Bartels Schmäh: Bimbes und Kaischie

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Peter Bartels (Foto: Privat)

Bei Springer ist Totentanz. Erst bricht die Bild-Auflage zum xten Mal schockweise weg, sie liegt jetzt nur noch bei um die 1,5 Millionen pro Tag (früher fünf!). Dann verdrückt sich „Totengräber“ Kai („Kaischi“) Diekmann in die kuscheligen Etappenfauteuils, weil er ums Verrecken nicht die dritte Auflagenschallmauer Richtung Keller durchbrechen will – nachdem er auf wundersame Weise 16 Jahre mit immer abenteuerlicherer Dialektik die Schuld daran den Unbilden des Schicksals in die Schuhe schieben durfte: von vier auf drei Millionen, von drei auf zwei, von zwei auf…

Von Peter Bartels

Mal waren die Laptops, iPads und PC’s schuld. Mal die doofen Leser. Der Chefredakteur aber nie: „Wenn Papier im Journalismus noch eine Zukunft hätte, würde ich in die Wälder Norwegens gehen…“, hatte er getönt, nachdem er alles versaubeutelt hatte… Wieso funzt dann auch das Online-Abo nicht?! Er residierte lieber ein Jahr (ein ganzes Jahr!) fern der bibbernden Zeitung im sonnigen Silicon Valley – natürlich mit Kegel und Klüngel. Ergebnis? Noch mehr Leere nach der Lehre im Tal der Ahnungslosen.

Aber da der Kaischi sich schon immer für ein schlaues Kerlchen hielt und sich geschickt aus der Misere herauszuwinden wusste, ernannte er flugs seine einstige Vorzimmerdame Tanit Koch zur Chefredakteurin für die Papier-Bild – und seinen „embedded“ Kriegshelden, Julian Reichelt, zum Chefredakteur von Bild Online.

Natürlich hoffte er auf ein Wunder. Es blieb aus. Wie auch? Beide Nachfolger hatten ja bei ihm „gelernt“. Und der Kaischi galt schon unter seinen Mitschülern in Springers Journalistenschule als mittelprächtige Funzel. Einer, der seine Zukunft als „Chefredakteur“ längst bei einer Schülerzeitung in Bielefeld hinter sich gebracht hatte; da gelang dem Dreadlockzopf als Pennäler ein Interview mit „Kanzler Bimbes“, dem Dicken aus der Pfalz. Und das war schon was. Was auch immer…

Die Wege des Herrn sind manchmal unergründlich, jedenfalls wenn man Trauzeugen wie den „Schwarzen Riesen“ hat. Dass Helmut Kohls „Entdeckung“ Diekmann nach 16 Jahren zum finalen Totengräber von Bild werden würde, hätte er selbst natürlich nie gedacht. Bimbes sicher auch nicht. Und so wird Kai – wie alle bei Springer – gestaunt haben, als sein oberster Chef, Vorstandschef Mathias Döpfner, neulich selbst zum Griffel griff und den „Medien“ in Sachen Trump und Asylanten die Leviten las – und die Leser bedauerte, die Diekmann mit selten bescheuerten Merkel-Aktionen wie „Refugee Welcome“ verjagt hatte: erst zu Pegida, dann zu Facebook, schließlich zur AfD.

Ein paar Stunden nach Döpfners Artikel knickte Diekmanns getreuester Genickschuss-GI ein: Julian Reichelt! Ausgerechnet der „Jäger des verlogenen Trump“, der früher im Krieg auf den Boulevards von Syrien so gerne Tee trank, geißelte plötzlich ebenfalls Medien und Politiker – von Merkel bis Steinmeier bis hin zu Obama: Bei Trump seien sie „alle“ verlogen gewesen – vor und nach der Wahl. Alle? Und noch prompter ernannte Friede Springers Mann für „Geld aus Geist“ den Julian, der in Talkshows gern rote Socken trägt, zum Chef der roten Bild-Gruppe. Jedenfalls, was davon übrig ist.

Und nun? Alles wieder gut? Kaischi muss noch seinen Prozess wegen „sexueller Belästigung“ überstehen; eine schiache Tussi, Marke MännIn, hat ihn angezeigt. Aber das ist Kachelmann ja auch passiert. Und dessen Dame war wenigstens hübsch…

Und sonst? Wie zu hören ist, soll Kaischis Freund, der ehemalige Minister Herr zu Guttenberg, endlich bereit sein, vor Trump aus den USA zurück nach Deutschland zu flüchten. Er war einst wegen eines falschen Doktortitels ins Exil emigriert. Damals orakelte Kaischi: Der wird mal Kanzler! Dann wäre auch Kaischi wieder da.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Compact:

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