Max Erdinger: Nun träumt mal was Schönes!

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Der "Spiegel" sucht Auswege (Foto: Collage)

Es ist nicht ungewöhnlich, daß der wintermüde Deutsche lustlos auf seinem Sofa liegt, die Zimmerdecke anstiert und von einem weißen Palmenstrand mit blauem Himmel träumt. Über den SPIEGEL scheint jetzt etwas verspätet ein langer und grauer Winter hereingebrochen zu sein. Dort liegen die Redakteure wie bewußtlos auf dem Fußboden und träumen von der Inexistenz des Präsidenten Trump.  Zumindest bei Almut Cieschinger und Claudia Niesen muß es wohl so gewesen sein.  Getreu dem alten Slogan „SPIEGEL-Leser träumen mehr“ nehmen sie den Leser mit auf eine Reise ins linke Paradies. „Wie wird man – mal ganz theoretisch – einen US-Präsidenten los?“, fragen sie.

Von Max Erdinger

http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-so-ist-eine-absetzung-des-us-praesidenten-moeglich-a-1132858.html

Zitat: >“Für seine Gegner ist US-Präsident Trump schon nach zwei Wochen viel zu lang im Amt. Welche Möglichkeiten bietet die Verfassung eigentlich, ihren Albtraum zu beenden? Ein Überblick.“ <-Zitatende.

Man sieht: Schon die Schlagzeile ist von typisch linker Unaufrichtigkeit. Die Traumfrauen vom SPIEGEL interessieren sich nämlich gar nicht dafür, wie man einen US-Präsidenten los wird, sondern dafür, wie man diesen Präsidenten los wird. Darüber, wie man den türkischen oder den ukrainischen Präsidenten los wird, haben sie sich allerdings noch nie den Kopf zerbrochen. Geschweige denn darüber, wie man sich einer Bundeskanzlerin entledigt.

Zitat: >“Mit seinem Verhalten schon im Wahlkampf und zahlreichen umstrittenen Aktionen nach Amtsantritt hat sich der neue US-Präsident Donald Trump bereits viele Feinde gemacht. Aus unterschiedlichen Ecken ertönen Rufe auch nach einer vorzeitigen legalen Entfernung Trumps aus dem Amt. Sie bringen entweder ein Impeachment oder vereinzelt auch den weniger bekannten 25. Verfassungszusatz über die Amtsunfähigkeit des Präsidenten ins Spiel.“< – Zitatende.

Die beiden Traumfrauen vom SPIEGEL haben sich also in unterschiedlichen Ecken umgehört, weil bekanntlich die Demokraten aus unterschiedlichen Ecken rufen und weil es undemokratisch ist, ein ehrenvoller Präsident zu sein. Schließlich heißt es in einer alten deutschen Redewendung: „Viel Feind, viel Ehr´“. Weil nun der SPIEGEL-Leser, der früher einmal mehr gewußt als geträumt  hat, heute mehr träumt als er weiß, haben ihm die Frau Cieschinger und die Frau Niesen ein bißchen was aus der amerikanischen Verfassung abgeschrieben. Früher hätte der SPIEGEL-Leser die amerikanische Verfassung noch selber finden und lesen können. Heute muß er sich von zwei Spiegelfrauen erklären lassen, was ein Impeachment tatsächlich ist. Weil sonst die Gefahr besteht, daß er glaubt, Impeachment sei, wenn man ein Messer in einen Pfirsich steckt.

Nachdem also geklärt ist, was so ein Impeachment wirklich ist, kommen Frau Cieschinger und Frau Niesen zu der unschönen Erkenntnis – Zitat: „Nein, in der Geschichte der Vereinigten Staaten hat noch nie ein Präsident durch Impeachment sein Amt verloren. (…) 1974 kam US-Präsident Richard Nixon einem Impeachment nach der Watergateaffäre durch einen Rücktritt zuvor.“ < – Zitatende.

Und schon ist er fast vorbei, der ganze schöne Traum. Weil ich aber ein guter Kerl bin, will ich den SPIEGEL-Frauen und ihren Lesern wenigstens noch erklären, daß es sich bei Watergate nicht um die große Wasserrutsche in Disneyland handelt und daß Trump mit Wasserrutschen auch absolut nichts zu tun hat. Aber wie sieht es mit dem 25. Verfassungszusatz aus?

ZItat: >“Die Rufe nach einer Entmachtung Trumps durch das 25th Amendment beziehen sich aber auf Absatz 4. Er regelt eine Übertragung der Amtsgeschäfte für den Fall, dass ein Präsident die Amtsunfähigkeit nicht selbst erklären kann, weil er z.B. im Koma liegt, oder nicht erklären will, etwa unter dem Einfluss einer psychischen Erkrankung. (…) Absatz 4 kam noch nie zur Anwendung.“ < – Zitatende.

Puff! Damit ist er nun gar geplatzt, der Traum. Weder wird man Trump per Impeachment loswerden, noch wird es darüber funktionieren, daß man ihn für gaga erklärt. Interessant ist in dem Zusammenhang, daß Trump die Bundeskanzlerin schon einmal für wahnsinnig erklärt hat. Wegen ihrer Flüchtlingspolitik nämlich. Da würde es sich doch glatt einmal lohnen, nachzusehen, was im Grundgesetz über Lady Gaga zu finden ist.

Zitat: >“Schon die Frage, wer denn eine Amtsunfähigkeit aus psychischen Gründen überhaupt feststellen sollte, ist unklar. Eine psychische Krankheit sicher zu diagnostizieren, ist schon unter Mitwirkung des Patienten schwer und umso schwerer, wenn eine solche Diagnose auf reiner Beobachtung beruhen sollte. Zudem berührt er die Frage der Loyalität im Innersten: Ein Vizepräsident, bei dem herauskommt, dass er auch nur darüber nachdenkt, seinen Vorgesetzten zu entmachten, kann sehr schnell auf das Abstellgleis geraten, ebenso wie kooperierende Minister. Ähnlich kann die Gemengelage im Kongress sein: Die Republikaner werden wohl kaum freiwillig die geistige Integrität ihrer Macht, verkörpert durch ihren Präsidenten, infrage stellen.“< – Zitatende.

So, und jetzt einmal zur Metaebene dieses SPIEGEL-Traums. Einen solchen Artikel zu schreiben, ist das eine. Etwas anderes ist es, ihn dann auch zu veröffentlichen. Ehe man ihn veröffentlicht, weiß man ja, daß man etwas Überflüssiges geschrieben hat. Es sei denn, man hielte das Überflüssige nicht für überflüssig. Was für Gründe kämen also in Betracht, den Traumfrauentraum der SPIEGEL-Frauen trotz aller Überflüssigkeit dennoch zu veröffentlichen? Einen sehr realistischen Grund gibt es: Es ist ein Traum, der dem SPIEGEL-Leser gefällt – und zweitens werden die Zeiten für den SPIEGEL und seine Leser so unerfreulich werden, daß nur noch das Träumen bleibt. Es ist der Verdacht nicht ganz ungerechtfertigt, daß der SPIEGEL in deutschen Bahnhofsbuchhandlungen demnächst bei „Esoterik“ einsortiert werden wird. Das ist schon hart, wenn man sich überlegt, daß er früher mal als Nachrichtenmagazin durchgegangen ist. Nun denn, – dann träumt halt was Schönes!

 

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