Jürgen Stark: Kaputt gespart – Der Druckfehlerteufel steckt im Detail

Von Jürgen Stark

„Die Tagesschau, Bild.de und der Tagesspiegel haben die meisten Rechtschreibfehler. Das ist das Ergebnis meiner Untersuchung von neun großen Nachrichtenmedien. Während bei Bild.de, Tagesspiegel.de, Tagesschau.de und Focus.de die jeweiligen Startseiten Fehler enthielten, dafür ihre Leitartikel aber fehlerfrei blieben, war es bei der Frankfurter Allgemeinen, der Süddeutschen und bei der ZEIT genau umgekehrt. Bei ihnen gab es lediglich Rechtschreibfehler in der Meldung „Nr.1“.“

Sebastian Pertsch, www.sebastian-pertsch.de

Es sind unabhängige Medienbeobachter und Blogger wie Sebastian Pertsch, die sich auf ihren Seiten als letzte Helden noch Gedanken über die deutsche Sprache und deren professionelle Verwendung Gedanken machen. Wobei auch hier letzte Einträge zum Thema „Druckfehlerteufel“ oftmals Monate bis Jahre zurück liegen. Das  hat einen Grund, ist kein Anlass zur Freude, denn die Allgemeinheit hat längst resigniert. Galt einst die strikte Beobachtung sämtlicher Texte hinsichtlich Grammatik, Orthografie und allgemeinen Schreibfehlern noch als Ehrensache der deutschen Verlage, ihrer Redaktionen und Redakteure, so hat sich im Zuge einer allgemeinen Verflachung unseres geistigen Lebens auch dieser einst so anspruchsvolle Bereich der Publizistik zurück entwickelt. Geradezu degeneriert wirken die deutschen Leitmedien zum Teil, wenn dem Leser bereits in Überschriften oder dem Vorspann knüppeldicke Schreibfehler entgegen kommen und unsanft ins Auge springen. Doch für ein kollektives Versagen gibt es immer übergeordnete Ursachen und Gründe, denn von peinlichen Einzelfällen kann längst nicht mehr die Rede sein.

Die Rede ist hingegen heutzutage seltsamerweise oft von „Qualitätsmedien“, was wohl als größte anzunehmende „Fake-News-Ente“ dieser Tage einzustufen wäre. Hahaha! Will man beim teilweise erbärmlichen Zustand in Sachen Satzbau, Grammatik und Schreibfehlern unseren Textmedien auch noch ein Qualitätssiegel umhängen, dann kann man ALDI auch gleich zum exklusiven Feinkoster umetikettieren. Die Medien sind über die großen Nachrichtendienste wie dpa inzwischen tatsächlich so etwas wie Discounter geworden. Überall steht der gleiche Dünnsinn, weil überall derselbe Einheitsbrei von der Deutschen Presse-Agentur und anderen Textbrei-Lieferanten wie das Pressfleisch bei McDonald’s portioniert und in Häppchen ausgeliefert wird. Redakteure sind allenthalben noch billige (und willige) Geschmacksverstärker, meist aber nicht einmal mehr das. Fast Food ist das Geschäft der Verlage geworden, alles soll nichts kosten, vor allem nicht die Mitarbeiter – und schon gar nicht mehr die Freien, denn Text ist nur noch Billigware und soll im Interesse der Mächtigen auch die Leser weder an- noch aufregen.

Dem legendären Rudolf Augstein wird nachgesagt, dass er einst bei seinem Spiegel schon mal redaktionelle Mitarbeiter feuerte, wenn diese offensichtlich handwerkliche Fehler produzierten und nicht den nötigen Anteil „Deutschlehrer“ in sich hatten. Beim Axel Springer Verlag in Hamburg gab es noch vor etlichen Jahren ein Korrektorat, wo nur jene „Deutschlehrer“ saßen, die sich sämtliche Artikel aus allen Springer-Publikationen vor Drucklegung finster entschlossen und hartnäckig mit Rotstift vornahmen, wie der Betriebsprüfer vom Finanzamt die Steuererklärungen der selbständigen Bürger. Lang, lang ist’s her.

Gehe in eine Tankstelle, dorthin, wo wie auf Containern Taschenbücher hochgestapelt liegen. Darüber die Inschrift: „Aus der Spiegel-Bestsellerliste“ – greife dir ein x-beliebiges Buch. Schlage es auf, mit großer Chance kommen dir bereits auf den erstes Seiten oder mittendrin schlimmste Schreibfehler entgegen. Merke: Nicht einmal bei Bestsellern legen die Verlage noch Wert auf urtypische Produktqualität und investieren in sattelfeste und sprachmächtige Lektorate, die jedem Fehler in der Literatur den Garaus machen und die Fehler, Exorzisten gleich, als echte Teufel austreiben. Qualitätsmedien für’n Arsch! Voll krass, ey!

Wozu noch Niveau, wenn die Politik ihres auch von Wahl zu Wahl und von Spitzenkandidat zu Spitzenkandidat immer tiefer legt. Wenn bundespolitische GrünInnen wie Frau Künast beim Washington-Besuch Bildungslücken offenbaren, die die Dimensionen von tiefen Kratern nach Meteoriteneinschlägen haben, dann darf man sich über ein allgemeines Sprachniveau in Leitmedien, welches sich mehr Richtung Hauptschule denn Gymnasium orientiert, auch nicht mehr wundern. Unter ihrem Foto am Denkmal von Abraham Lincoln textete die Künast: „Ich und Washington in Washington“ – das Netz donnerte sich wochenlang angesichts dieser unserer „Qualitätspolitiker“ auf die Schenkel. Nun übernimmt eine einstmals verkrachte Existenz aus Würselen den SPD-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur. Der Genosse Schulz schaffte weder Schulabschluss noch Fußballerkarriere, also übernahm er sichtlich saufend eine Buchhandlung, die er wohl beschwipst in die Insolvenz mangels jeglicher Kompetenz stürzte. So isses in diesa Doitschland: Jeda kannn Mittmachänn, wossu Bülldungg????!!! Literatur für verkrachte Existenzen, Topjobs für Verlierer, Niveau nur noch in Schaltjahren und dann auch nur an drei Tagen. Gute Nacht, Deutschland…..

„Als regelmäßiger SPON-Leser finde ich in nahezu jedem Artikel Rechtschreibfehler, meist sogar mehrere pro Artikel. Noch schlimmer in Bildunterschriften zu Fotostrecken. Da fehlen mitunter ganze Satzteile, oder interne Kürzel werden vor dem Veröffentlichen nicht korrigiert. Beispiel von heute (Reisebericht eines Redakteurs aus Spitzbergen): ‚hemdsärmlich‘ statt ‚hemdsärmelig‘. Ok, so krass ist es selten – aber auch Buchstabendreher und/oder fehlende Buchstaben sollten nicht vorkommen.“

Tba, Online Leserkommentar auf www.sebastian-pertsch.de

http://www.sebastian-pertsch.de/1474/nachrichtenmedien-fehlerteufel-rechtschreibfehler.html

 

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