Parallelen zu Hitler: Der Papst und die Rechtspopulisten

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Parallelen zwischen dem Aufstieg Adolf Hitlers und den neuen rechtspopulistischen Bewegungen in Europa hat Papst Franziskus in einem Interview mit der Welt am Sonntag gezogen. Unter anderem hat er darin das Folgende von sich gegeben:

In Krisenzeiten suchten die Menschen „einen Heilsbringer, der uns unsere Identität wiedergibt“, sagte Franziskus. „Wir schützen uns mit Mauern und Stacheldraht vor den anderen Völkern, die uns unsere Identität nehmen könnten.“ Das sei „sehr schlimm“.

Von Michael Klein

Das Jahr 1933 in Deutschland sei „typisch“. Deutschland habe sich in einer Krise befunden und seine Identität gesucht. „Da kam dieser charismatische Anführer und versprach, ihnen eine Identität zu geben. Aber er gab ihnen eine verquere Identität, und wir wissen, was dann passiert ist.“

dr-murkes-gesammeltes-schweigenWir denken in letzter Zeit häufig an das einzige Werk von Heinrich Böll, das wir für lesenswert halten: Dr. Murkes gesammeltes Schweigen. Bekanntermaßen ist Dr. Murke darin als Mitarbeiter des Rundfunks mit dem prätentiösen und dummen Geschwätz von Professor Bur-Malottke konfrontiert, der es plötzlich für besonders wichtig hält, das Wort „Gott“ durch die Beschreibung „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ zu ersetzen. Murke macht sich einen Spaß daraus, die Sprechpausen des Bur-Malottke zu sammeln und aneinanderzureihen, quasi als einzigen Redebeitrag, den man ertragen kann.

Wir wünschten, die Redebeiträge vermeintlicher Experten in Sachen Extremismus oder Populismus wären in vielen Fällen „gesammeltes Schweigen“. Dann wäre die Welt ein besserer Ort, denn man müsste nicht Tag um Tag den sprachlichen Unrat, den andere über einem ausgießen, aus dem Weg räumen.

Nehmen wir z.B. den sprachlichen Unrat des Papstes, von dem man nicht nur feststellen muss, dass er vollkommener Unsinn ist, schon weil es keinen Automatismus gibt, der die Suche nach einer Identität in Zeiten der Krise bei Hitler oder anderen „charismatischen Führern“ enden sieht, wie man leicht daran feststellen kann, dass dieselbe Krise in anderen Ländern Staatsmänner wie Franklin D. Roosevelt als Nachfolger von Herbert Hoover als US-Präsident oder zwei Radikalsozialisten, nämlich Gaston Doumerge und Paul Doumer als Staatsoberhaupt Frankreichs oder Ramsey MacDonald, von der britischen Labour Partei, an die Macht gebracht oder an der Macht gehalten hat. Wäre also die Krise die Zeit, in der ansonsten brave Bürger nach einer Identität und nach einem charismatischen Führer Ausschau halten, dann müsste man erklären, warum sie das nur in Deutschland zu tun scheinen.

Davon abgesehen ist der Papst offensichtlich der Ansicht, die Welt sei voller suchender Lemminge, die darauf warten, dass ein charismatischer Führer auftaucht, der ihnen einen Lebenssinn und eine Identität gibt. Dieses Menschenbild mag erklären, warum die katholische Kirche es in all den Jahrtausenden ihres Bestehens regelmäßig geschafft hat, mit allen möglichen autoritären und totalitären Herrschaftssystemen ihren Frieden zu machen, es aber bis heute nicht schafft, Menschen als freie Individuen mit einem freien Willen ernst zu nehmen.

Vergelten wir Gleiches nicht alttestamentarisch mit Gleichem: Nehmen wir den Papst kurz Ernst, wenn er behauptet, dass Krisen anfällig machen für charismatische Führer und dazu führen, dass Menschen ihre Identität durch Zuordnung zum charismatischen Führer und der „verqueren Identität“, die er bietet, finden. Dann muss man feststellen, dass die katholische Kirche an erster Stelle der anfälligen Identitätssucher steht, denn nur kurze Zeit nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und nach dem Ermächtigungsgesetz, nach der Zerschlagung der Gewerkschaften und den ersten unverkennbaren Zeichen, mit welchem verqueren charismatischen Führer man es nunmehr in Deutschland zu tun habe, hat die katholische Kirche am 20. Juli mit Nazi-Deutschland das Reichskonkordat geschlossen. Damit hat der Vatikan nicht nur die eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht und u.a. dafür gesorgt, dass Eigentum der katholischen Kirche, Eigentum der katholischen Kirche bleibt und nicht etwa wie jüdisches Eigentum enteignet werden kann, er hat auch dafür gesorgt, dass es katholische Geistliche sein werden, die im Kriegsfall den Soldaten der deutschen Wehrmacht spirituellen Trost sprechen.

Natürlich hat der Vatikan durch den Abschluss des Konkordats der Regierung Hitler, also jenen verqueren Identitätsstiftern, Legitimation und Anerkennung verliehen und darüber hinaus deutlich gemacht, dass es die Aufgabe von Katholiken ist, sich der Regierung Hitler, komme, was da wolle, unterzuordnen:

hitler-reichskonkordatjpg“ Artikel 16
Bevor die Bischöfe von ihrer Diözese Besitz ergreifen, leisten sie in die Hand des Reichsstatthalters in dem zuständigen Lande bzw. des Reichspräsidenten einen Treueid nach folgender:

„Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande… Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtmäßigen Sorge, um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen geistlichen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte.“

Wenn die Parallelen zwischen Rechtspopulisten und den Nazis für den Papst also so offenkundig sind, dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es zu Verhandlungen zwischen Vatikan und Rechtspopulisten kommt, um einen Vertrag zu schließen, der dem Vatikan Vorteile gegenüber anderen Religionsgemeinschaften für den Fall verschafft, dass Rechtspopulisten an die Macht gelangen.

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Parallelen zu Hitler: Der Papst und die Rechtspopulisten

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