Eine Anmerkung zum Fall Deniz Yücel

Es ist gegenwärtig unmöglich, eine der bedeutenderen Gazetten zu öffnen oder das Staats-Fernsehen einzuschalten, ohne mit der tiefen Besorgnis vom Medien und Politik über das Schicksal des deutsch-türkischen WELT-Korrespondenten Deniz Yücel konfrontiert zu werden, der seit einigen Wochen in den Kerkern des neoosmanischen Sultans schmachtet.

Unter diesen Umständen mutet es etwas eigenartig an, folgenden Erguss zu lesen, den Yücel im Jahre 2013 im Rahmen einer Kolumne veröffentlicht hat, die er damals bei „taz“ unterhielt:

„Endlich! Super! Wunderbar! Was im vergangenen Jahr noch als Gerücht die Runde machte, ist nun wissenschaftlich (so mit Zahlen und Daten) und amtlich (so mit Stempel und Siegel) erwiesen: Deutschland schafft sich ab!

Nur 16,5 Prozent der 81 Millionen Deutschen, so hat das Statistische Bundesamt ermittelt, sind unter 18 Jahre alt, nirgends in Europa ist der Anteil der Minderjährigen derart niedrig. Auf je 1.000 Einwohner kommen nur noch 8,3 Geburten – auch das der geringste Wert in Europa.

Besonders erfreulich: Die Einwanderer, die jahrelang die Geburtenziffern künstlich hochgehalten haben, verweigern sich nicht länger der Integration [sic …aber: was meint er ?] und leisten ihren (freilich noch steigerungsfähigen) Beitrag zum Deutschensterben.

  …. Woran Sir Arthur Harris, Henry Morgenthau und Ilja Ehrenburg gescheitert sind, wovon George Grosz, Marlene Dietrich und Hans Krankl geträumt haben, übernehmen die Deutschen nun also selbst, weshalb man sich auch darauf verlassen kann, dass es wirklich passiert. Denn halbe Sachen waren nie deutsche Sachen („totaler Krieg“, „Vollkornbrot“); wegen ihrer Gründlichkeit werden die Deutschen in aller Welt ein wenig bewundert und noch mehr gefürchtet.

 …. Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite.  Eine Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen Namen und Gesicht verliehen und, wie Wolfgang Pohrt einmal schrieb, den Krieg zum Sachwalter und Vollstrecker der Menschlichkeit gemacht zu haben; eine Nation, die seit jeher mit grenzenlosem Selbstmitleid, penetranter Besserwisserei und ewiger schlechter Laune auffällt; eine Nation, die Dutzende Ausdrücke für das Wort „meckern“ kennt, für alles Erotische sich aber anderer Leute Wörter borgen muss, weil die eigene Sprache nur verklemmtes, grobes oder klinisches Vokabular zu bieten hat, diese freudlose Nation also kann gerne dahinscheiden.

 …. Nun, da das Ende Deutschlands ausgemachte Sache ist, stellt sich die Frage, was mit dem Raum ohne Volk anzufangen ist, der bald in der Mitte Europas entstehen wird: Zwischen Polen und Frankreich aufteilen? Parzellieren und auf eBay versteigern? Palästinensern, Tuvaluern, Kabylen und anderen Bedürftigen schenken? [Hatte Yücel 2009 ein magische Glaskugel ?] Zu einem Naherholungsgebiet verwildern lassen? Oder lieber in einen Rübenacker verwandeln?  In der Mitte Europas entsteht bald ein Raum ohne Volk. Schade ist das aber nicht. Denn mit den Deutschen gehen Dinge verloren, die keiner vermissen wird.

Egal. Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal.“

 (Anmerkung: Um nicht auszuufern, gebe ich nur Teile des Gesamt-Opus wieder; in der Vollfassung finden sich noch weitere „Schmankerln“ der hier wiedergegebenen Art.)

In die gleiche Kategorie gehört die seitens Yücel in seiner Kolumne „Der Ausländer-schutzbeauftragte“ geäußerte Meinung, dass man dem (teilweise im Gesicht gelähmten) Thilo Sarrazin „nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten“.

 Yücel besitzt, wie bereits, erwähnt, sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit, scheint aber, wenn man sich an den obigen Sätzen orientiert, eine Art Neuauflage der Geschichte von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ des schottischen Schriftstellers R. L. Stevenson zu sein, wobei im innerem Herzen des neuen „Mr Hyde“ die Deutschland-Verachtung offenbar deutlich die Oberhand hat.

Wäre es, in Anbetracht dieser Sympathien-Verortung, nicht die beste Lösung, wenn besagter osmanischer Sultan Deniz Yücel in dem Land behielte, für welches ganz offensichtlich sein Herz schlägt? Was wollte er denn, bei Licht besehen, in einem Land, das sich sowieso abschafft und demnächst in einen Rübenacker verwandelt werden wird, und wo gezwungen ist, von Dingen umgeben zu sein, die im Grunde niemand vermissen wird?

Es gibt in Deutschland genügend autochthone Deutsche, deren sehnlichster Wunsch die Auslöschung dieses Landes (und von allem wofür es steht) ist – brauchen wir eigentlich noch weitere dieser Sinnesart mit fremdländischen Wurzeln und „mit dem Dolch im Gewande“?

Was gegenwärtig Herrn Yücel zustößt, scheint ein lehrreiches Beispiel für ein Phänomen zu sein, das die angelsächsische Sprache mit dem Begriff „poetic justice“ bezeichnet.

Quo usque Tandem

Foto: Autor

 

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