Aschermittwoch! Aschermittwoch?

Ein verbitterter Karnevalist schreibt über das Ende der Toleranz:

Heute ist Aschermittwoch. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Normalerweise bedeutet der Aschermittwoch auch das Ende des Karnevals und den Beginn der Fastenzeit. Aber in diesem Jahr wurde der unbeschwerte, beschwingte, fröhliche und Seitenhiebe verteilende Karneval schon am Freitag vor Fastnachtsonntag zu Grabe getragen. Und dafür gibt es keine Entschuldigung! Karneval ist uns heilig. Und nur Ignoranten und Fremdlinge meinen, Karneval habe etwas mit Alkohol zu tun.

Ein ebenso weit verbreitetes Vorurteil ist, im Rheinland sei „das ganze Jahr Karneval“. Quatsch! Konrad Adenauer war Karnevalist – und, wie die Geschichte lehrt – ein höchst ernstzunehmender Staatsmann. In aller Bescheidenheit: Auch ich bin Karnevalist, aber meine Kommentare sind selten lustig, weil das Zeitgeschehen eben nicht lustig ist.

Von Peter Helmes 

Warum das breite Vorwort?

Die Verblödung der Gesellschaft nimmt so stark zu, daß sogar zum Blödeln verpflichtete Büttenredner jedes Maß verloren haben. „Karneval“ – das waren eigentlich Tage der Fröhlichkeit, der Unbekümmertheit und der Verkleidung, ein alter germanischer Brauch. Durch die französische Besatzung kam noch eine Komponente hinzu: An Karneval war es den Bürgern erlaubt, mit den „Oberen“ Tacheles zu reden, ihnen einen Spiegel vorzuhalten und sie zu kritisieren – straffrei.

Aber das alles lief mit Anstand ab. Heute, da niemand mehr zu wissen scheint, was Anstand ist, wird Kritisieren ersetzt durch hirnloses Polemisieren, es wird brutal gepoltert statt mit dem Florett des geschliffenen Geistes zu kämpfen.

Es siegte der geistlose Zeitgeist, die Inkarnation des Neuen Menschen, und gab den Blick frei auf die neue gleichgeschaltete Gesellschaft. „variatio delectat“? Mitnichten! In diesem Jahr wirkten die Reden wie von einem Lehrer inhaltlich vorgegebene Aufsätze oder Gedichte – ohne jede Variation. Nicht einer fiel aus der Rolle, alle waren politisch korrekt – das definitive Aus für den Urkarneval!

Trauriger „Höhepunkt“ der diesjährigen Fastnachtsveranstaltungen waren die Sitzung „Mainz, wie es singt und lacht“ sowie die Rosenmontagszüge in Düsseldorf und Mainz – Tiefpunkte rheinischen Frohsinns. Beleidigung schien den Karnevalisten das höchste geistige Niveau – auf unterirdischem Niveau, wie das Folgende zeigt:

Mainz, wie es stinkt und kracht!

Ein Redner versicherte: „Die AfD ist die Bremsspur in der Unterhose Deutschlands” und fluchte, einmal in Sportpalaststimmung gekommen, über die „braunen populistischen Kanalratten”. Ein anderer, Lars Reichow, drohte: „In dem Europa, was wir uns wünschen, habt ihr keinen Platz. Packt Eure Koffer, ihr Geschichtsfälscher, ihr Kleingartenfaschisten, und macht euch auf die Reise.”

Das ist Pogromverdächtig und riecht nach Volksverhetzung. In einem Rechtsstaat würde jetzt zumindest wegen des Anfangsverdachtes der Volksverhetzung ermittelt. In dem ‘BRD’-Staat hingegen ist mit einer Belobigung des möglichen Straftäters zu rechnen. Aber wir können sicher sein, daß sich hierzu kein Staatsanwalt bereitfinden wird; es geht ja schließlich „gegen rechts“ – und das ist gut so…

„Die Mainzer Narren reden Klartext“ schrieb denn auch die Mainzer Zeitung und jubelte: „Der Saal dankt mit donnernden Ovationen dem Narren für die klaren Worte”.

Das beflügelte den (bisherigen) Mainzer Oberfastnachter Hans-Peter Betz, alias Guddi Gutenberg, noch einen draufzusetzen. Diese Güteklasse hatte bei ihm Tradition, so z. B.: „Frau von Storch ist Europaabgeordnete und fordert den Schusswaffeneinsatz an der deutschen Grenze gegen Flüchtlinge. Ich habe selten eine Adelige gesehen, bei der innere Niedertracht und äußere Hässlichkeit so erstaunlich harmonieren.“

Man solle sich nicht „durch den Dreck ziehen lassen“, sagt Lars Reichow, „nicht von der ranzigen Faschistenbraut Marine Le Pen und nicht vom verwesten Säugling Geert Wilders und auch nicht von der verwelkten Kräuterhexe Frauke Petry“.

„Nicht durch den Dreck ziehen lassen“? Das gilt wohl nicht für den feinen Herrn Reichow selbst. Kostprobe: „Selbst gewähltes Pech hatten auch unsere Nachbarn in Polen – ich weiß nicht, was die vorher genommen hatten, Wodka umsonst in der Wahlkabine oder was – jetzt sind sie aufgewacht mit einer Regierung, angeführt von der nationalkonservativen PiS-Partei, die Abgeordneten nennen sich vermutlich PiSser. Der mächtigste Mann in Polen ist Jaroslaw Kaczynski, ein eineiiger Zwilling – das andere Ei ist vor ein paar Jahren abgestürzt.“

Die diesjährigen Karnevalsveranstaltungen in den Hochburgen Düsseldorf und Mainz schienen nur zwei Themen zu kennen: AfD und Trump. Da konnten sich alle so richtig abarbeiten – und merkten nicht, wie armselig die Darbietungen waren. Geistiger Dünnschiß – unter tobendem Applaus eines tumben Publikums.

Der Präsident der USA wird auf unglaubliche Weise verhöhnt: Trump als Papp-Arschgesicht mit Blondhaar oder Wagen: „Arsch mit Ohren” als Donald Trump – der auch als lächerlich torkelnder faselnder Dummkopf dargestellt wurde, einem Affen ähnlicher als einem Menschen!

Völlig aus der Rolle fiel im Rosenmontagszug von Düsseldorf ein Motivwagen, auf dem die Freiheitsstatue den abgetrennten Kopf Donald Trumps hält. Auf einem anderen Motivwagen sah man eine Darstellung des US-Staatsoberhaupts, wie er versucht, die New Yorker Freiheitsstatue zu vergewaltigen. Das war allerunterstes Niveau und wäre nicht einmal im Iran oder einem radikalislamischen Land vorstellbar.

„Ein marxistisches System erkennt man daran, daß es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert” (Alexander Issajewitsch Solschenizyn)

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Offener Brief an den US-amerikanischen Botschafter in Berlin

Die Schriftstellerin Koppehele packte das Entsetzen ob dieser Beleidigungen. Sie schrieb:

Sehr geehrter Herr Botschafter von Amerika !

Nicht nur ich als deutsche Staatsbürgerin, sondern auch alle in meinem Freundeskreis und in der AfD Hamburg schämen sich, dass der frei von Millionen Amerikanern gewählte Präsident Trump auf so gemeine, dummdreiste und frech-unverschämte Weise durch den “Dreck gezogen wird”. – Das hat mit karnevalistischem Humor nichts mehr zu tun!! – Das verletzt auf eklatante Weise die Würde des Menschen und in diesem Fall auch die Ehre Amerikas!

Dafür entschuldigen sich alle aufrechten Menschen und Christen in Deutschland!

Es würde uns freuen, wenn Sie Strafanzeige erstatten, wie Erdogan es im Fall Böhmermann getan hat. Das würde in Deutschland “Wellen schlagen” und öffentlich zumindest kontrovers diskutiert werden, was viele Menschen zum Nachdenken bringen könnte, die es, von den Medien verdummt, weitgehend verlernt haben. – Von dem infernalischen Hass und der Hetze gegen meine Partei, die “Alternative für Deutschland”, ganz zu schweigen.

Wir sind sprachlos.., welchen moralischen Tiefstand Deutschland unter dem Einfluss von Rot/Grün erreicht hat!

Aus deren Mund kommen unsägliche Sätze wie: “Deutschland, verrecke!” – Sie hassen nicht nur Amerika und Präsident Trump, sondern auch ihr eigenes Land!

Gott segne Amerika und seinen Präsidenten!

Respektvolle Grüße !

Christel Koppehele, Schriftstellerin, Mitglied der AfD

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Und Karin Zimmermann ergänzt:

Ich schließe mich Frau Koppehele an:

Wie tief kann ein Mensch sinken, um andere Menschen in der Art und Weise zu erniedrigen, wie das hier erfolgt ist. Was fast noch schlimmer ist, ist der frenetische Jubel des Publikums zu derartigen Entgleisungen. Was nun zwanghaft kommen muss ist der Hass der so aufgestachelten Menschen und unmittelbar damit einhergehende Übergriffe der Gewalt.

Ja, ich schäme mich über die Primitivlinge, denen jedes Gefühl von Anstand abhanden gekommen ist, um nicht nur den Präsidenten unseres wichtigsten Verbündeten zu beleidigen, sondern auch die AfD, für die ich mich einsetze.

Pfui und nochmals pfui – ein Gefühl des Ekels überkommt mich beim Nennen der Stadt Mainz!

Mit freundlichen Grüßen, Karin Zimmermann

Dem ist nichts hinzuzufügen! Der Karneval 2017 hat den Geist aufgegeben. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – dieses eiserne Gesetz hat ausgedient. Adieu rheinischer Karneval!

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*) Der Autor Peter Helmes ist durch und durch Karnevalist. Das virus carnevalis wurde ihm buchstäblich schon mit der Muttermilch eingegeben. „Meine Mutter war vor 100 Jahren Mitbegründerin des „Damenkomitees Mokkakännchen“ – vulgo „Die Möhnen“ – und dessen erste Präsidentin, was im Rheinland einer Erhebung in den Adelsstand gleicht. Mein Vater war ein halbes Leben lang Mitglied des „Elferrates“, mein Bruder – trotz seines Priesterberufes – war begeisternder Büttenredner, dem ich nie nachstehen wollte“, schreibt conservo, der auch einmal Karnevalsprinz war. „Trotz ihres hohen Alters feierten meine Eltern noch im Alter von 80 Jahren „drei Tage durch. Karneval ist unsere Leidenschaft – und gerade deshalb leiden wir unter der Verrohung dieser christlichen und urbürgerlichen Sitte“ (conservo). Will heißen: „Rettet den ursprünglichen, ideologiefreien Karneval!“
www.conservo.wordpress.com  

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