KÖSTLICHKEITEN AUS DER DEUTSCHEN PRESSEKÜCHE

Medienkritik (Foto: Collage)

Im FOCUS gibt es eine nette kleine Sammlung deutscher Pressestimmen zu Donald Trumps erster Woche im Amt. Man scheint sie für bedenkenswert zu halten. Meinereiner könnte sich kringeln.
http://www.focus.de/politik/ausland/so-kommentiert-deutschland-eine-woche-trump-im-amt-trump-betreibt-symbolpolitik-statt-probleme-zu-loesen_id_6553770.html

Von Max Erdinger

Mit der FAZ geht´s los – Zitat: > Die Frage, ob Amerika sich an das Folterverbot halten oder zum ‚Waterboarding‘ zurückkehren soll, behandelt Trump so, als ginge es darum, welches Surfbrett mit in die Ferien zu nehmen sei: Er will da ganz den Empfehlungen seines Verteidigungsministers und des CIA-Chefs folgen. Wozu hat man Personal? Rechtliche und moralische Bedenken plagen Trump, der ‚Feuer mit Feuer‘ bekämpfen will, offenkundig nicht. Was ist das simulierte Ertränken auch schon im Vergleich zum Abhacken von Köpfen? Trump treibt eher die Frage um, ob die Wasserfolter bei Verhören auch funktioniert. Hoffentlich erinnern Mattis und Pompeo Trump daran, dass er US-Präsident ist, nicht IS-Präsident.“ < – Zitatende.

Wenn man bei der FAZ nicht so voreingenommen gegen Trump wäre, hätte man seine Äußerungen zum Waterboarding auch als erfrischenden Realitätssinn beschreiben können. Entschuldigung, FAZ: Daß meinereiner sich darüber grämen soll, wenn IS-Terroristen, die zuvor unbeschreibliche Gräueltaten begangen haben, ein bißchen watergeboardet werden, ist eindeutig zu viel verlangt. Die Menschenrechte gelten für Menschen. Für Bestien gelten sie nicht. Außerdem ist es ein sehr entgegenkommender Zug, mit IS-Terroristen die Sprache zu sprechen, die sie auch verstehen. Radikalen wie dem IS ist die geistige Schönheit hinter westlichem Humanitätsgedusel nämlich gänzlich wurscht. Das muß man halt tolerieren, weil Toleranz schließlich klasse ist –  und sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: Nämlich, daß der IS vernichtet wird. Gerne auch zu seinen eigenen Bedingungen, wenn es hilft. Man soll sich ja selbst nicht so wichtig nehmen, gelle?

Das Handelsblatt – Zitat: >“Ideologisch steht der US-Präsident Wladimir Putin näher als Angela Merkel. Er denkt in den martialischen Kategorien nationaler Selbsterhaltung.“

Ich bitte hiermit um Verständnis dafür, daß sich Trump ideologisch näher an Putin als an Merkel befindet. Bei Putin weiß man nämlich, wo er steht. Merkel hingegen stand innerhalb nur einer Dekade schon überall. Es ist fast egal, worum es geht: In deutschen Pressearchiven ist nachzulesen, wie unterschiedlich Merkel sich je nach täglichen Opportunitätserfordernissen zu fast jedem Thema schon positioniert hat. Wenn es aber heißt, nationale Selbsterhaltung falle in die Kategorie „martialisch“, dann fragt meinereiner sich, welche bewußtseinsverändernden Drogen beim Handelsblatt zum Frühstück gereicht werden. „Was, Sie wollen überleben? – Sie Kriegstreiber!“ –  Geht´s noch?

Die Süddeutsche Zeitung – Zitat: >“Trump ignoriert, was Obama und Bush begriffen hatten: Die USA dürfen bei aller Terrorabwehr keinen Krieg gegen eine Weltreligion führen. Trump hingegen ächtet die Muslime als solche. Er bekämpft nicht das Feuer der Extremisten, sondern facht es an.“< – Zitatende.

Anders herum wird ein Schuh daraus, Süddeutsche Zeitung. Trump hat begriffen, was Obama und Bush ignoriert haben. Es kommt nicht darauf an, in erster Linie fair gegen Muslime zu sein, sondern darauf, nicht islamisiert zu werden. Eine sehr zutreffende Feststellung dabei ist, daß man als die Vereinigen Staaten von Amerika darauf pfeifen kann, ob man das Feuer der Extremisten anfacht oder nicht, weil es eh darum geht, einen Kulturkampf zu gewinnen, der mit den dem Westen heiligen Mitteln des Dialogs und des besseren Arguments schon deswegen nicht zu gewinnen ist, weil sich islamische Welteroberungsphantasten nicht die Bohne für die Heiligkeit westlicher Mittel interessieren. Die islamische Welt akzeptiert knallharte Fakten und sonst nichts. Ob sie das zähneknirschend tut oder nicht, muß leider nachrangig bleiben – und der Westen muß seine ganze Schöngeistigkeit für sich alleine behalten. Bezaubernd ist das zwar nicht, aber dafür ist es realistisch. Die Macht hat, wer sich durchsetzt. Und wenn sich die USA gegen das Feuer der Extremisten partout durchsetzen wollen, dann werden sie das schaffen. Dabei spielt die Größe des Feuers eine untergeordnete Rolle. Das wissen auch die Extremisten.

Alles in allem muß ich aber konstatieren, daß eine Woche Trump als US-Präsident schon ausgereicht hat, um den arroganten Ton abzumildern, mit dem ihm die deutsche Presse noch bis zu seiner Wahl beizukommen versuchte. Inzwischen ist man immerhin so weit, sich Antworten zu überlegen auf das, was er gesagt oder getan hat, anstatt sich herablassend darüber zu äußern, daß er überhaupt etwas gesagt hat. Als alter Optimist und Schulterklopfer füge ich deshalb nur an: Das wird schon noch, deutsche Journaille! Trump wird dafür sorgen, daß ein ehernes Gesetz seine Gültigkeit zurückerhält: Es kommt nicht darauf an, den ersten Preis bei „Schöner Denken“ abzuräumen, sondern darauf, die Realität zu erkennen. Wenn ihr das wieder begriffen habt, könnt Ihr dem lieben Donald Trump ja einmal ein herzliches Dankeschönbriefchen schreiben und ihn anständig um Vergebung bitten. Was übrigens meine Kritik angeht: Nichts zu danken!

Wandere aus, solange es noch geht!
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