Jürgen Stark: Halt’s Maul, Du Opfer…! – Bayerntrainer Ancelotti muss „Strafspende“ zahlen

Die Medien unserer Tage neigen inzwischen dazu, entweder Richter oder Zeugen der Anklage zu sein. Jene fernen Tage, als noch das journalistische Ethos des Tagesthemenmoderators Hanns Joachim Friedrichs bis in die letzte Journalistenschule hinein galt, sind schon lange vorüber: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“ Inzwischen sind Journalisten in überwältigender Mehrheit entweder fiese Scharfrichter oder milde lächelnde Bewährungshelfer, ein ganzes Land im offenen Vollzug. Dabei kann es wirklich jeden treffen, der gegen die immer engmaschigeren staatlichen Regularien verstößt. Auch Promis.

Von Jürgen Stark

„Das Ermittlungsverfahren des DFB gegen Carlo Ancelotti ist eingestellt. Der Coach des FC Bayern muss für seinen Mittelfinger eine Spende leisten. Sein Verein akzeptiert die Strafe, lässt aber durchklingen: Völlig einverstanden ist er nicht… 

Nach seiner Mittelfinger-Geste von Berlin ist Carlo Ancelotti mit einer kleinen Geldbuße davongekommen. Wie der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mitteilte, ist das Ermittlungsverfahren gegen Ancelotti mit Zustimmung des DFB-Sportgerichts eingestellt. Damit verbunden sei jedoch die Auflage, 5000 Euro an die Sepp-Herberger-Stiftung zu spenden.“ (n-tv.de, 21. Februar 2017)

 Egal, wo man jetzt hinein blickt, ob in die Portale des Netzes oder in die klassische Tageszeitung, überall kommentieren brave Untertanen für brave Untertanen. Was war geschehen? Beim Bundesligaspiel des FC Bayern München gegen Hertha BSC kam es zu unschönen, unsportlichen Szenen, die sich in den Fussballstadien derzeit anhäufen. Die Berliner Hertha-Fans waren stinksauer wegen eines Last-Minute-Ausgleichstores und bespuckten (!) und beschimpften den Coach der Bayern auf dessen Weg in die Katakomben. Wer sich die Zeilen der Kommentatoren von der Bild bis zu n-tv.de ansieht, dem fällt bei genauerem Hinsehen auf, dass die berechtigte Kritik an obrigkeitsstaatlichem Unrecht nicht mehr existiert. Es darf gemosert und gemeckert werden, aber Ursache, Wirkung und Hintergrund sind für Journalisten kein Thema mehr. Wer eine Spende leisten MUSS, der erhält eine STRAFE, was einer VERURTEILUNG gleich kommt, liebe Medienkollegen, ein FREISPRUCH sieht anders aus! Wer dann aber auch noch schreibt, Ancelotti sei „mit einer kleinen Geldbuße davongekommen“, der akzeptiert UNRECHT und umarmt diese hinterfotzige Unrechtsprechung!

Wenn dir einer auf den Kopf rotzt …

Ancelotti hatte nach seiner Verfehlung großen Zuspruch erhalten. ‚Ich würde nicht den Stab über ihn brechen wollen‘, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Liga-Rivale Borussia Dortmund im ZDF. ‚Man sollte es idealerweise nicht machen. Aber es gibt Situationen, da hast du die einfach die Schnauze mal voll. Aber wenn dir einer auf den Kopf rotzt, findest du es auch nicht so spannend.'“ (n-tv.de, ebenda)

Eigentlich überdeutlich und zum Greifen nah ist hier das allgemeine Unbehagen und der gesunde Menschenverstand, sprich die nachvollziehbare Empörung über eine Strafe, die angeblich keine sein soll, aber doch eine ist, weil man hier eigentlich gar nicht hätte bestrafen dürfen. Es ist ganz einfach: Ancelotti wird angerotzt und unter anderem via Spucke an Kopf und Gesicht auch der Gefahr einer Ansteckung durch Keime oder Bazillen ausgesetzt, möglicherweise musste er hinterher Hemd, Krawatte und Jacke in die Reinigung geben – er ist also in klarstem juristischen Sinne ein Geschädigter, ein Angegriffener, ein Opfer. Und? Merken Sie was? Was hat Ancelotti angesichts dieser Bösartigkeiten gegen seine Person getan? Er hat böse geguckt, etwas geschimpft und eine simple, lächerliche und wirkungslose Handgeste an seine Angreifer gerichtet! Merken Sie jetzt etwas…?!!!!

Dieses ist ein Paradebeispiel für unseren parteilichen Gesinnungsstaat mit einer politisch gelenkten, abhängigen Justiz, die stets und ständig einer eigenen Agenda folgt. Der Untertan hat kein Recht auf Gegenwehr, auf aktive Verteidigung, auf Wahrnehmung seiner Rechte durch aktiven Selbstschutz! Der Staat entscheidet, ob jemand sechsjährige Kleinkinder vergewaltigen darf und mit Bewährungsurteilen schulterklopfend auf die nächsten Opfer losgelassen wird. Der Staat entscheidet, ob jemand vierzigmal zu Bewährungs“strafen“ verurteilt wird, ein Gefährder der Sicherheit der Bevölkerung ist und weiter frei herum laufen darf. Wenn du aber, du dummer Untertan, mal zurück schlägst (und sei es mit dem „Stinkefinger“), kommt dir die volle Härte des Gesetzes entgegen – denn die unendliche Weisheit der Gesinnungsoberen in Staat, Parteien und Justiz entscheidet, wer hier was auf’s Maul bekommt und wer nicht! Und: Selbstjustiz geht gar nicht, das Primat der Politik bedeutet die vollständige Verzwergung seiner Bürgerinnen und Bürger im Nanny-Menschenpark!

Die endlosen Skandalurteile dieser Tage bezeugen, dass der lange Marsch durch die Institutionen der linksradikalen 68er ein echtes Unrechtsbewusstsein beseitigt und eine lakonische Art neuer Obrigkeitsstaatlichkeit geschaffen hat. Der deutschen Bevölkerung hat man gewissermaßen die völlige Wehrlosigkeit implantiert, eine permanente Kontrolle scheint wichtig, Widerstand darf es nicht geben. Deshalb muss jeglicher bürgerliche Eigensinn und jede Gegenwehr der dummen Untertanen schon im Keim erstickt werden. Urteile wie das gegen Ancelotti haben hohen Symbolcharakter in diesem Land, auch wenn es mit Ancelotti ausnahmsweise auch mal einen hier noch nicht so lange lebenden Ausländer trifft: Halt’s Maul, du Opfer – mit freundlichen Grüßen von Ihrer deutschen Gerichtsbarkeit!

http://www.n-tv.de/sport/fussball/Ancelotti-muss-zahlen-FC-Bayern-mosert-article19712380.html

http://mrtnh.de/das-objektivitaets-dogma-des-journalismus-was-wollte-hajo-friedrichs-wirklich-sagen/

 

 

 

 

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