DAS BLÖKEN DER GEISBÖCKE

Bei der ZEIT schießt man keine Böcke, sondern man läßt sie schreiben. Mit „Martin, wir wollen den Sieg von dir!“ hat Mathias Geis dann aber doch noch einen geschossen. Und zwar einen kapitalen.
http://www.zeit.de/2017/08/spd-martin-schulz-kanzlerkandidat-bundestagswahl

Von Max Erdinger

Zitat: „Martin, wir wollen den Sieg von dir! – Die SPD ist im Rausch, und plötzlich scheint vieles möglich zu sein. Der neu entfachte Wettbewerb ist ein Segen für die Demokratie.“ – Zitatende.

Wäre der Martin der George Clooney der Partei, hätte wahrscheinlich nicht viel gefehlt und die runzligen SPD – Mitgliederinnen hätten – feministischer Bauchbesitz samt erloschener Fruchtbarkeit hin oder her – statt des Sieges lieber ein Kind von ihm gewollt. Ein Segen für die Demokratie wäre allerdings auch das nicht geworden. Daß die SPD im Rausch ist, hätte meinereiner auch ohne Mathias Geis gewußt. Ungezählt sind die sozialdemokratischen Verlautbarungen, angelegentlich welcher ich mich gefragt habe, ob die SozialistInnen eigentlich nur noch besoffen sind.

Zitat: „Seit je ist die SPD die Manisch-Depressive unter den deutschen Parteien.“ – Zitatende.

Kein Wunder, daß Merkel die Mundwinkel nach unten hängen, seit es die GroKo gibt. Da will sich der rechte Frohsinn einfach nicht einstellen. Gottlob sind die Sozialdemokratoren seit der Kanzlerkandidatur von Sieg-Martin zu wahren Lächlern mutiert. Bald wird auch Merkel wieder ein normales Gesicht haben. Man sieht: Die Zuversicht springt sogar auf den Medienkritiker über.

Zitat: „Aber ebenso schafft sie es, sich mit Euphorie aufzuladen und ihre kommenden Siege zu feiern. So wie in diesen Tagen. Die Partei steht kopf, und Tausende wollen Genosse werden. Die SPD erlebt einen spektakulären Neustart. “

Ah, jesses: „Kommende Siege feiern“ … – typisch sozialdemokratisch. Weil es die Sozialdemokraten mit der Nation schon längst nicht mehr haben, ignorieren sie natürlich auch deutsche Volksweisheiten, zum Beispiel die, daß man den Tag nicht vor dem Abend loben soll. Und einen spektakulären Neustart bei der am meisten vergreisten Partei Deutschlands muß man sich wahrscheinlich vorstellen wie einen frühmorgendlichen Feueralarm im Altersheim. Kein schönes Bild.

Zitat Geis (wahrscheinlich ebenfalls im Rausch): „Das ist nicht nur erfreulich für die Sozialdemokratie, sondern für die deutsche Politik insgesamt.“ – Zitatende.

So, Mathias Geis, jetzt werden wir erst einmal wieder nüchtern und fragen uns dann ehrlich und aufrichtig, wann die Sozialdemokraten zum letzten Mal „deutsche Politik“ gemacht hätten. Die SPD besteht aus Internationalsozialisten. Betonung auf „Inter“.

Zitat: „Die schien eben noch wie hypnotisiert vom Auftrieb der Rechtspopulisten. Seit wieder mit der SPD zu rechnen ist, lässt die Fixierung deutlich nach. Plötzlich ist die Auseinandersetzung zwischen den Volksparteien, die klassische Polarisierung innerhalb des Systems, wieder interessant.“ – Zitatende.

Es gibt einen Unterschied zwischen „hypnotisiert“ und „marginalisiert“. Die Linkspopulisten sind durch die AfD marginalisiert worden, nicht hypnotisiert. Es gibt keine Rechtspopulisten. Und welche Volksparteien übrigens? Sowohl CDU als auch SPD haben jeweils nicht einmal mehr eine halbe Million Mitglieder. Das Volk – Entschuldigung, die Bevölkerung – besteht aber aus 80 Millionen Bevölkernden. Wenn von denen gerade mal noch weniger als 0,7 Prozent in einer der beiden am wenigsten kleinen Parteien Mitglieder sind, dann kann man noch nicht einmal mehr von einer Bevölkerungspartei sprechen, geschweige denn von einer Volkspartei. Überhaupt „Volkspartei“: Viel zu völkisch, oder?

Zitat: „Dabei sagt Schulz noch nichts Neues, er sagt es nur so, dass es neu klingt, selbstbewusst, kämpferisch, geradeheraus.“ – Zitatende.

„Geradeheraus manipulativ“ also, oder was? Euch Bockschießern von der ZEIT kann man aber auch mit dem letzten Mist noch eine saftige Euphorie aus dem Kreuz leiern.

Zitat: „Allein dass es sich wieder lohnen könnte zu kämpfen, wirkt auf die SPD, die so gerne kämpft und in jüngerer Zeit so wenig Gelegenheit dazu hatte, befreiend.“ – Zitatende.

Ach ja, haben sie jetzt wieder einen ihrer gefürchteten Kampfkrampfanfälle, die Sozialdemokratoren? Kämpfen sie wieder dafür, daß mehr Zeichen gesetzt werden? Zeichen für höhere Diäten, neue Beauftragte jedweder Art von Zeichenbeauftragung, Teilhabekampfabzeichen, Mehrgerechtigkeitskampfauszeichnung? Das sind ja schöne Aussichten. Wir werden die sozialdemokratorische Kampfkrampfrepublik Deutschland bekommen, oder?

Zitat: „Derzeit ist die SPD eine Art emotionales Perpetuum mobile.“ – Zitatende.

Ja und, Geisschreiber? Das soll jetzt gut sein? Es gibt kein Perpetuum mobile! Was also soll an einem „emotionalen Perpetuum mobile“ gut sein, außer, daß man sich halt im Rausch eines vorstellen kann?

Zitat: „Die Begeisterung steckt an, sie steigert die Umfragewerte, und die Umfragewerte steigern die Begeisterung. Noch ist das alles eher Psychologie als Politik. Aber Stimmungen, das haben die vergangenen Jahre gezeigt, sind auch Fakten. Der Hype könnte tragen. Wofür es bis vor Kurzem keine Anhaltspunkte gab, ist nun in den Bereich des Möglichen gerückt: Die SPD ist wieder im Spiel. Merkel wirkt nicht mehr unbesiegbar.“ – Zitatende.

Sag´mal, Geis, liest du ab und zu auch mal die Nachrichten? Der Sieg-Martin ist schon gar kein Garant mehr für ein emotionales Begeisterungs- und Umfrage-Perpetuum mobile! Inzwischen weiß sogar der ZEIT-Leser, daß gegen Sieg-Martin (Der Musterdemokrat Berlusconi hätte mit ihm die Filmrolle eines deutschen KZ-Capos besetzt) heilsame Betrugsermittlungen der EU laufen und daß der Sieg-Martin ein heuchlerischer Raffzahn ist, der sogar einem blinden Bettler noch einen Euro aus der Mütze klauen würde, wenn er sich sicher ist, daß gerade niemand herschaut. Das EU-Plakat mit dem grienenden Konterfei von Tagegeld-Martin, von dem es herunterschleimt: „Für ein Europa der Menschen. Nicht des Geldes“, kennt inzwischen jeder BILD-Leser! Und die SPIEGEL-Leser sowieso. Weil die nämlich mehr wissen, als alle BILD- und ZEIT Leser zusammen!
Zitat: „Die Genossen sind im Schulz-Fieber, die Republik fiebert mit.“ – Zitatende.

Danke, Geis! Daß die Republik krank ist, hätte ich auch so gewußt.

Zitat: „Schulz hat bislang keine großartigen politischen Aussagen gemacht, er bewegt sich im Bereich des sozialdemokratisch Gewohnten. Wenn er dennoch die Republik elektrisiert, liegt es an einem Angebot, das grundlegender ist als jedes konkrete Wahlversprechen. Das Angebot ist die SPD selbst – nicht in dem niedergeschlagenen Zustand, in dem wir sie kennen, sondern als ernst zu nehmende Bewerberin auf der politischen Bühne.“ – Zitatende.

Warum gibt es eigentlich keine ZEIT-Redakteure im niedergeschlagenen Zustand? Ein grundlegend verschimmeltes Brot wäre also besser als ein konkret eßbares, oder wie? Eines muß man sagen: ZEIT und SPD sind im grundlegenden Rausch euphorisch und perpetuum-mobilatorisch vereint. Und daß das immer noch besser ist, als dem Leser konkret auf die Augen zu kotzen.

Zitat: „In der Bereitschaft, sich von den neuen Perspektiven der SPD fesseln zu lassen, zeigt sich zugleich, wie viel Frustration im politischen Normalvollzug der vergangenen Jahre aufgestaut wurde.“ – Zitatende.

Du meinst also, mit den neuen Perspektiven der SPD und dem Wähler sei es ungefähr so, wie bei einem sadomasochistischen Geilisten, der vom normal zu vollziehenden Blümchensex mit der alten Hildegard die Nase voll hat? Schöner Vergleich. Vor allem, wenn man sich vorstellt, daß der Wähler dafür den Hintern versohlt bekommt.

Zitat: „In Zeiten von Transparenz und Teilhabe hat es die repräsentative Demokratie ohnehin nicht leicht, sich als zeitgemäße Form zu präsentieren, in der die öffentlichen Dinge verhandelt und entschieden werden.“ – Zitatende.

Da stellen sich mir zwei ganz andere Fragen, mehr indiskreter Natur: Hast du zum Schreiben schon eimal auf die Hilfe eines Phrasengenerators zurückgegriffen? Singst du manchmal unter der Dusche solche Lieder wie z.B. „Ich bin eine Schreibgeis, weil ich ein transparentes Teil über meinem Teil habe?“ Oder wie erklärt sich dein Schreibdrang? Hat dir am Ende der Sieg-Martin, recht intransparent, etwas von seiner zusammengerafften Kohle abgegeben?

Zitat: „Seit Schulz wirkt die SPD wie verwandelt.“ – Zitatende.

Das ist ganz normal. Im Rausch wirkt alles nicht mehr so, wie es eigentlich ist. Den Rest deiner besoffenen Lobhudelei auf den sozialdemokratorischen Kampfkrampf im schulzigen Euphorie-Perpetuum-Mobile kann ich mir leider nicht mehr antun, weil sonst mein ganzer Sonntag ruiniert ist. Aber eines kann ich dir versichern, Mathias Geis, in der ZEIT: Es werden Zeiten kommen, in denen schreibende Rauschkugeln wieder einer ehrlichen Erwerbsarbeit werden nachgehen müssen. Und darauf trinke jetzt ich erst mal einen.

Wandere aus, solange es noch geht!
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