Höcke höchst honorig

Auf dem Thüringer Landesparteitag am Wochenende nahm Björn Höcke Stellung zu seiner ‚Dresdner Rede’ und zu dem gegen ihn angestrengten Parteiausschlussverfahren. Björn Höcke äußerte sich auf eine glaubhafte, völlig überzeugende Art und Weise zu seinen Formulierungen über das Holocaustmahnmal, das er als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte.

Von Klaus Barnstedt

Hier der betreffende Wortlaut aus seiner Ansprache:

„Ich habe ein großes, ich habe ein wichtiges Thema leider in einer Bierzeltrede vergeigt. (verhaltener Applaus)

Ich habe mich von einer Atmosphäre mitreißen lassen und bin auch in eine falsche Tonlage gefallen.

Ich habe Interpretationsspielräume zugelassen. Kurz, ich habe es dem politischen Gegner und der meist leider nicht freundlich gesinnten Presse zu leicht gemacht.

Ich habe unnötigerweise eine Flanke geöffnet.

Das war ein Fehler und dafür möchte ich mich heute hier entschuldigen.“ (Applaus)

http://www.faz.net/aktuell/politik/afd-landeschef-hoecke-entschuldigt-sich-fuer-dresdener-rede-14884391.html

So viel Aufrichtigkeit muss man in der heutigen Politik wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen suchen.

Auch auf diesem Portal haben sich mehrere Autoren kritisch mit der ‚Dresdner Rede’ Höckes und der darauf erfolgten Reaktion des AfD-Bundesvorstandes befasst.

In den Beiträgen über das Parteiausschlussverfahren gab es dabei mehr Kritik am Bundesvorstand der Partei als an den Äußerungen Höckes zum Holocaustmahnmal in Berlin.

Alle Autoren – soweit ich es überblicke – stuften die getroffenen Feststellungen des thüringischen Afd-Fraktionsvorsitzenden als für sich gesehen sachlich richtig ein. Die berechtigte Kritik an Höcke setzt sich damit auseinander, dass diejenigen, die schon länger hier leben, sich vorrangig, wenn nicht sogar ausschließlich (weil politisch gewollt), über historische Untaten definieren sollen.

Zu Recht muss man fragen dürfen, wieso es beispielsweise kein vergleichbares Denkmal zur friedlichen Revolution und Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1989/90 gibt, sozusagen ein Denkmal der Ehre. Wie es mehrere Autoren in ihren abwägenden Beiträgen thematisierten – und wie es auch in vielen Zuschriften reflektiert wurde – kam die von Höcke angestoßene Diskussion darüber leider entweder zur Unzeit oder wurde von ihm auf unangemessene Weise vorgetragen.

Dies gesteht Höcke nun selbst ein. Er spricht von der Bierzeltatmosphäre, von der er sich hat mitreißen lassen. Er bedauert auch den falsch gewählten Zungenschlag, auf den sich die politischen Gegner mit Vorliebe stürzen. Wie wir wissen, geschieht dies mit dem Ziel der Rufschädigung, indem angesprochene Sachverhalte inhaltlich verdreht werden.

Der Bundesvorstand der AfD wäre gut beraten, sein gegen Höcke eingeleitetes Parteiausschlussverfahren sofort zurückziehen. Der Eindruck, dass die gegen Höcke getroffene Maßnahme aus einseitigen parteitaktischen Überlegungen heraus entstanden ist, muss revidiert werden. Es kann nicht sein, dass die Partei lange vor einer bundesweiten Konsolidierung ängstlich darauf bedacht ist, nirgendwo anzuecken. Hoffnungsfrohe Überlegungen über Bündnispartnerschaften bei dem derzeitigen Zustand der etablierten Parteien sind zum jetzigen Zeitpunkt völlig fehl am Platz.

Solcherlei Spielchen dürften viele potenzielle Wähler abschrecken und enttäuschen. Mancher käme gewiss in die Verlegenheit, als erneut frustrierter Protestwähler den nächsten Wahlen fernzubleiben oder seine Stimme bewusst an eine aussichtslose (Splitter-)Partei zu „verschenken“.

Foto: Collage

 

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