Jürgen Stark: Menschen rennen um ihr Leben: dpa rennt kopflos mit….

Jeden Tag werden wir Leser in den Nachrichten mit Schnipseln und Häppchen aus aller Welt versorgt. Federführend für Fingerfood mit leichtem Geschmacksverstärker ist da die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit Sitz in Hamburg und einer Zentralredaktion in Berlin. Die dpa hat ca. 700 Beschäftigte und macht pro Jahr etwa 90,7 Millionen Euro Umsatz mit der Ware „Nachricht“. Sie lebt von Deals mit allen möglichen Blättern und Kleinstblättchen, die die kalte Ware aus aller Welt zum Pauschalpreis ins Haus bekommen und diesen Einheitsbrei mit redaktionellem Mäntelchen servieren. Etwas Layout drumherum, eine dicke Überschrift, daneben bunte Anzeigen für Viagra, Pfefferspray oder die LIDL-Aktionswochen – und schon sieht die matte Presswurst nach einem Hauch von internationaler Feinkost aus.

Von Jürgen Stark

Am Montag dieser Woche war es wieder soweit. Über ein Korrespondentenbüro in Kairo meldet dpa etwas über Morde, Menschen, die fliehen und Maßnahmen, die Minister irgendwo am Nil ergreifen sollen. Das sieht dann von Flensburg bis Passau laut dpa so aus: „Nach wiederholten Morden an ägyptischen Christen im Norden der Sinai-Halbinsel fliehen Familien der religiösen Minderheit aus dem Gebiet. In der Stadt Ismaila am Suezkanal seien 200 Menschen aus der Provinzhauptstadt Al-Arisch eingetroffen, berichtete das Staatsfernsehen. Weitere Familien würden erwartet. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi wies seine Minister am Samstag an, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Geflüchteten zu helfen.“

Eine religiöse Minderheit. Kennt jeder. Scientology oder Falun Gong, Minderheiten sind keine Mehrheiten, müssen eben sehen wie sie klar kommen. Irgendjemand macht da Menschenjagd, ermordet immer wieder Minderheitenmitglieder, also trifft das nicht die Mehrheit, die offenbar davon verschont bleibt. Wer da an dieser Minderheit rummacht, warum und wofür, hat dem dpa-Büro leider niemand gesagt, auch nicht das Staatsfernsehen vor welchem der örtliche Reporter wohl mit Falafel in der Hand und praktischem Bademantel als Arbeitsanzug sitzt und schmatzend recherchiert. 200 Minderheitler sind bereits angekommen, geflüchtet vor geisterhaft Mordenden, weitere werden erwartet. Jaja, überall wird was erwartet, auch in den hiesigen Tageszeitungen von den Chefköchen, die sowas aufbruzzeln, leicht aufwärmen, aber die karge Kost möglichst nicht zu scharf servieren.

Wer das liest, wird zwar nicht satt, hat aber das Gefühl einen kleinen Happen hinter sich gebracht zu haben. Ägyptische Christen – was ist das denn? Sind das richtige Christen? Halbe Christen? Eindringlinge, die da auch gar nicht hingehören? Den Geflüchteten wird geholfen. Dann ist ja gut. Ist ja auf der ganzen Welt so. Irgendjemand flüchtet und dann wird ihm geholfen. Kennen wir hier aus Deutschland doch ganz gut. Vielleicht sind da bei unseren Geflüchteten, von denen auch noch mehr erwartet werden, auch solche Ägyptochristen dabei, solche Suezminderheitsreligiösen, können dann hier mit anderen Minder- und Mehrheitlern, die wir ungetrennt zu uns lassen, zusammen Coca Cola trinken. Und Tageszeitung lesen. Steht überall dasselbe drin. Einer mordet, einer flieht, dpa weiss auch nicht warum….

HINTERGRÜNDE ZUM DPA-THEMA (die sie garantiert in keiner deutschen Zeitung finden)

Das uralte Kulturland Ägypten war einst die Domäne großer polytheistischer Religionen, Zentrum des Mittelmeerraums. Es herrschten Pharaonen und hier war die Wiege dessen, was später Götterkulte, Gottglaube und Gottesbilder ausmachten. Der Menschheit bekam der Übergang von dort in die monotheistischen Religionen allerdings nicht sehr gut, im Namen des EINEN GOTTES herrscht seither Krieg, Krieg, Krieg und gelegentlich mal Frieden, wenn sich die eine Religion mal durchgesetzt und die anderen besiegt hat. Oder wenn alle vom Glauben abfallen und sich zu Tode tolerieren. Oder einen Ersatzglauben annehmen, der dann mal Realsozialismus oder Nationalsozialismus heißt, also primitiver Fetisch für Gläubisten ist (was dann aber auch wieder zum Krieg führt). Ägypten verlor jedenfalls nach glorreichen 3000 Jahren seinen Status, seine dominierende Kultur und blieb dennoch ein Ort der Religion, verschiedener Religionen, verschiedener Minderheiten, die stets nach der Mehrheit streben. Leider.

3000 Jahre lang herrschten in Ägypten Mythologie und diverse Götter, vom Islam war da nirgends was in Sicht, denn der Kaufmann aus dem Orient namens Mohammed erschien bekanntlich erst etliche Jahrhunderte später auf der Landkarte, auch sehr viel später als das Judentum oder die Christen. Dennoch stellt der Islam historisch und weltweit immer wieder klar, dass er sich als führende Kraft, als politische Macht und als zentrale Instanz oberhalb aller anderen sieht – was ihn immer schon zu Gewalt, Terror und Barbarei ermutigte, von den eigenen Predigern dazu aufgehetzt, aufgefordert und legitimiert.

Die Stadt Ismailia am Suezkanal ist dafür ein ganz besonderes Beispiel – für die Intoleranz und massive Aggression fanatischer Muslime. Am Anfang war der Ort eine Wohnstadt der Kanalarbeiter, der Ingenieure und Beamten, verbunden mit dem legendären Bau des Suezkanals. Hier lebten Menschen aus Frankreich, Großbritannien oder Griechenland. Die Bevölkerungszahlen schwankten stark, unterschiedliche Kulturen siedelten hier. 1916 gründete Abdul-Baha hier im Umfeld der Stadt ein Bahai’i-Zentrum, Zentrum einer Religion, die als besonders tolerant gilt und für ein friedliches Miteinander ALLER Religionen wirbt. Doch schon 1928 folgte hier ein lupenreiner Verfechter eines erneuerten Islamofaschismus, ein Bruder im Geiste des deutschen Führers Adolf Hitler, der Grundschullehrer Hasan al-Banna. Er gründete die berüchtigten Muslimbrüder, denen wir muslimischen Terror bis ins 21. Jahrhundert hinein verdanken, der Vorkämpfer für ein Weltkalifat war und insofern politische Tyrannen und Terrorgruppen von Al-Kaida über den IS bis zu Erdogan zutiefst inspirierte. Die Muslimbrüder verhinderten in Ismalia die Ausbreitung der Baha’i, vertrieben die Briten, begannen den Aufbau Palästinas als muslimische Bastion gegen den Westen und später gegen die Juden.

Es steckt insofern ein kleiner Hauch von Ironie in dieser arglosen kleinen dpa-Meldung, denn Ägypten wurden vor gar nicht langer Zeit von den Muslimbrüdern politisch erobert, flankiert von brennenden Kirchen und auf dem Wege zu einem finsteren Staat á la Iran oder – demnächst – Türkei. Aufgehalten bzw. gestoppt von jener Militärregierung, dessen oberster  Präsident Abdel Fattah al-Sisi seine Minister nun anwies, den verfolgten Christen Unterstützung zu geben. Es zeigt sich hierbei, dass diese Regierung, die geschmäht wurde von dem ach so toleranten Westen, vor allem auch von einem halbgaren Außendienstler namens Steinmeier, die beschimpft wurde weil man die gewählten Religionsfaschisten aus der Macht vertrieb, dass diese selbst in halber Ohnmacht noch immer das tun, was ihr oberstes Credo ist: Andere unterdrücken, massakrieren, Christen und Jugend verfolgen und töten. Am Ort der Gründung der faschistischen Muslimbrüder fliehen im Jahre 2017 hunderte von Christen, rennen Frauen mit Kindern um ihr Leben, und es werden vermutlich noch hunderte folgen. Auf der Flucht vor einer faschistischen Todessekte namens Islam bzw. MUSLIMBRÜDER! Aber das erwähnt der gemeine deutsche Journalist heutzutage nicht mehr. Denn das alles hat NICHTS mit NICHTS zu tun und NICHTS gehört zu Deutschland, wo jeder nur auf der Durchreise ist und von der Kanzlerin durchgewunken wird – Angela Merkel, die religionspolitische Verkehrspolizistin an der Macht, alles oder NICHTS……

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