Offener Brief an Erdogan: „Retten Sie Ihre Landsleute!“

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Von Paula Bengtzon

Sehr geehrter Herr Präsident Erdogan,

ich weiß, Sie haben viel um die Ohren, und ich hoffe, dass Sie meinen Appell nicht missverstehen, denn er erfolgt lediglich aus einem tief empfundenen Mitgefühl für die geschundene Kreatur.

Seit geraumer Zeit beobachte ich, wie Sie mit Scharfsinnigkeit und großem Engagement Nazideutschland entlarven. Nun aber müssen Sie etwas unternehmen. Sie können nicht mehr zulassen, dass Nazideutschland Ihre klügsten Köpfe im Laufe der Jahre abgeschöpft und versklavt hat. Geradezu regieren Sie einen entvölkerten Staat, dem die braven Mitbürger fehlen. Ohne die Abschöpfung der echten Intelligenzia aus Ihrem Land, hätte ein Putsch niemals stattfinden können, denn, was Nazideutschland Ihnen gelassen hatte, waren die Aufwiegler und Störer, die Guten haben sie sich schon vor geraumer Zeit unter den Nagel gerissen. Und nun ist es höchste Zeit, dass Sie darauf bestehen, den wahren Schatz Ihrer Nation wieder zurückzufordern, und zwar mit allem Nachdruck.

Ich möchte der Mutter und dem Vater in Ihnen zurufen: Retten Sie Ihre Landsleute! So schnell als möglich! Denn es ist die edelste Aufgabe eines Vaters und einer Mutter seinen Kindern beizustehen, was auch immer sie angestellt haben mögen. Auch nur eine Träne, die Ihre Landsleute hier weinen, weil der Nazistaat ihnen Dinge aufgebürdet hat, die sie nicht wollten, muss dazu führen, dass Sie Ihre Arme ausbreiten, wie Vater und Mutter es tun würden, und sagen: Komm nach Hause, Kind. Wir verzeihen Dir. Komm heim.

Ja, Sie mögen sich über Ihre Landsleute, die sich in Deutschland auf etwas eingelassen haben, das sie nicht haben überblicken können, verärgert sein. Ja, Sie sind aber auch zurecht entsetzt über dieses Nazideutschland, das die Kinder der Türkei mit gehaltenen Versprechen wie Sozialleistungen, Rechtssicherheit, Freiheit und Familiennachzug überrumpelt hat. Dieses schreckliche Land hat Ihre armen Landsleute vor unlösbare Aufgaben gestellt: Demokratie, Redefreiheit, Pressefreiheit, Gleichstellung von Mann und Frau, und nicht zuletzt auch die deutsche Sprache, die, wie wir alle wissen, die schwerste der Welt ist, weswegen sie in der dritten oder vierten Generation noch nicht sicher beherrscht werden kann. Die armen Leute Ihres Landes konnten sich vor Nazideutschland nirgends verstecken, waren sie einmal eingereist: Sozialleistungen, Integrationskurse, Sprachkurse, Lehrstellen, Studienplätze und Schulpflicht, eine doppelte Staatsbürgerschaft und vielerlei Repressalien mehr. Könnte ein Staat brutaler gegen seine ahnungslosen Gäste vorgehen?

Und Sie verstehen bestimmt auch, dass sich Ihre Kinder, die in ihrer liebenswürdigen Naivität den Nazikötern in die Falle gingen, nun dafür schämen und sich nicht trauen zu Ihnen nach Hause zu kommen, um Sie anzuflehen, Ihnen bitte wieder das Leben zu ermöglichen, das sie sich eigentlich wünschen.

Hach, können Sie es Ihnen verdenken, schließlich sind auch Sie den Milliardenzahlungen der EU aufgesessen. Wir alle machen schließlich Fehler, aber als kluger Staatsmann werden Sie diesen Lapsus zugeben und daraus lernen. Widerstehen Sie dem Kötergeld aus der EU und lassen Sie nicht zu, dass die zaghaften Hilferufe Ihrer Landsleute, die sie nun verschämt aus der Knechtschaft an Sie richten, ungehört verhallen. Alle ihre Kinder sind von echter Reue ergriffen, nachdem Sie ihnen die Augen öffneten. Also, fassen Sie sich ein Herz und zeigen Sie Ihre Volkesliebe. Kommen Sie nicht her, nein, das können Sie nicht auf sich nehmen, nein, das ist zu viel verlangt. Geben Sie Ihren Töchtern und Söhnen nur ein Zeichen, rufen Sie Ihnen zu: Ich will euch zurück. Verlasst Naziland, verlasst den stinkenden Bau der Köter und verlogenen Sklavenhalter, entsagt der Droge Freiheit. Entsagt dem stinkenden Geld der Köter, ihr alle braucht es nicht. Was ihr braucht, ist euer Heimatland; was ihr braucht, bin ich, denn als liebender Landesvater, kann ich eurem Elend nicht weiter tatenlos zusehen. Kommt zurück an die süßen Gestade der Heimat. Ich habe erreicht, dass kaum ein Köter noch einen Fuß in unser wunderbares Land setzt; ich habe alle vertrieben, die mit ihrem stinkenden Geld faul an unseren Stränden lagen und unsere Gastfreundschaft aufs Übelste ausnutzten. Kommt an mein warmes Herz, das nur für euch und euer Wohl schlägt, alles sei verziehen. Das ist es, werter Präsident, worauf Ihre geliebten Kinder warten. Geben Sie Ihrem Herzen einen Ruck.

Mitfühlend Ihre Paula

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