Der böse Trump und der liebe Schulz

Schulz gibt Ratschläge. (Foto: Collage)

Von Klaus Barnstedt

Donald Trump und Martin Schulz markieren in der gegenwärtigen Mainstreamberichterstattung die entgegengesetzten Pole einer zielgerichteten Stimmungs- und Meinungsmache. Hier vernichtende Kritik an einem als vogelfrei erklärten US-Präsidenten, dort ständige Lobhudeleien für einen hochgepushten SPD-Hoffnungsträger. Letzteres Manöver soll bereits kurzfristig zur Befriedung der angespannten innenpolitischen Gesamtsituation beitragen.

Doch Trump nicht anders als einen verdammenswürdigen politischen Krawallo darzustellen, ist genauso verfehlt, als würde man Martin Schulz ausschließlich als Würstchen von Würselen bezeichnen.

Fröhliches Trump-Bashing.

Was den neuen amerikanischen Präsidenten angeht, sind bisher schon sämtliche Experten aller denkbaren Fachrichtungen aufgetreten, um sich am fröhlichen Trump-Bashing zu beteiligen.

Menschenkundler aller Art, Psychologen und Soziologen, Verhaltensforscher, Sprach- und sonstige Geisteswissenschaftler bis hin zu Schauspielern, Pop-Musikern, freischaffenden Künstlern und sonst wie Betroffenen oder Verstörten, sie alle balancieren auf dem eigenen schmalen Grad ihres Spezialgebietes bzw. ihrer angemaßten Meinung und suhlen sich in einem offenbar als wohlig empfundenen Gemeinschaftserlebnis, bei dem es darauf ankommt, in eitler Selbstdarstellung größtmögliche Anfeindungen von sich zu geben.

Wer dieser Armada von tadelungsbesessenen Koryphäen jeglicher Couleur unbeschadet widerstehen will, muss schon über die moralische Unantastbarkeit von Jesus verfügen. Anscheinend wünscht man den USA einen Heiligen als Präsidenten, einen, der gleich nach Gott kommt. Nur dass der jetzige Amtsinhaber seinem Land Erfolg bringt, das wünscht man ihm nicht. Man fürchtet es geradezu.

Ausschließliche Beschwörung von Unheilsszenarien

Ebenso wenig, wie die begeisterungsfähigen Trumpunterstützer nach der Amtseinführung ihres Favoriten keine täglichen Jubelveranstaltungen mehr abhalten, sollten die Trumpgegner endlich ihre an Hysterie grenzenden Beschwörungen von Unheilsszenarien beenden, ganz besonders von Deutschland aus.

Um den amerikanischen Präsidenten richtig einschätzen zu können, muss man sich möglichst unvoreingenommen seine Vita vor Augen führen und sich vergegenwärtigen, welche markanten amerikanischen Wesenszüge er besitzt, und was bei ihm Teil einer ansonsten weit verbreiteten US-Mentalität ist.

Man kann es nicht oft genug betonen: Erstens ist Trump auf demokratische Weise gewählt und auf die Verfassung vereidigt worden. Zweitens ist die amerikanische Demokratie seit 1776 intakt. Es herrscht nach wie vor Gewaltenteilung und der amerikanische Präsident ist kein Alleinherrscher. Last, but not least, existieren eine funktionierende parlamentarische Opposition sowie eine kritische Öffentlichkeit im Lande.

 Ideologieträchtige Kritik aus dem hohlen Bauch heraus

Was bei uns so vielen an Trump befremdlich erscheint, hat hauptsächlich mit Fehlentwicklungen im eigenen Lande zu tun, mit uneingestandenen Absurditäten, die krampfhaft aufrechterhalten oder unhinterfragt als angeblicher Fortschritt verabsolutiert werden.

Dazu gehört die Vorstellung, ein wohlhabender Mensch, zumal ein Milliardär, könne sich ja nur auf Kosten der Allgemeinheit bereichert haben. Höchst anstößig auch, wenn ein Praktiker, ein auf Effizienz bedachter Unternehmer zu wenig oder keine Rücksicht auf ausufernde Diskussionen mit Bedenkenträgern, auf institutionalisierte fragwürdige Empfindlichkeiten nimmt, Sonderbedingungen, die durch politische Überkorrektheit und wahnwitzige Rücksichtnahme auf jeden und alles entstanden sind.

Die Betonung eines ureigenen amerikanischen Patriotismus, ja Nationalstolzes, die üblicherweise Gegenstand aller bisherigen Reden bei den Amtseinführungen der amerikanischen Präsidenten war und ist, wird bei dem jetzigen Amtsinhaber zum individuellen Makel stilisiert. Und dies, obwohl Trump – wahrscheinlich eher: weil er – in seiner Antrittsrede betont hat, dass der Amtswechsel im Weißen Haus keinen bloßen Austausch der Administration bedeutet. Vielmehr werde die Macht an den Souverän, das amerikanische Volk zurückgegeben. Es ist wohl dieses „we“ in Verbindung mit „again“, an dem sich die Kritiker hierzulande festbeißen, an Trumps Ankündigung, das Land gemeinsam wieder stark, wohlhabend, stolz, sicher und groß zu machen. Obwohl sein Verweis auf Tradition und Leistungsvermögen des amerikanischen Volkes mit einer Zusage für Freundschaft mit allen friedliebenden und wohlwollenden Nationen verbunden ist, werden seine patriotischen Aussagen von Außenstehenden in einem Höchstmaß skandalisiert. Der Grund dafür muss in der Verunsicherung darüber liegen, dass entsprechende Verlautbarungen bei einem Unternehmer wie Trump keine hohlen Pflichtübungen sind, sondern Ankündigungen für praktisches Handeln.

„Keine politische Erfahrung“

Bereits im vorausgegangenen Wahlkampf lautete eine alberne Behauptung über Trump, er hätte keinerlei politische Erfahrung.

Schon Donald Trumps Vater (1905-1999), aufgewachsen in entbehrungsreichen, kleinen Verhältnissen, war als Bauunternehmer für verschiedenste Wohnkomplexe mit tausenden von Wohneinheiten selbstredend auf enge Kontakte zu Politikern und Behörden angewiesen. Sein zweiter Sohn Donald John (der jetzige US-Präsident) leitete nach Abschluss seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften nahezu eigenständig eine Abteilung des inzwischen zum Konzern angewachsenen Besitzes seines Vaters. Lange vor seinem dreißigsten Geburtstag war Donald Trump eigenverantwortlich handelnd in Millionenprojekte seiner Heimatstadt New York involviert. Er konzentrierte sich auf den Erwerb städtischen Grund und Bodens, engagierte sich für die Planung und Errichtung beeindruckender Bauten in der Weltmetropole, verhalf mit seinen prestigeträchtigen Projekten der Stadt zu Ansehen und wirtschaftlicher sowie kultureller Prosperität.

Zwangsläufig musste er sich mit Bürgermeistern, Stadtvätern und den verschiedensten (Bundes-)Behörden auseinandersetzen, unterhielt Kontakte zu Parteiführern, Gewerkschafts- und anderen Interessengruppen, lernte neben hochrangigen Politikern unter anderem bereits 1987 den damaligen Präsidenten Ronald Reagan persönlich kennen.

Laut Wikipedia verteilte Donald Trump noch bis vor fünf Jahren Parteispenden nahezu ausgewogen an beide großen Parteien und spendete 100.000 Dollar an die Clinton Foundation. Hinzu kommt, durch seine vielfältigen landesweiten Tätigkeiten in der Baubranche und als Medienunternehmer (Film- und Fernsehprojekte) sowie als Autor von über einem Dutzend Büchern hat er über Jahrzehnte Zigtausenden von Menschen Arbeit verschafft.

Und der liebe Schulz?

 Vom einfachen SPD-Mitglied sich zum Bürgermeister einer Kleinstadt zu mausern, nach zwanzigjähriger Parteikarriere es zum Kreisvorsitzenden von Aachen zu bringen, letztlich zu einem wohlhabenden EU-Apparatschik aufgestiegen zu sein, das ist wohl das, was man bei uns landläufig als Lebenslauf von jemandem mit politischer Erfahrung versteht.

Ganz besonders wird von ambitionierten Parteifunktonären unter ‚politischer Erfahrung’ aber verstanden, sich damit auszukennen, wie man zügig die Parteihierarchie durchläuft und durch Gründung von Stiftungen, Vereinen und Initiierung von Projekten möglichst ein großes Stück von zu verteilenden Fördergeldern abgreift.

Im Vergleich zu Trump ist Schulz zunächst einmal ein Provinzler mit nicht ansatzweise vergleichbarem weltläufigen Hintergrund. In seiner Hoffnung auf den Posten des Bundeskanzlers braucht er sich – eine rechnerische Mehrheit mit den Grünen und den Linken anpeilend – nicht einmal von Merkels katastrophaler „Flüchtlingspolitik“ zu distanzieren. Seine voraussichtliche Wunschkoalition wäre mit Parteien möglich, die wie er der Überzeugung sind, dass „die Flüchtlinge“ für uns „wertvoller als Gold“ (Originalton Schulz) seien, trotz ihrer mehr als fragwürdigen  arbeitsmarktpolitischen und sicherheitstechnischen Relevanz.

Die ehemaligen Merkelbewunderer, die angeblich zurzeit scharenweise dem lieben Martin zulaufen, müssen schon sehr verzweifelt sein, wenn sie sich von diesem SPD-Karrieristen und überbezahlten Eurokraten mit seinem Gerechtigkeits- und Gleichheitsgerede eine spürbare Änderung in der Sicherheits- und Sozialpolitik versprechen.

Bisher sind es nur alte Hüte und abgestandene Parolen aus der Asservatenkammer der SPD, die Schulz zu verkaufen versucht und mit denen er sich bei den sprichwörtlich kleinen Leuten bis hin zum Mittelstand anbiedert.

Jedem, der nur ein Bild von ihm sieht, müsste unwillkürlich der Geruch von Mottenpulver in die Nase steigen.

Warten wir ab, welche Ergebnisse die anstehenden Landtagswahlen im Saarland (26.03.), in Schleswig-Holstein (07.05.) und Nordrhein-Westfalen (14.05.) bringen, bevor es zum Showdown bei der Bundestagswahl im September kommt!

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Literatur: JeromeTuccille, „Trump – Die Innenseite einer amerikanischen Karriere“, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1988

Foto: Collage

 

 

 

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