Frontex muß Boat People aus Hollywood retten

Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten haben nach dem Brexit und der Präsidentenwahl die Gelegenheit ihre Wirtschaftsstruktur etwas in Ordnung zu bringen.

Von Wolfgang Prabel

Im Gegensatz zu Deutschland und vielen anderen Staaten war die Industrie in Großbritannien zu einem Mikroorganismus geschrumpft. 12 % war 2010 der Anteil der Industrie am BIP, 10 % brachten dagegen Finanzdienstleistungen. Zum Vergleich: In Deutschland hatte die Industrie 2016 einen Anteil von 26 %.

Die Finanzbranche sorgt vor allem in der Hauptstadt London für zahlreiche gutbezahlte Arbeitsplätze. Der Finanzsektor spülte jahrelang hohe Steuereinnahmen in die Kassen der britischen Schatzkanzler. Mehr als ein Drittel des gesamten europäischen Großkundengeschäfts der Banken wird in London abgewickelt, und die Finanzbranche ist mit ihrem internationalen Geschäft die wichtigste Stütze der britischen Leistungsbilanz.

Zum angelsächsischen Sozialismus a la Tony Blair gehörte erklärtermaßen die Ablösung der Realwirtschaft durch Bank- und Versicherungsdienstleistungen sowie Real Estate (Immobilienwirtschaft). Das lief eine Zeit lang ganz prima. Mit Steuern aus den Bankgewinnen wurden in den Wunderländern des Geldsozialismus sogar Staatsschulden zurückgezahlt, die Wachstumsraten waren viel höher als in Old Germany, man brauchte sich nicht mehr mit der alten Arbeiterklasse rumzuschlagen, weil es die kaum noch gab. White-Collar-Worker mit Blackberrys und Tablets wurden zur Anhängerschaft von New Labour. Man führ mit dem Elektrofahrrad in den solargeheizten Bankenturm und opferte auf dem Altar des Mammons.

Blair regierte von 1997 bis 2007. Bei seinem Amtsantritt betrug das BIP 1.439 Mrd. US-$, im letzten Regierungsjahr 2007 2.963 Mrd. US-$. Dem lag ein Wachstum von 7 % pro Jahr zugrunde. Elf Jahre lang. In Wirklichkeit war es elf Jahre lang vor allem das künstliche Aufblasen von Vermögenswerten, insbesondere die Hauspreise stiegen stark und wirkten sich auf das BIP aus. Nach der Finanzkrise waren 2009 noch 2.309 Mrd. US-$ übrig geblieben. Mehr als 650 Milliarden hatten sich binnen zweier Jahren einfach in heiße Luft aufgelöst, insbesondere auf Grund einer wieder realistischen Bewertung von Häusern und Grundstücken.

Großbritannien hat sein Geschäftsmodell seit 2008 angesichts dieser Widrigkeiten nicht grundlegend geändert. Sozialistische und konservative Bienenschwärme fliegen in die Parlaments- und Ministeriumswaben hinein und wieder heraus, die Bankenlastigkeit blieb.
Ist der Brexit nicht eine Chance, daß ein Teil der Finanzdienstleister nach Frankfurt auswandert und unter dem Schirm günstiger Wechselkurse die britische Industrie wieder aufgebaut wird?

Ähnliche Wirkungen könnte der Trumpschock auf die Vereinigten Staaten haben. In Hollywood hat sich eine Macht etabliert, die seit Jahrzehnten am Weißen Haus vorbeiregiert. Die gestrige Ausrufung der Revolution durch eine bekannte Sängerin war nur der Höhepunkt antidemokratischer Aktivitäten.

Angeblich wollen ja nun Heerscharen von Antidemokraten die Staaten verlassen. Folgende  sogenannte „Celebrities“ sind im Gerede: Jon Stewart, Chelsea Handler, Neve Campbell, Barry Diller, Lena Dunham, Keegan-Michael Key, Chloë Sevigny, Al Sharpton, Natasha Lyonne, Eddie Griffin, Spike Lee, Amber Rose, Samuel L. Jackson, Cher, George Lopez, Barbra Streisand, Raven-Symoné, Whoopi Goldberg, Omari Hardwick, Miley Cyrus, Ruth Bader Ginsburg, Amy Schumer und Katie Hopkins. „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston hatte zudem seine Auswanderung angekündigt, sollte Trump ins Weiße Haus einziehen. Bereits im Juli 2016 hatte Matt Damon angedeutet, bei einem Sieg Trumps umziehen zu wollen: „Vielleicht ziehe ich ja nach Berlin. Lasst ein Licht für mich brennen!“. Der Kanadier Neil Young will in seine Heimat zurückkehren. Der Schauspieler Jürgen Prochnow („Das Boot“) zieht nach Berlin – auch wegen Donald Trump. „Die Entscheidung zurückzukommen, ist schon vorher gefallen, meine Frau wollte drüben nicht leben“, sagte Prochnow der Alpenprawda.

Ehrlich: ich habe aus dieser Emigrantenliste nur von Cher, Miley Cyrus, Babra Streisand und Neil Young mehr oder weniger einen Begriff. Genauso wie ich vom Dschungelcamp nur zwei Leute kenne: Thomas Häßler und Königin Kader, die 2005 in „Die Burg“ mitgespielt hatte. Der Prinz von Anhalt hatte ihr damals in ihre antike Badewanne des späten Mittelalters oder der frühen Neuzeit gepinkelt. Sonst wäre sie lange vergessen.

Ganz spannend könnte es werden, wenn Kalifornien aus der Union austritt. Entsprechende Bestrebungen gibt es. Hollywood liegt in diesem Bundesstaat und die ganzen A-, B- und C-Promis bräuchten nicht nach Berlin umziehen.
Für die Vereinigten Staaten ist die Stärkung des gewerblich-technischen Sektor gegenüber der Traumfabrik eine große Chance. Es ergäbe sich mehr Bodenhaftung.

Britannien kann sich von den Bankern befreien und Amerika von den Schauspielern. Gemeinsam ist diesen beiden Berufszweigen das Erzeugen von Blasen. Vermögensblasen und Seifenblasen der Ideologie. Zumindest kann ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Realisten und Träumern hergestellt werden.

Foto: Pixabay/ CC0 Public Domain

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