Trumps EU-Botschafter: Twittern gegen „Bullshit“

Donald Trumps designierter EU-Botschafter Theodore Malloch hat sich in einem Radio-Interview mit BBC Kommentator John Pienaar über „Bullshit“ und „politische Korrektheit“ heutigen politischen Diskurs beklagt, und angekündigt, gegen eine EU zu sein, „das von Deutschland dominiert wird.“

Von unserem US-Korrespondenten Collin McMahon

Ted Malloch, ehemaliger Oxford-Professor, begann das Interview mit einem Shakespeare-Zitat, um den Stil seines Chefs zu charakterisieren: „Donald Trump ist ja kein gewöhnlicher Präsident. Das haben Sie vielleicht schon festgestellt. Um es ihren britischen Zuhörern mit Shakespeare zu erklären – Memenius sagt zu Coriolanus im Stück desselben Namens, ‚Er trägt sein Herz auf der Zunge‘, und davor ‚Dem Wesen nach ist er zu edel für diese Welt / Er würde Neptun nicht um seinen Dreizack schmeicheln / noch Jupiter um seine Donnerkraft…‘ Das heißt im Klartext: Trump verbeugt sich nicht vor den Mächtigen der Welt. Er sagt was er denkt, auch wenn er dafür Ärger bekommt. Das nannte man mal Aufrichtigkeit, aber in unserem Zeitalter der Babysprache, politischer Korrektheit und soviel Bullshit, sieht seine Wahrheitsliebe manchmal wie Unaufrichtigkeit aus. Es hat etwas von George Orwell, dass Trumps Wahrheitsliebe oft für das Gegenteil gehalten wird. Aber er benutzt Twitter, um ein wachsendes Publikum direkt zu erreichen, mittlerweile etwa 60 oder 70 Millionen Menschen.“ (Faktencheck: @realdonaldtrump hat 24 Millionen und @POTUS 15 Millionen Follower.) Pienaar hatte gefragt, ob es eine gute Idee war, den Richter zu kritisieren, der Trumps Einreisesperre für Terrorstaaten kassiert hatte.

Pienaar fragte Malloch als nächstes nach dem Stand der EU-Botschaftsnominierung: Angeblich gebe es Vorschläge, Barrikaden gegen ihn vor dem EU-Hauptquartier zu errichten. „Ich glaube die Länder dürfen ihre Botschafter immer noch selbst aussuchen“, so Malloch. Pienaar zitierte den EU-Brexit-Chefunterhändler Guy Verhofstadt, der Malloch der „skandalösen Boshaftigkeit“ beschuldigte. Malloch entgegnete, „Ich will die verbale Rhetorik nicht weiter hochschaukeln. Aber er hat mich nie kennengelernt, und hat vermutlich noch nie ein Wort von mir gelesen.“

Über die Zusammenarbeit mit der EU sagte Malloch, „Donald Trump will, dass Europa Erfolg hat. Er will bilateral mit Einzelstaaten verhandeln. Er will aber ganz klar keine Union, die von Deutschland dominiert wird.“ Pienaar wies darauf hin, dass man nur mit der EU als Block verhandeln können, nicht mit Einzelstaaten, außer die EU zerfiele, und fragte ob das die eigentliche Agenda sei. „Ich denke nicht, dass es eine Agenda gibt. Ich glaube unsere Hoffnung ist, uns irgendwie zu einigen, und dass die EU nach ihrer gegenwärtige Phase der Umorientierung wieder mehr eine wirtschaftliche und weniger eine politische Union sein wird.“

Ted Mallock war Professor u.a. an der Oxford University, Yale University und University of Reading, und diente u.a. im Vorstand des Davoser Wirtschaftsforums, als Botschafter an den Vereinten Nationen in Genf, im US-Außenministerium und dem US-Senatsausschuss für Außenpolitik. Er hat 14 Bücher geschrieben, u.a. über ethische Verantwortung und Spiritualität in der Wirtschaft.

Foto: Ted Malloch/ University of Reading

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