fliegen muß: Donald Trump! Er hat Merkel angerufen, als ihr Jet bereits startklar gewesen ist. Was er ihr gesagt hat, muß ungefähr so geklungen haben: „“It’s Schneesturm, Mrs. Mörkl. I cancel YOUR fucking Flug, as you’re already warten auf die fucking Startfreigabe. You’ll tanz hier an on Freitag. I give you neuer Termin. Better be hier fucking rechtzeitig, oder else it sits down etwas. No fucking.“

Tauwetter, Frostwetter, schlechtes Wetter – ich liebe Trumps Stil. Als ausgewiesener Gegner europäischen Egalitätsgequatsches hat er für Mrs. Mörkls „konstruktiven Dialog auf Augenhöhe“ natürlich nicht gerade die größten Sympathien. Er wird wissen, wie die gleichgeschalteten Medien aus Mörklland über ihn herziehen. Da hat er sich wahrscheinlich gedacht, man könne der Weltöffentlichkeit vor dem Treffen schon einmal klarmachen, wer hier der Metzger – und wer die Wursthaut ist. Da kam der „Schneesturm der Rache“ wie gelegen. Trump wußte natürlich sehr genau, daß es Fragen aufwerfen wird, wenn trotz „schlechtes Wetter“ alle fliegen, nur die Eine nicht. Und dann das: Gleichzeitig nennt er Mrs.Mörkl einen neuen Termin, ohne ihn vorher mit der deutschen Regierung abzustimmen. Er nennt ihn einfach. Von der deutschen Regierung wird lediglich erwartet, daß sie ihn noch bestätigt. Nicht Mittwoch, nicht Donnerstag – da hat Donald Wichtigeres zu tun, als Watschelenten zu füttern – , sondern erst am Freitag hat er wieder Zeit für Mrs. Mörkl. Am Samstag fliegt er dann, vermutlich bei bestem Wetter, von Washington aus ins traute Heim nach New York, wo ihn Anmut & Liebreiz in Form seiner Gattin erwarten und der Schock über den Anblick und das sprechblasenhafte Gequake der teutonischen Krautstampfermarxistin schnell wieder abklingt.

Freilich hätte SPIEGEL-ONLINE auch titeln können: „Affront: Trump sagt Merkels Flug ab.“ Aber hey, wenn man schon zur Lügenpresse zählt, ist „Schlechtes Wetter“ (plus Doppelpunkt) noch nicht einmal besonders desinformativ. Dumm ist halt, daß man unter eine Schlagzeile auch noch einen Text hinschreiben muß. Und besonders dumm ist, daß Mrs. Mörkl – Entschuldigung, Frau Merkel, wir sind ja immer noch in Deutschland – selbst schon gesagt hat, Donald Trump habe ihrem Flug die Startfreigabe versagt – und zwar wegen „Schlechtes Wetter Doppelpunkt“. Da hat man einfach nicht mehr die ganz große Auswahl bei den günstigen Formulierungen.

Trump sagt Merkels Flug ab, SPIEGEL-ONLINE titelt „Schlechtes Wetter Doppelpunkt“ – und meinereiner beömmelt sich ohne Ende. Es ist einfach zu herrlich.

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