ABT. AUFTRITT: NIX GIBT`S!

Die Medienkritik: ZEIT (Foto: Collage)

Kein türkischer Wahlkampf in Gaggenau. Der Festsaal bleibt zu. Der türkische Justizminister Bozdag fliegt wieder nach Hause. Die türkische Regierung bestellt den deutschen Botschafter ein und bei der ZEIT schreibt man etwas dazu.
http://www.zeit.de/news/2017-03/02/medien-festsaal-bleibt-leer—kein-tuerkischer-wahlkampf-in-gaggenau-02211802

Von Max Erdinger

Zitat: „Gaggenau (dpa) – Die Stuhlreihen sind sorgsam aufgebaut. Auf der Bühne steht ein Rednerpult. Die Wand dahinter ist eingehüllt in eine riesige rote Flagge mit Halbmond und Stern. Doch der Festsaal von Gaggenau bleibt verwaist, die Türen sind geschlossen, vor dem Eingang stehen Polizisten.“ – Zitatende.

Noch vor wenigen Tagen war Fasching und der Festsaal war voller Frohsinn und Heiterkeit. Doch nun ist der kleine Festsaal ein Waisenkind. Seine Eltern sind einfach nicht aus dem Fasching zurückgekehrt. Polizisten stehen vor seinem Eingang, um zu verhindern, daß der kleine Festsaal in die Türkei entführt wird. Vor dem inneren Auge des Lesers erscheint in großen Lettern das traurige Wort „Tristesse“. So war es beabsichtigt bei der ZEIT.

Zitat: „Eigentlich wollte hier Bekir Bozdag, der türkische Justizminister, um Zustimmung für das geplante Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems in seinem Land werben. Doch daraus wird nichts. In Deutschland hagelt es parteiübergreifend Kritik an der Wahlkampfveranstaltung. Der Bürgermeister von Gaggenau stoppt den Auftritt schließlich – aus Sicherheitsgründen. Und dabei bleibt es.“ – Zitatende.

Ein deutscher Bürgermeister verhindert den Auftritt des türkischen Justizministers in seiner Stadt.  Er tut es nicht etwa, weil es parteiübergreifende Kritik an der geplanten Wahlkampfveranstaltung gegeben hat. Parteiübergreifende Politik ist ihm egal. Der Bürgermeister ist Mitglied der Freien Wähler. Es sind -leider, leider – Sicherheitsgründe, derentwegen der Auftritt des Türken in Gaggenau nicht stattfinden kann. Wir lernen: Unter den Sicherheitsgründen ist der vorgeschobene Sicherheitsgrund der antitürkischste. Zu wenig Parkplätze, Saal zu klein, Überfüllung droht, Anzahl der Festsaaltoiletten zu gering, Feuerwehrzufahrten von türkischen Wildpinklern blockiert.  Geht also nicht. Jedenfalls so lange nicht, wie es beim TÜV noch Überlebende gibt. Unter der heldenhaften deutschen Sicherheitshelmchenmentalität ist sogar die Feigheit gut aufgehoben, welche in diesem Falle in der Weigerung besteht, klipp und klar zu sagen, daß man keinen türkischen Justizminister in der Stadt haben will, der hier Wahlkampf macht.

Zitat: > Für einen 53-jährigen Deutsch-Türken aus Gernsbach hat das alles dagegen nichts mehr mit Demokratie zu tun. „Ich habe mich drauf gefreut und jetzt kommt so eine Absage“, sagt er am Abend vor der Festhalle. „Wenn wir nicht mal hier zusammentreffen können und was anhören können, wenn man das nicht mal in Deutschland zulässt (…). Das ist keine Demokratie, was ihr habt.“ – Zitatende.
Siehste, ZEIT, da hätte man einhaken können. Die doppelte Staatsbürgerschaft hätte sich als Thema angeboten. Es ist einfacher, „Deutscher“ oder „Türke“ zu schreiben, als „Deutsch-Türke“. Dieser enttäuschte „Deutsch-Türke“ zum Beispiel ist Türke. „Wir“ können nicht zusammentreffen und uns was anhören, sagt er. Und daß „ihr“ – also er selbst nicht – keine Demokratie habt. Da hätte man glatt schreiben können, daß der Türke das Wörtchen „auch“ vor „keine Demokratie“ vergessen hat.

Zitat: „Der Restaurantbetreiber, der bei dem Referendum für die Verfassungsreform stimmen will, versteht nicht, was die Deutschen gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan haben. Der 53-Jährige erzählt, er sei schon als kleines Kind nach Deutschland gekommen – nun plane er aber, in die Türkei zurückzukehren. „Ich war fast so deutsch wie ihr“, sagt er. „Aber seit den letzten drei, vier Jahren, ich fühl‘ mich nicht mehr als Deutscher.“ – Zitatende.

Seit ungefähr 50 Jahren lebt der Mann also schon in Deutschland und ist schon fast so deutsch wie die Deutschen gewesen. Und nun das! Es hätte lediglich weiterer zwanzig Jahre und schlapper sieben-komma-fünf weiterer türkischer Wahlkämpfe in Gaggenau bedurft, bis er von „fast so deutsch“ zu „so gut wie deutsch“ geworden wäre. Das hätte man thematisieren müssen, liebe ZEIT: Wie sehr ein verhinderter Wahlkampfauftritt die Integration eines  Türken konterkariert, der es nach fünfzig Jahren schon fast geschafft hatte. Da habt ihr doch etwas versäumt!?  Jetzt fühlt er sich nicht mehr als Deutscher. Pardon, als Fastdeutscher. Man hätte den Leser als nächstes beruhigen können damit, daß Fastenzeit ist und daß Fastdeutsche zumindest zu dieser Jahreszeit unabhängig von verwaisten kleinen Festsälen  und Parkplatzgrößen sowieso voll integriert sind. Sollt ihr den Leser unnötig verschrecken? – Eben. Sollt ihr nicht.

Zitat: „Was sie gegen Erdogan haben, macht derweil ein kleines Grüppchen Bürger und Politiker auf dem Parkplatz vor dem Festsaal deutlich. Per Megafon erklären sie in die Fernsehkameras und Notizblöcke der Journalisten, warum sie die Absage der Veranstaltung für „gelebte Demokratie“ halten. „Wer in seinem Land die Meinungs- und Pressefreiheit mit Füßen tritt, hat sein Recht verwirkt, sich in unserem Land auf dieses Recht zu berufen“, steht auf einem ihrer Plakate.“ – Zitatende.

Und? Kommt noch was, liebe ZEIT? Das könnt ihr doch unmöglich unkommentiert so stehen lassen! Könnt ihr nicht wenigstens ein einziges Mal weiterdenken? Ihr müsst dieses kleine Grüppchen Bürger und Politiker heftig kritisieren! Wenn es um den Moscheenbau geht, seid ihr doch auch nicht so zimperlich. Hätte dasselbe besorgte Grüppchen besorgter Bürger und Politiker per Megafon erklärt, daß hierzulande niemand berufen ist, Moscheen zu bauen, der in seinem eigenen Land den Bau von Kirchen untersagt – euer ZEIT-Furor wäre diesen nazimäßigen Rechtspopulisten sicher gewesen! Was ist denn los? Versagt hier euer demokratischer Jagdinstinkt? Es handelt sich doch der Logik nach um dieselbe Denkfigur!

Zitat: „An der Eingangstür des Festsaals kleben weitere Plakate – darauf ein schwarz-weißes Foto des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und der Hashtag „#freedeniz“. Wegen der Inhaftierung des „Welt“-Korrespondenten sind die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei derzeit besonders angespannt.“ – Zitatende.

“Etwas Besseres als Deutschland findet man überall.” Das ist ein Zitat des Deutschen oder Türken Deniz Yücel. Wie kann man sich nur darüber aufregen, daß er es jetzt gefunden hat? In der Türkei gibt es keinen Thilo Sarrazin, den er am liebsten umbringen wollen könnte. Das entbindet ihn von der Versuchung, straffällig zu werden. Es ist gut, daß Deniz Yücel in der Türkei ist. Was er dort macht, muß uns nicht interessieren. Vielleicht darf er ja dem türkischen Justizminister bald dabei helfen, einen besseren Festsaal als den in Gaggenau zu finden. Alles in Butter, liebe ZEIT! Ihr sollt nicht immer Probleme herbeischreiben, die gar keine sind. Vor allem solltet ihr endlich die Türken ernstnehmen. Nichts zu danken – der liebe Max.

Foto: Collage

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