Imad Karim: Freiheit für Uwe Ostertag!

Ich kenne Herrn Uwe Ostertag nicht (www.uwe-ostertag.de), aber ich habe von seiner Verhaftung und Verurteilung gelesen. Ich empfinde als jemand, der aus der Diktatur kommt und der hier, in diesem großartigen Deutschland, die Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft kennen lernen durfte, als eklatante Verletzung der Meinungsfreiheit.
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Bevor ich über „Uwe Ostertag“ schreibe, möchte ich Ihnen/Euch eine Geschichte aus meiner Jugend erzählen. Als ich noch in Beirut lebte, hatte ich einen Theaterdozenten, namens Hassan Ala Eldin (Künstlername „shou shou“). Er war ein bekannter Komiker im Libanon. 1974 führte er ein Theaterstück auf, in dem er sagte „ich habe ein paar Schuhe gekauft, modisch, فرنجية vollkommen, كامل und passend مصائب،
„Modisch“ hieß der libanesische Präsident in jener Zeit mit Nachname فرنجية .
„Vollkommen“ hieß der lib. Parlamentspräsident in jener Zeit mit Vorname كامل
und „passend“ hieß der lib. Ministerpräsident in jener Zeit mit Vorname صائب.
Der Komödiant und Uni-Professor wurde nach der Aufführung verhaftet und sollte wegen dieses Satzes ebenfalls für 22 Monate ins Gefängnis. Ich und viele andere haben für seine Freilassung demonstriert und es war uns gelungen, dass er freikommt. Das war wie bereits gesagt, 1974 in Beirut und ich war 16 Jahre alt. Ein Jahr später im April 1975 begann der Bürgerkrieg im Libanon. Herr Ala Edin starb im November desselben Kriegsjahres.
Das ist 42 Jahre her. Heute erlebe ich mit 59 Jahre ein Déjà-vu in Bezug auf Herrn Uwe Ostertag!
Der frühere Grenzoffizier in der DDR und spätere Schlosser Uwe Ostertag, 57, ist ein Frührentner, der auf Krücken läuft. Er machte von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch und veröffentlichte satirische Fotomontagen, die er mit dem Hinweis („In Satira by Uwe Ostertag“) ausdrücklich als SATIRE kennzeichnete. Das war für jeden sichtbar. Sogar selbst die vorgebliche „Fake-News-Aufklärungsstelle“ Mimikama erkannte seine Fotomontagen als Satire an. Uwe Ostertag wurde wegen seiner Fotomontagen vor Gericht wegen „Volksverhetzung“ zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Vor Gericht bestritt Ostertag keines der Vorwürfe, plädierte aber auf unschuldig. Seine Arbeiten seien Satire, schwarzer Humor. Er bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn als „Holocaust der Meinungsfreiheit“.
Das Gericht verurteilte Uwe Ostertag schlussendlich zu 22 Monaten Gefängnisstrafe ohne Bewährung wegen Volksverhetzung. Warum können andere Satiriker wie Böhmermann und co. ihre Satiren unter dem Schutz des Grundgesetzes veröffentlichen und Uwe Ostertag nicht? Also weil er nicht Böhmermann heißt, muss der schwer behinderte Rentner Uwe Ostertag ins Gefängnis, denn seine Netzsatire widerspricht der Gesinnungsethik der überall herrschenden politischen Korrektheit.
Ich bin mit 19 als Exilant zu Euch gekommen und ich lernte von Euch die Werte der Freiheit als Agnostiker zu vergöttern. Ich lernte und lerne seit fast 40 Jahren viel aus diesem freiesten Kulturkreis, den die Menschheit jemals kennen lernen durfte. Heute ist diese Freiheit bedroht und viele der heutigen Relativierer werden eines Tages feststellen, dass sie die Freiheit im Namen der Freiheit töteten.
Kurz nach meiner Ankunft in Deutschland und nach dem ich deutsch lesen und verstehen konnte, fiel mir ein Zitat des evangelischen Theologen Martin Niemöller auf. Ich habe es bis heute behalten.
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.
Freiheit für Uwe Ostertag!

Foto: Autor

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