Max Erdinger: Was ist interessant?

Was wir in den öffentlich-rechtlichen Medien als Nachrichten präsentiert bekommen, sind Neuigkeiten, die zuvor als Nachrichten klassifiziert worden sind. Interessant sind sie oft nicht. Wesentlich interessanter sind meist die Nachrichten, die von den Öffentlich-Rechtlichen nicht gesendet werden, dafür aber im Internet zu finden sind. Seit in Südafrika vor über zwanzig Jahren die Apartheid zu Ende gegangen ist, kommt das Land in den Nachrichten nur noch selten vor. Und das ist nicht deswegen so, weil es etwa nichts zu berichten gäbe aus Südafrika. Es gäbe viel zu berichten. Aber alle diese nicht gebrachten Nachrichten wären erstens in der Sache unerfreulich – und zweitens würden sie die Euphorie als Dämlichkeit entlarven, mit der in den politisch-korrekten Medien Deutschlands, den öffentlich-rechtlichen also, das Ende der weißen Vorherrschaft samt dem Ende der Rassentrennung in Südafrika gefeiert worden ist. Nichts ist besser geworden in Südafrika, sehr vieles aber hat sich dramatisch verschlechtert seither. Nun hat die Tagesschau eine eher unwichtige Meldung gebracht: Im südafrikanischen Parlament ist es zu einem Tumult mit Handgreiflichkeiten gekommen. Eine Nachricht ist das allenfalls für diejenigen, die von den Zuständen im Land am Kap keine Ahnung haben, nicht zuletzt deswegen, weil jede objektive Berichterstattung sträflich vernachlässigt worden ist.

Von Max Erdinger

http://www.tagesschau.de/ausland/suedafrika-145.html

Daß die Opposition im südafrikanischen Parlament den Präsidenten Zuma einen korrupten Gauner nannte und seine Ansprache zur Lage der Nation verhindern wollte, ist als Nachricht aus Südafrika eher unwichtig, weil sie für Afrika keinesfalls untypisch ist. Da gäbe es sehr viel Wichtigeres zu berichten. Das allerdings wird systematisch totgeschwiegen. In Südafrika läuft ein schleichender Genozid an den Nachfahren derjenigen, die das am höchsten entwickelte Land auf dem afrikanischen Kontinent einst geschaffen hatten. Warum unterbleibt die Berichterstattung? Weil es sich bei den Dahingemetzelten in grotesker Überproportionalität um Weiße handelt. Man käme bei der Tagesschau und anderen „Qualitätsmedien“ der politisch-korrekten Art nämlich nicht umhin, dann, wenn man seine gewohnten Klagekategorien beibehalten wollte, einen schwarzen Rassismus gegen Weiße zu konstatieren. Da man aber in den öffentlich-rechtlichen Medien keinesfalls von den Kategorien des Rassismus, des Chauvinismus und der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit als Instrumenten zur Schaffung von Schuldbewußtsein beim eigenen Volk abrücken möchte, unterbleibt die wahrheitsgetreue Berichterstattung einfach. Stattdessen porträtiert man das Land lieber als die „Rainbow Nation“, in welcher das friedliche Zusammenleben verschiedenster Rassen angeblich reibungslos funktioniert. Das allerdings ist Desinformation in Vollendung.

Ein paar Zahlen: Zur Blütezeit der Apartheid in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts gab es in Südafrika etwa 170 Morde im Jahr. In der herbeiphantasierten „Rainbow Nation“ unserer Öffentlich-Rechtlichen waren es im Jahr 2016 etwa 25.000. Allein in den Jahren seit 1994 sind in Südafrika über 70.000 Angehörige der weißen MInderheit bestialisch ermordet worden. Und es wird systematisch unter den Teppich gekehrt. Stattdessen bekommen wir eine Meldung als Nachricht serviert, deren Neuigkeitswert bei Null liegt: Im südafrikanischen Parlament flogen die Fäuste und der korrupte Präsident amüsierte sich köstlich darüber. Als ob das etwas Ungewöhnliches wäre.

Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, als der Einzelne, ob weiß oder schwarz, in Südafrika noch mit hoher Sicherheit für Leib und Leben rechnen konnte, war das Land fast täglich in den deutschen Nachrichten. Und zwar wegen der Aufstände in Soweto, die damals gewaltsam niedergeschlagen worden sind. Über den Mord an dem schwarzen Bürgerrechtler Steve Biko und das Schicksal des inhaftierten Nelson Mandela gab es Hunderte von Zeitungsartikeln in der gesamten westlichen Welt. Das weiße Apartheidsregime von John Vorster wurde in Grund und Boden verdammt. Es folgte ein Wirtschaftsembargo gegen Südafrika. Der Westen zog alle Register, um gegen diejenige weiße Regierung vorzugehen, die dort für wenigstens einigermaßen zivilisierte Zustände sorgte. Es gab, wenn auch bei einer Zweiklassenjustiz, immer noch etwas, das man grob als Rechtssicherheit bezeichen könnte. Nichts davon ist heute übrig.

Als das frühere Rhodesien 1980 zu Zimbabwe wurde und der weiße Premier Ian Smith das Handtuch werfen mußte, war der Jubel in den deutschen Medien groß. Zu der Zeit war Rhodesien ein blühendes Land, das wohlhabendste auf dem ganzen Kontinent und Nahrungsmittelexporteur. Zugejubelt wurde dem Kommunisten Robert Mugabe, der das Land damals übernahm. Heute ist Zimbabwe (Rhodesien) die Hölle auf Erden und wirtschaftlich vollständig ruiniert, die weiße Elite zum größten Teil ermordet, verjagt oder enteignet.  Das Land hängt am Tropf der Welthungerhilfe. Wie oft lesen oder hören wir in unseren politkorrekten Qualitätsmedien etwas über Mugabe und Zimbabwe? Verglichen mit den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts kommen die Nachrichten jedenfalls sehr spärlich. Von Mozambique im Osten bis nach Namibia (Deutsch Südwest) im Westen der Südspitze Afrikas: Niedergang allerorten. Und kein Thema für die deutschen „Qualitätsmedien“.

Es ist die ausbleibende Berichterstattung unserer Medien, die uns über diese Medien mindestens so viel erzählt, wie das, was sie tatsächlich senden. Das Motto lautet: Bürgerlein, du sollst nicht wissen, du sollst nicht selbst zu Schlüssen kommen, sondern du sollst kritiklos fressen, was wir dir als Nachrichten präsentieren. Du sollst glauben. Du könntest sonst auf falsche Gedanken kommen. Im südafrikanischen Parlament flogen die Fäuste – ach!? Wenn es dort keine anderen Probleme gibt, dann ist ja alles in Ordnung.

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