Mathias Döpfner – Der Heuchler

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Die Welt - Medienkritik (Foto: Collage)

Von Thomas Böhm

Bekanntlich gibt es in Deutschland kaum noch unabhängigen Journalismus. Zu sehr sind die Verleger und Chefredakteure – ganz besonders die Protagonisten des Axel-Springer-Verlages, mit dem politischen Establishment, mit der Bundesregierung und den ihnen zu Füßen liegenden Oppositionsparteien im Bundestag verbandelt.

Wenn ein Journalist in Deutschland Systemkritik übt, wird er ausgestoßen, wird versucht, seine Existenz zu vernichten. Wenn Journalisten davor warnen, dass wir hier bald türkische (islamische) Verhältnisse haben, werden sie geteert und gefedert aus den großen Redaktionen vertrieben. Nicolaus Fest und David Berger sind nur zwei Beispiele.

Gut, in Deutschland landet kein kritischer Journalist im Knast. Noch nicht. Dafür wird wirtschaftlich Druck ausgeübt – auch von den etablierten Medien, die Fake News verbreiten, um ihresgleichen zu schützen. Die Gegenöffentlichkeit, die sich in den sozialen Netzen breit macht und immer einflussreicher ist, wird als lästige Konkurrenz betrachtet und entsprechend zum Abschuß freigegeben.

So ist der neue Aufsatz von Mathias Döpfner, der sich mit dem Fall Deniz Yücel beschäftigt zwar lobenswert, weil sich hier ein Arbeitgeber hinter seinen Angestellten stellt, aber leider auch heuchlerisch, weil er freie Presse und Systemkritik nur für Journalisten, die im Ausland arbeiten, deklariert:

Gedankenfreiheit, Kunstfreiheit und Pressefreiheit sind hoffentlich unbequem. Aber: Die Demokratien der Mitte, die den Schutz dieser Freiheiten als konstituierende und also unter allen Umständen schützenswerte Elemente ihres Systems begreifen, sind weltweit geschwächt, matt, zum Teil taumelnd. Sogenannte Populisten, Kaum-Demokraten und Diktatoren sind dagegen im globalen Angriffsmodus und stürmen von Erfolg zu Erfolg – die Verachtung und Einschränkung intellektueller Freiheiten ist dabei ein Muster. Vor allem als Mechanismus der Einschüchterung.

Orban erließ in Ungarn ein neues Mediengesetz, drangsaliert Journalisten und renationalisiert die zeitgenössische Kunst- und Museumslandschaft. Jarosław Kaczyński lässt in Polen missliebige Journalisten im Fernsehen auswechseln und Auguren fürchten eine Änderung des polnischen Mediengesetzes quasi nach russischem Vorbild. Dort ließ Putin Anfang 2016 ein Gesetz in Kraft treten, das ausländischen Verlagen Beteiligungen an Medienunternehmen von über 20 Prozent rückwirkend verbot. De facto eine Enteignung. Machtgesten auch in der Kunst: angelegentlich der Manifesta in St. Petersburg wurden 2014 einige allzu provokative Arbeiten des Fotografen Wolfgang Tillmans nicht ausgestellt, weil klar war, dass sie sonst abgehängt werden würden.

China hat damit beste Erfahrungen gemacht: je grotesker die Demütigungen des Künstlers Ai Weiwei und je größer die internationale Empörung, desto besser. Berichterstattung in China gibt es darüber nur in Form von Propaganda, da Medien erstens staatlich und zweitens stringent zensiert sind. Aber nicht nur in der größten Diktatur, sondern auch in der einflussreichsten Demokratie der Welt hat der kritische Journalismus Gegner an höchster Stelle. Donald Trump hat „den Medien“ nicht nur pauschal den Krieg erklärt, sondern auch gleich das traditionelle Korrespondenten-dinner mit dem Präsidenten abgesagt. Da wundert es nicht, dass auch der Präsident der Türkei die Einschüchterung kritischer Journalisten zum systematischen Mittel seines Regierungsstils erhoben hat. Der jüngste Fall: „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel wurde der „Propaganda für eine terroristische Vereinigung“ und der „Aufwiegelung der Bevölkerung“ beschuldigt und in Polizeigewahrsam genommen. Am Montag beantragte ein Staatsanwalt Untersuchungshaft für Yücel, am Abend entschied ein Haftrichter Yücel in Untersuchungshaft zu stecken…

https://www.welt.de/politik/ausland/article162438685/WIR-SIND-DENIZ.html

Natürlich hat Döpfner Recht, wenn er dem Islamfaschisten Erdogan aus sicherer Entfernung ans Bein pinkelt, aber schon beim Beispiel Trump vergisst er, dass auch Obama selektiv mit den Medien umgesprungen ist. Hier offenbart sich die schlechte, weil ideologisch geprägte, Arbeit der Springer-Leute.

Ganz besonders unappetitlich ist dann auch sein Fazit:

…Wir kämpfen mit unerschrockener Recherche, präzisen Fakten und klugen Gedanken. Unter anderem dafür, dass Kunst und Medien frei sind. Denn da wo man Gedanken nur deshalb die Freiheit nimmt, weil sie einem nicht gefallen, tut man das früher oder später auch mit den Menschen. Wie die Entscheidung des Haftrichters zeigt.

https://www.welt.de/politik/ausland/article162438685/WIR-SIND-DENIZ.html

Das sagt ausgerechnet jemand, der mit der „Welt“ ein Presseorgan besitzt, dass im Auftrag der Bundesregierung die Leser/ Wähler manipuliert (alles Böse kommt von rechts und natürlich von den Islamkritikern).

Merke: Wenn jemand wie Döpfner von unerschrockener Recherche, präzisen Fakten und klugen Gedanken faselt, meint er nur SEINE unerschrockenen Recherchen, präzisen Fakten und klugen Gedanken. Alles aber, was nicht in dieses Schema passt, wird abgelehnt, wenn nicht sogar medial bekämpft.

Letzte Frage: Wie viele AfD-Unterstützer arbeiten – noch -im Springer-Verlag, Herr Döpfner?

 

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