„US-Präsidenten-Bashing“ – ein Spaß für die ganze Familie?

Foto (überarbeitet): PRO Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Immer wieder Zielscheibe der deutschen Billig-Journalisten: Donald Trump (Foto (überarbeitet): PRO Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Ein fast seit fünf Jahrzehnten in Mode verbliebenes Phänomen verbindet scheinbar unbedeutende Individuen mit den üblichen weltweiten Promischwadronierern im Geiste und karikiert auf widersprüchlichste Art die lautstark eingeforderten Grundzüge der Demokratie. 

Von Micha Schneider

Alles und Jeder opponiert derzeit analysierend oder nur plappermäulig gegen die Wahl des aktuellen US-Präsidenten. Dieses „US-Präsidenten-Bashing“ scheint offenbar das neue kleine Gesellschaftsspiel für die ganze Familie zu sein. Ist es ein hippes, mit cooler Begleitmusik unterlegtes Game für Mama, Papa und das Kind, irgendwo und irgendwie seinen Senf ge- oder ungefragt auf öffentliche Würste zu schmieren, weil man es als seine „heilige Pflicht“ mißversteht, „Position“ überall dort zu beziehen, wo man weder eine sachbezogene Ahnung, noch gar eine Berechtigung als Bürger des betreffenden Landes vorzuweisen hätte? Denn man kopiert oder kolportiert vielmehr hierbei munter und unbeschwert bis bitterlich lamentierend Gesagtes, Gehörtes und Gemutmaßtes, solange es nur von populären, prominenten oder presseimmanenten Plappermäulern gesagt, gehört oder gemutmaßt wurde.

Man tat Solches, natürlich stets um mediale Aufmerksamkeit bemüht, bereits vor der Wahl des aktuellen US-Präsidenten, um eine solche vorab – naiv oder intrigant strategisch – unmöglich zu machen. Und nun, nach der Wahl Donald Trumps, da das „Unmögliche“ kraft des amerikanischen Volkes doch möglich und real wurde, versucht man diese demokratisch verbürgte und nachweisbar mehrheitstaugliche Realität mit allen fragwürdigen Mitteln des Protestes und der Verleumdung infrage zu stellen. Mehr noch: man strebt danach, die plausible elementare Wirkung einer angewandten Demokratie, der freien Wahl demnach – im neuen Trend der lärmenden, randalierenden und gewalttätigen Straße – umzukehren, indem man sie niederbrüllt, das Resultat nicht wahrhaben will und akribisch Haare in einer Suppe sucht, weil einem selbst diese Suppe einfach nicht schmecken will. Nicht etwa aus Gründen einer etwaigen fehlenden Würze mag sie einem nicht schmecken, sondern weil sie ideologisch nicht schmecken darf! Und niemand hat überhaupt den Willen bewiesen oder gar die Gelegenheit wahrgenommen, wenigstens von ihr zu kosten, ihr Zeit zum Garen und zu ihrer Geschmacksentfaltung zu lassen, bevor man sie angewidert ins Klo zu schütten trachtet.

Ich erlebte solche bitterbösen, unfairen, unsachlichen, intoleranten und undemokratischen Anfeindungen und Animositäten gegenüber gewissen politischen Kreisen nicht genehme Kanzlerkandidaten hier in Deutschland vor, während und nach der Wahl Helmut Kohls, vorher bei Franz-Josef Strauß erlebt und beteiligte mich als junger Politignorant sogar selbst daran, was mich heute zutiefst beschämt.

Bei Richard Nixon tat man Ähnliches mit ununterbrochenen Haßbezeugungen, nahezu bürgerkriegsähnlich verlaufenden Demonstrationen und Protestaktionen, die Arm in Arm mit Berühmtheiten dann immer einen Nimbus von moralischer Rechtfertigung und einer Quasilegitimation des gesamten Volkes ausstrahlten, ohne Auftrag im Namen des mehrheitlichen und natürlich schweigenden Anteils der US-Bevölkerung, der Nixon gewählt hatte und anfangs seine Arbeit auch schätzte.

Später dann, bei Ronald Reagan, den man zuvor als „Schauspieler“ belächelt hatte, um seine Person kleinzureden und ihn somit unterschwellig für dieses höchste politische Amt zu diskreditieren, obwohl er schon als Gouverneur Kaliforniens und davor bereits als oberster Gewerkschafter der Hollywoodfilmschaffenden und -akteure höchst effektiv – also erfolgreich – Politik und Gesellschaftsreformen betrieben und durchgesetzt hatte, ging die verbale, politische und kaum jemals als fair zu bezeichnende Keulenschwingerei gegen seine im Nachhinein anerkennend zu betrachtende und belegbar nachhaltige Arbeit weiter. Daß man derartige Ungerechtigkeiten auch vom europäischen Kontinent ausgehend wie Raketen auf das Weiße Haus abschoß, verstand sich wie von selbst, auch wenn die damals praktizierte lautstarke Protestbewegung eher von den üblichen linksextremen Studentenzirkeln und den von ihnen angestachelten straßenkampftauglichen Gewohnheitstätern ausging und das bürgerliche Lager mehr entsetzte, als es diese hätte begeistern können.

Der protestierende Mob auf der Straße feuerte hier mit politischen, zumeist rein spontimentalen, phrasendreschenden und strategisch eingesetzten pseudoethischen Böllern – leider manchmal auch mit gefährlicheren realen Molotowcocktails begleitet –, deren inhaltliche Essenz er (der Mob) letztendlich nicht bis in jedes Detail verstand, aber von den prominenten Raketenwerfern aus Politik, Kunst und Kulturschaffen unkritisch übernommen hatte, um sich auf dem beliebtesten Abenteuerspielplatz, nämlich der Straße, wie in einem ruppigen Gesellschaftsspiel zu vergnügen. Natürlich immer unter dem hehren Motto von Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit.

Heute ist dieses kleine Spiel einer von politischen, sozialen und bunt zusammengewürfelten Minderheiten getragenen Parallelgesellschaft im Zuge der Möglichkeit des weltweiten gegenseitigen digitalen Austauschs von sachfernen Vorurteilen, abstrusen Verschwörungstheorien, ferner von häufig bestens dokumentierter Ignoranz und vom banalen Mitteilungsbedürfnis individueller Selbstfindungsprozesse getragen, zu einer echten Bedrohung der westlichen Demokratie entartet. Man stößt, weil es ja auch irgendwie chic zu sein scheint, reflexartig ins selbe Horn gegen angebliche Intoleranz und vorgeblichen Freiheitsentzug durch einen gerade gewählten Politiker, wobei man aber in der Wahl der Mittel just gegen jene moralischen Prämissen verstößt, die man der gehaßten Person mit lautem Horngetöse als die ihr innewohnenden Untugenden unterstellt.

Demokratie fordert man aber nicht ein, indem man gegen die demokratischen Grundregeln verstößt oder solche Verstöße deshalb beleidigt einfordert, wenn man eine korrekt verlaufene Kanzler- oder Präsidentenwahl nur deshalb nicht akzeptiert, weil der von einem selbst bevorzugte Wahlverlierer eine Frau und obendrein ( als sei dies eine Grundbedingung für Wählbarkeit) weniger konservativ ist als der Sieger. Welch eine Schande aber auch, daß Bürger demokratischer Nationen sich erlauben, ihre ganz eigenen politischen Ideale und personellen Wunschvorstellungen in ihre Entscheidungen bei staatstragenden Neuwahlen einfließen zu lassen. Welches Pack haben sich die Politiker denn da ausgesucht, das sie regieren müssen oder eben nicht regieren dürfen wie im vorliegenden Falle?

Was allerdings dem demokratischen System aber eine noch viel üblere und äußerst dornige Krone aufsetzt, ist die schmierenkomödiantische Beteiligung der Medien an diesem unwürdigen Schauspiel, an diesem politischen Schattentheater, das von ideologischen Rattenfängern inszeniert und als harmlos wirkendes Gesellschaftsspiel aufgeführt wird, um den eigenen fragwürdigen despotischen Zielen zur weltweiten Akzeptanz zu verhelfen. Und gerade diese sich als Heilsbringer tarnenden echten Rattenfänger bezichtigen jene sich frei äußernden, weil um ihre Zukunft besorgten, korrekt demokratisch handelnden Bürger der Rattenfängerschaft! Dies tut man vorsätzlich, weil man die Grundzüge einer echten Demokratie nur dann anerkennen will, wenn sie dem eigenen Geschmack und der eigenen Weltanschauung entsprechen und somit ins eigene Süppchen passen.

Fällt hier dem Leser nicht sofort eine ähnliche Strategie der in Panik verzweifelt gegen die neue deutsche Partei AfD anhetzenden üblichen Verdächtigen auf? Also, mir irgendwie schon! Leider für meinen intellektuellen Status aber allzu durchschau- und vorhersehbar, zudem in billigsten Stoff gehüllt. Eure Tarnung ist aufgeflogen, Leute!

Foto (überarbeitet): PRO Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

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