Türkei: Atatürk verschwindet aus den Lehrbüchern!

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Ab Februar wird Darwins Evolutionstheorie nicht mehr an türkischen Gymnasien gelehrt, dass berichtet der Bayernkurier.

Der türkische Bildungsminister Ismet Yilmaz stellte jetzt seine neuen Lehrpläne vor: „Darwins Untersuchungen führten zu einer Theorie, ähnlich wie die Physik die Theorie vom Urknall hervorbrachte. Diese Themen müssen separat außerhalb des schulischen Lehrplans erörtert werden“, zitiert die türkische Zeitung Haberturk den Bildungsminister.

Säkularismus, Atheismus und Wiedergeburt gelten ab nächster Woche als „problematische Überzeugungen“ und „Krankheiten“ und sollen im Zuge der Islamisierung des Landes ebenfalls vom Lehrplan getilgt werden.

Geht es nach Präsiden Erdogan und seinen Helfern im Bildungsministerium verschwindet auch der Gründer und überzeugter Säkularist Mustafa Kemal Atatürk zukünftig aus den Lehrbüchern und Köpfen der heranwachsenden Generationen. Auch über seinen Nachfolger Inönü, der das Land aus dem Zweiten Weltkrieg heraushielt, erfahren Schüler nichts mehr.

Dafür wird in den religiösen höheren Schulen der Dschihad, der „Heilige Krieg“, in die Schulbücher aufgenommen und Arabisch als verpflichtende Sprache eingeführt.

Noch beschwichtigt die AKP kritische Stimmen mit den Worten, dies sei nur ein Entwurf. Doch wohin die Reise unter Erogan geht ist schon lange kein Geheimnis mehr.

2012 sah der Regierungskritiker Kerem Cankocak im Deutschlandfunk einer dunklen Bildungszukunft entgegen: „Demnächst müssen wir auch noch unterrichten, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Ohne rationale Wissenschaft kann dieses Land nicht existieren. Sonst landen wir im Mittelalter,“ orakelte er.

Der türkische Präsident Erdogan erklärte schon vor drei Jahren: „Als Präsident meines Landes kann ich nicht akzeptieren, dass unsere Zivilisation anderen Zivilisationen unterlegen ist.“

Seine Weltsicht, dass die Muslime Amerika entdeckt hätten, konnte er sich bisher noch nicht in die Lehrpläne einfließen lassen.

2014 wies Erdogan die Bildungseinrichtungen des Landes an, die Beiträge des Islams zur globalen Wissenschaft und Kunst verstärkt in den Vordergrund zu stellen.

Ob DITIB, mit 900 Moscheen in Deutschland der größte muslimische Verband und direkt der Religionsbehörde Erdogans unterstellt, versucht auch hierzulande die neuen Lehrpläne im Rahmen des von ihnen in vielen Ländern durchgeführten islamischen Religionsunterricht durchzusetzen, bleibt abzuwarten.

https://www.bayernkurier.de/ausland/21605-erdogan-laesst-lehrplaene-umschreiben

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