ALG-ebra: Die mysteriöse Arbeitslosenmathematik

Seit Jahren kann man beobachten, dass die Zahl der Jobsuchenden steigt, die Zahl der Arbeitslosen aber zurückgeht. Wie passt das zusammen? Der Deutschen Schutzverband gegen Diskriminierung e. V. (DSD) beschäftigt sich schon lange mit dem mathematischen Mysterium der Arbeitslosigkeit und bezweifelt, dass noch irgendjemand die offiziellen Zahlen glauben kann.

 „Wer Hartz IV bezieht, kann damit überleben, aber er kann nicht damit leben“, sagt Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net). Und auch wenn die offiziellen Zahlen der Arbeitslosigkeit immer wieder Positives verheißen; er glaubt nicht an die „geschönten“ Zahlen. Als arbeitslos gelte nur der, der der Agentur für Arbeit postwendend zur Verfügung stehe, erklärt Hoffmann: „Wer gerade krank ist, oder eine Maßnahme besuchen muss gehört ebenso wenig dazu, wie Langzeitarbeitslose, die älter als 58 Jahre sind. Auch die, die einen echten Job suchen und zwischenzeitlich in eine Arbeitsgelegenheit unter Sanktionsandrohungen zwangsverpflichtet wurden, fallen sofort aus der Statistik.“

Die Arbeitslosigkeit ist keine feste Größe und die ständigen Änderungen in den Gesetzen führen dazu, dass immer mehr Jobsuchende gar nicht als arbeitslos in der Statistik geführt werden. Der Jobboom, den Politiker und Medien so gerne propagieren, ist für den DSD-Geschäftsführer nicht real existent: „Wenn offiziell vermeldet wird, dass im Dezember nur 2,568 Millionen Menschen arbeitslos waren, dann kann ich da noch nicht einmal drüber lachen. Wer aber ständig erzählt, dass es aufwärts geht, muss auch die entsprechenden Zahlen hinter sich haben.“

Wegen der politischen Brisanz spricht Uwe Hoffmann nur ungern über die Flüchtlinge, die sich in den kommenden Jahren in die Statistik einfügen werden. Im Dezember 2016 tauchten 175.000 Asylbewerber in der Statistik als arbeitslos auf. Der DSD-Geschäftsführer: „Das klingt gar nicht so schlimm. Aber tatsächlich gelten mehr als 420.000 Flüchtlinge als arbeitsuchend. Zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitslosen gibt es für den Laien keinen Unterschied. Für die Statistik ist das Zurechtbiegen der Begriffe ein Segen.“

Immer mehr Menschen und Meinungsmacher begreifen langsam, dass es die Jobs, die wir brauchen würden, gar nicht mehr gibt. Und in der Zukunft werden es noch weniger. Uwe Hoffmann: „Langfristig muss man Hartz IV abschaffen und das bedingungslose Grundeinkommen ernsthaft diskutieren.“ Denn solange man mit den Zahlen nach Gutdünken jongliert, werden sie auch für politische Interessen missbraucht. „Es wird höchste Zeit, dass die Politik die Arbeitsproblematik im Land klar und deutlich analysiert. Das Rechnen mit der Arbeitslosigkeit bezeichne ich persönlich als ALG-ebra. Und ALG-ebra ist unlogisch und funktioniert nicht“, sagt Hoffmann.

Foto: Collage

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