VOM TREFFEN GETROFFEN

Schon wieder der SPIEGEL mit seinen Neuigkeiten. Wer traf wen und inwiefern ist nun von Getroffenen zu sprechen? Frauke Petry traf russische Politiker, darunter auch Schirinowski. Jetzt versucht der SPIEGEL, zu treffen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-frauke-petry-traf-sich-mit-wladimir-schirinowski-a-1135503.html

Von Max Erdinger

Zitat: “ AfD-Kontakte Petry traf sich mit Putin-Vertrauten – und Schirinowski. – AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry ist nach Moskau zu einem Treffen mit hochrangigen russischen Politikern gereist. Darunter war auch der radikale Rechtspopulist Wladimir Schirinowski.“ – Zitatende.

Wir lernen: Es gibt auch gänzlich unradikale Rechtspopulisten. So etwas im SPIEGEL zu lesen, ist schon interessant. Rechtspopulisten, die nicht radikal sind – wann hätte es das zuletzt im SPIEGEL gegeben? Man wird doch in Hamburg  nicht eine radikale Läuterungswelle gestartet haben?

Zitat: „Innerhalb der AfD wurde die Zusammenkunft Petrys mit dem exzentrischen Rechtspopulisten Schirinowski aufmerksam beobachtet. Schirinowski fällt immer wieder durch extreme Positionen auf: So hat er für Russland die Rückkehr zur Monarchie gefordert und den Abwurf russischer Atombomben über der US-Hauptstadt Washington. Im April 2016 wohnte er im Moskauer Zentrum der feierlichen Enthüllung seines eigenen Denkmals bei, die Bronzestatue ist drei Meter hoch. Die „Bild“-Zeitung hatte Schirinowski einst sogar als „Russen-Hitler“ bezeichnet.“ – Zitatende.

Möglicherweise befindet sich Frauke Petry einfach noch nicht in der protokollarischen Position, ihren Gastgebern vorschreiben zu dürfen, wer bei ihrem Besuch in Moskau außer sowieso und sowieso noch mit anwesend sein darf. Hat sie Schirinowski herzlich umarmt? Hat sie zuhause ein Poster von ihm über dem Bett hängen? Das wären die Fragen gewesen, die ein investigativer SPIEGEL früher noch hätte beantworten können. Früher hätte sich der SPIEGEL auch nicht dazu herabgelassen, die BILD-Zeitung in den Zeugenstand zu rufen.

Jedenfalls läuft der Artikel unter „AfD-Kontakte“. Ich müßte direkt einmal nachschauen, ob es auch die Rubrik „Grünen-Kontakte“ und „CDU-Kontakte“ gibt. Da müssten nämlich Geschichten zu finden sein von Leuten, die Leute getroffen haben, daß es einem die Zehennägel aufrollt. Renate Künast traf George Washington zum Beispiel. Wer sich sein Geschlecht selbst aussuchen darf, der darf sich nämlich auch aussuchen, mit wem er sich getroffen hat. Sogar dann, wenn George Washington eigentlich Abraham Lincoln heißt. (Künast hatte auf Twitter ein Selfie von sich vor der Statue Lincolns in Washington gepostet und dazu getextet, daß es sich um sie selbst und George Washington handle.) Claudia Roth hat sich sogar mit einem Großhenker im Iran getroffen. Treffen, troff, getroffen. Das Kopftuch, das sie dabei trug, durfte sie sich sogar selbst aussuchen. Weil iranische Großhenker eindeutig tolerantere Leute sind als radikale Rechtspopulisten in Russland. Schon sind wir bei der nächsten Frage, die der schlampig recherchierende SPIEGEL offenläßt: Trug Frauke Petry bei ihrem Treffen mit Schirinowski ein Kopftuch? Oder wenigstens eine Kalaschnikow? Wir wissen es nicht. Obwohl wir als SPIEGEL-Leser eigentlich mehr wissen sollten.

Wer hat noch wen getroffen? Angela Merkel den Recep Tayip Erdogan vielleicht? – Ja, schon. Aber das war in der Türkei und nicht in – igitt – Rußland. Das ist ein wichtiger Unterschied. Mit dem saudischen König hat sie sich auch schon getroffen, während – im Hintergrund ausgeblendet – irgendwelche Leute von anderen Leuten nicht getroffen,sondern geköpft wurden, die eindeutig keine radikalen Rechtspopulisten gewesen sind. Sodom und Gomorrha. Wer hat sich mit Ghadaffi getroffen damals? Wer mit Arafat? Und ist nicht sogar Saddam Hussein unter den zu Treffenden für deutsche Politiker gewesen? Wer trifft sch mit Jacob Zuma in Südafrika? Hat schon mal ein deutscher Politiker Robert Mugabe die Hand geschüttelt?

Siehste, SPIEGEL, du hast verschissen. Deine Neuigkeiten sind keine. Du ergehst dich nur noch in absichtsvollen Insinuationen der substanzlosen Empörung. Und selbst die kauft dir keiner mehr ab, dem klar ist, worüber du dich in der Vergangenheit nicht empört hast – oder  versucht hättest, Empörung zu generieren.
Schon sind wir beim Grundübel deiner ganzen Widerlichkeit: Sie besteht in deinem vollkommen charakterlosen Messen mit zweierlei Maß. Dem Heinerhofbauern sein Knecht hätte gesagt: „Ma mia sat amoi aufi foahrn auf Hamburg zu dene Saupreißn und an ganzen Dog lang die Saubande  beim SPIEGEL maulschellieren, die hinterfotzige.“

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.