Jürgen Stark: taz kehrt zurück: Nichts ist aufregender als die Realität

Schon seit einer Weile fällt auf, dass ein Flaggschiff linksalternativer Berichterstattung sich um Ausbruch aus der politisch korrekten Zwangsjacke bemüht. Lassen wir mal von polemischen Anwürfen, wie dem vermeintlichen Unwort von der „Lügenpresse“. Aktion und Reaktion verführen bekanntlich stets beide Seiten zur holzschnittartigen Wahrnehmung, im 21. Jahrhundert doch etwas sehr rustikal. Die Rede ist von der inzwischen in die etablierten Jahre gekommenen Berliner Tageszeitung, kurz: der taz. Sie durchkreuzt den Mainstream. Wunder gibt es immer wieder, wer hätte das gedacht…?!

Von Jürgen Stark

In einem erstaunlich um Sachlichkeit, Differenziertheit und Objektivität bemühten Artikel um eine transsexuelle AfD-Wählerin aus Baden-Württemberg stellt sich die Autorin Elsbeth Föger ganz einfach auf die Seite der Wahrheit. Simpel und klar. Bravo! In diesen Tagen ist bekanntlich alles, was irgendwie politisch agiert aber nicht Mitglied des Deutschen Bundestages ist, unter feindlicher Beobachtung, ideologischem Beschuss und stets an der Grenze zum Verlust der bürgerlichen Freiheiten – und sei es nur die Freiheit der eigenen Reputation und Berufsausübung. In Zeiten des Wahrheitsverlustes unter einer postfaktischen Kanzlerin, die das Land wie ihre Privatsache führt und umkrempelt, ist der Verlust einer freien und unabhängigen Presse für den Bürger besonders schmerzhaft. Ist die taz also auf Wanderung zum Leser, der sich bekanntlich von einer ivw-Umfrage zur nächsten immer weiter von den konventionellen Medien entfernt und diesen nie gekannte Auflagenrückgänge beschert?! Aufklärung war niemals sozialistisch, Aufklärung ist heute ähnlich bedroht wie das Erbe des europäischen Humanismus. Also, willkommen an Bord, liebe taz’ler, bleibt doch noch ein bisschen….!

„Iris Dankwarth ist transsexuell, mit einer Muslimin verheiratet, und sie wählt die AfD. Die Geschichte einer Frau auf der Suche.“ Man darf sich wundern, es folgt kein Hass und keine Häme sondern ein einfühlsames Porträt der Autorin, welche sich auf den gesunden Pfaden journalistischer Neugier bewegt. So kann eine wirklich erstaunliche Geschichte erzählt werden, die hier nicht vorweg genommen sondern lediglich zum Lesen empfohlen werden soll. Humanistisch ist allein die Auseinandersetzung mit der Transsexuellen, die vor allem auch etwas schwarzen Humor in die Story einbringt. „Ich habe bisher keine Bomben gebaut. Und ich laufe auch nicht in schwarzen Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln herum.“ In ihrem mehr als schwierigen Leben benötigt sie diesen Humor, in dieser Story ist diese Haltung Salz und Pfeffer in der Suppe – hier können Linke, Liberale und Rechte mal gemeinsam lachen, nachdenklich werden, mitfühlen. Das hohe Gut der Aufklärung veredelt diese tolle Geschichte weil sie sie zur rechten bzw. linken Zeit kommt und alle Menschen daran erinnert, dass es eigentlich nur unsere Voreingenommenheit ist, die andere in Schubladen steckt, die oft viel zu klein, zu unpassend und manchmal völlig falsch zur Aufbewahrung sind. Dieser Ex-Mann bzw. diese Jetzt-Frau schwimmt als Avantgarde im völlig verkorksten Wahljahr gegen den Strom, gegen die Etiketten, gegen den Zwang sich ein Leben auf alles und jedes festzulegen – egal, ob politisch, beruflich, gesellschaftlich, sozial oder sexuell. Das ist mehr als mutig . Das ist genial. Dieser Artikel könnte Brücken bauen, die von Hass und Spießertum zerstört wurden. Danke, taz….

http://www.taz.de/!5371637/

Wandere aus, solange es noch geht!
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