Max Erdinger: Brisant – Des Spiegels Neuigkeiten

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Der "Spiegel" sucht Auswege (Foto: Collage)

Beim SPIEGEL, dem Blatt für den passionierten Mehrwisser (Slogan: „SPIEGEL-Leser wissen mehr“), fühlt man sich ganz erstaunlicherweise bemüßigt, die Mehrwissenden mit völlig unerwarteten Neuigkeiten zu Meistwissenden zu machen. Ein Mysterium wurde aufgeklärt: Welche Deutschen beurteilen die bisherige Präsidentschaft Donald Trumps wie?

http://www.spiegel.de/politik/updateumfragen/afd-anhaenger-bewerten-trump-und-die-us-aussenpolitik-weiterhin-positiv-a-1135281.html

Zitat: „1. SPD- und Grünen-Wähler sehen Trump besonders kritisch.“ – Zitatende.

Nein! Wer hätte das gedacht!? Was für eine Überraschung für den Mehrwisser! Das ist ja ein regelrechtes Nachrichten-Update! SPD- und Grünwähler sehen Trump besonders kritisch. Ich bin am Boden zerstört. Dabei ist es völlig uninteressant, wie SPD- und Grünenwähler etwas sehen. Einen Blinden fragt schließlich auch niemand, wie weit er schauen kann.

Zitat: „( … ) positive Antworten finden sich lediglich bei potenziellen AfD-Wählern in der Mehrzahl. Fast zwei Drittel von ihnen bewerten Trumps Präsidentschaft als „eher gut“ oder „sehr gut“.“ – Zitatende.

Deswegen ist der SPIEGEL ein Nachrichtenmagazin. Weil er Nachrichten bringt, die man anhand dessen, was man schon weiß, als richtig oder falsch klassifizieren kann. Der passionierte Mehrwisser beurteilt nämlich gerne selbst, ob die Nachrichten auch stimmen, die ihm der SPIEGEL immer so aufschreibt. Je genauer der SPIEGEL seinen Lesern das erzählt, was sie ohnehin schon wissen, desto beliebter ist er bei den Mehrwissern und desto mehr von ihnen machen einen Fünfer locker, um sich selbst zu bespiegeln.

Zitat: “ 2. Skepsis gegenüber US-Außenpolitik ist verbreitet – aber schwächer.

Ähnlich wie Trump selbst beurteilen die meisten Befragten auch die derzeitige Außenpolitik der USA – knapp 40 Prozent als „sehr negativ“, weitere 36 Prozent als „eher negativ“. Auch hier unterscheidet sich die Haltung unter den Anhängern der Parteien deutlich, insbesondere zu denen der AfD. Hier äußerte sich die klare Mehrheit der Befragten sogar positiv gegenüber der US-Außenpolitik. “ – Zitatende.
Die derzeitige US-Außenpolitik ist doch die gegenwärtige, wenn ich mich nicht täusche. Und Trump ist der gegenwärtige US-Präsident, oder? Da staunt der Mehrwisser auf seinem Lesepfad zum erleuchteten Meistwissenden. Findet dieser Trump doch tatsächlich seine eigene Außenpolitik – von eher bis sehr  – negativ. Wie´s wohl kommt? Und dann das noch, potztausend: Auch hier unterscheidet sich die Haltung unter den Anhängern der Parteien deutlich!? – Das gibt´s doch nicht. Diese AfD-Anhänger sind wirklich andauernd für eine Überraschung gut.

Zitat: „Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 16.2. bis 19.2.2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste rund 5000 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. ( … ) Was ist das Besondere an der Civey-Methodik? Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 4000 Websites ausgespielt („Riversampling“). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.“ – Zitatende.

Gut, daß sich das Fachblatt für den Mehrwisser die tätige Expertenhilfe von „Civey mit der besonderen Methode“ gesichert hat. Bei so schwierigen Fragen, wie der, wer in Deutschland mit welcher Nähe zu welcher Partei Donald Trump wie bewertet, braucht es schon Experten mit besonderen Methoden, damit die Nachrichten auch stimmen.
Nächste Woche im SPIEGEL dann (wahrscheinlich): Welche Ansichten haben Deutsche, sortiert nach Parteienpräferenz, zu der Frage, wieviele Tage der Februar dieses Jahr hat. Wenn die rotgrüne Spießerklientel des SPIEGEL die repräsentativ ermittelten Meinungen dazu auch noch kennt, ist sie unter den Klugscheißern endgültig gar die meistwissende.

 

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