DIE NATIONALTOLERANTEN

Das deutsche Wahrheitsmedium (Foto: Collage)

„Marine Le Pen, Geert Wilders und Frauke Petry: In Koblenz tagt die Prominenz des europäischen Rechtspopulismus. Tausende von Demonstranten protestierten im Gegenzug für Toleranz und Weltoffenheit.“ So steht es bei SPIEGEL-Online – und niemandem dort scheint aufgefallen zu sein, daß bereits dieser erste Satz unlogisch ist.

Von Max Erdinger
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/koblenz-tausende-demonstrieren-gegen-rechtspopulisten-a-1131084.html

Geert Wilders stammt aus den Niederlanden, Marine le Pen aus Frankreich und Frauke Petry aus Deutschland. Daß sie sich in Koblenz getroffen haben, ist also ein schöner Beweis für deutsche Weltoffenheit und Toleranz. Was es da „im Gegenzug“ zu demonstrieren gab, bliebe einem ein Rätsel, wüßte man nicht, wie es in Publikationen vom Schlage SPON gemeint ist. Bei SPON ist man der Ansicht, daß sich Weltoffenheit und Toleranz zeigen, wenn man dafür protestiert und daß das sogar in Deutschland glaubhaft möglich sei. Tatsächlich weltoffen und tolerant braucht man dafür nicht zu sein. Malu Dreyer (SPD), rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, brachte es auf den Punkt, als sie sagte, das internationale Treffen in Koblenz habe es notwendig gemacht, ein Zeichen zu setzen. Und bei Gott: In Deutschland werden in einem fort Zeichen gesetzt, daß die Heide wackelt, so weltoffen und tolerant sind Helldeutsche. Es gilt: Egal, wer und wie Du bist – setze jederzeit ein Zeichen. Interessant ist allerdings, wo überall nicht protestiert wird und welche Zeichen daher ungesetzt beiben. Was fällt einem dazu spontan alles ein?
Von jeglichem gesetzten Zeichen unbesetzt geblieben ist bei aller helldeutschen Weltoffenheit zum Beispiel die südafrikanische Botschaft. Seit 1994 wurden in Südafrika mehr als 70.000 weiße Südafrikaner allein ihrer Hautfarbe wegen ermordet und auch die Schwarzen untereinander schenken sich nichts. Alljährlich gibt es 25.000 Morde in der „Rainbow Nation“ der toleranten und weltoffenen Zeichensetzer aus Deutschland. Zu Apartheidszeiten waren es ca. 170 pro Jahr. Wenn es – wovon ich allein wegen der Etymologie des Wortes „Toleranz“ überzeugt bin (tolerare = ertragen) – , ein erstes Zeichen von Toleranz gibt, dann wäre das, diejenigen einfach am Leben zu lassen,die man eigentlich nicht ausstehen kann. Die südafrikanische Botschaft wäre ein idealer Ort, um für Toleranz und Weltoffenheit zu demonstrieren. Dort protestiert aber keiner. Wäre ich naiv, müßte ich anfügen, es sei mir ein Rätsel, warum nicht.
Oder der Hauptstadtflughafen BER. Flughäfen sind die Tore zur Welt. Alle möglichen Leute kommen zur Freude aller Weltoffenen und Toleranten über Flughäfen ins Land. Aber niemand protestiert dagegen, daß der Hauptstadtflughafen, obwohl er bereits Milliarden an Euros verschlungen hat, partout nicht eröffnet werden kann. Wozu auch gegen einen Flughafen protestieren, der sich vor lauter Schwierigkeiten nicht welteröffnen lassen will? So hieß es in der gestrigen Tagesschau: „Der Hauptstadtflughafen kommt nicht aus den Schwierigkeiten heraus.“ In Koblenz protestierten also vermeintliche Freunde von Toleranz und Weltoffenheit, denen man ansonsten weismachen kann, die Flughäfen selbst hätten Schwierigkeiten, nicht Verantwortliche für Flughäfen mit und wegen Flughäfen.
Das Bundeskanzleramt wäre auch ein idealer Ort, um für Weltoffenheit und Toleranz zu demonstrieren. Unter seinem Dach soll nämlich demnächst Merkels „Wahrheitsministerium“ seine „Arbeit“ aufnehmen. Da es etwas Vergleichbares in den weltoffenen und toleranten Nationen der freien Welt nirgends gibt, wäre Merkels Kanzlerinnenpalast ein idealer Ort, um gegen rückwärtsgewandte Einigelungstendenzen nationalistischer Art ein Zeichen zu setzen. Das Internet mit seinen sozialen Medien ist schließlich das Paradebeispiel für Weltoffenheit. Es nimmt schweren Schaden an seinem Segensreichtum, wenn es von dumpfdeutschen Nationaltoleranten einfach zensiert wird.
Welche Zeichensetzer haben sich da also getroffen in Koblenz, am ganz falschen Ort? Durch die Bank sind das Leute gewesen, die bisher eine  ganze Menge wichtiger Zeichen ungesetzt ließen. Es hat nunmal mit Toleranz nicht das geringste zu tun, wenn ein geschiedener Vater seine eigenen Kinder nur alle zwei Wochen für ein Umgangswochenende zu sehen bekommt, weil das ein Familiengericht so beschlossen hat. Haben dagegen schon einmal Tausende ein Zeichen gesetzt? Intolerant bis auf die Knochen ist es, vernünftigen Bürgern den Einkauf alkoholischer Getränke an Tankstellen nach 22 Uhr zu verbieten. Dagegen hätten schon längst ein paar Zeichen gesetzt gehört.
Aber ausgerechnet in Koblenz, wo mit dem Treffen von Wilders, le Pen und Petry beispielhaft Toleranz und Weltoffenheit vorgelebt wurden, wo also die menschliche Gesellschaft einmal in ihrer ganzen Pracht zu besichtigen war, protestiert die dumme Bagage völlig überflüssigerweise für Weltoffenheit und Toleranz! Diesen gutmenschlichen Zeichensetzkomikern, – nicht wenige davon vermutlich mit einem Helmchen über der Pudelmütze zur Demonstration geradelt-, kann man nur zurufen: „Keine Toleranz der Intoleranz und der Dämlichkeit hirngewaschener Zeichensetzerinnen und Zeichensetzer! Ertragt einfach Trump, Wilders, le Pen und Petry im Namen der Toleranz! Auch bei ihnen handelt es sich um eine Teilmenge von „die Menschen“!“ Aber so ist das mit den Toleranten in der Bunten Republik Merkelstan inzwischen: Sie unterscheiden zwischen sich als Menschen und ihren politischen Gegnern als Unmenschen. Und auch nur deswegen, weil „Untermenschen“ nicht mehr geht. Tatsächlich betrachten sie ihre Gegner nämlich als Untermenschen. Nur sagen wollen sie es nicht, weil das den Schatten einer üblen historischen Vorbelastung auf ihre tolerante und weltoffene Wortwahl werfen würde.
Zitat: >“Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Verbänden hatte zu der Demonstration in Koblenz aufgerufen, Menschen mit SPD- und mit CDU-Banner standen Seite an Seite.“<-Zitatende.
„Breit“ ist ein Synonym für „besoffen“ oder „bekifft“. Einer, der total breit ist, ist zu nichts mehr zu gebrauchen. Insofern ist „breites Bündnis“ eine sehr treffende Bezeichnung für das undemokratische Zeichensetzergesindel, das sich da in Koblenz aus Toleranz- und Weltoffenheitsgründen zum Protest versammelt hatte. Von einem breiten Bündnis ist in Deutschland immer dann die Rede, wenn sich irgendwelche Anständigen im Rahmen ihres Aufstandes („Aufstand der Anständigen“) zusammenrotten, um in ihrer ganzen Intoleranz und weltfremden Borniertheit für Toleranz und Weltoffenheit zu demonstrieren. Hätten sich in Koblenz allerdings die Anhänger von Wilders, le Pen und Petry zu tausenden getroffen, um ihren politischen Hoffnungsträgern zuzujubeln, dann wäre mitnichten von einem breiten Bündnis die Rede gewesen, sondern von einem „Aufmarsch der Rechten“. Mehr zu „breites Bündnis“ kann man übrigens in Manfred Kleine-Hartlages hervorragendem Buch „Die Sprache der BRD“ nachlesen. Unter den 131 Unwörtern, die er untersucht hat, nimmt „breites Bündnis“ einen breiten Raum ein.
Sei es wie es sei: Gottfroh muß man sein, daß Trump amerikanischer Präsident geworden ist. Außenminister Steinmeier hat das schon richtig erkannt: Die Welt des 20. Jahrhunderts ist vorüber. Er bedauert das. Ich begrüße das. Schließlich ist das 20te Jahrhundert dasjenige mit den größten Massakern der Menscheitsgeschichte gewesen. Es ist mir völlig schleierhaft, wie man im Namen von Toleranz und Weltoffenheit bedauern kann, daß es vorbei ist. Eine Zäsur sei erfolgt mit der Wahl Trumps, meinte Steinmeier. „Na endlich!“, möchte ich anfügen.
Was man bei SPON völlig außer acht gelassen hat,  ist außerdem, daß dieser Protest in Koblenz ein isoliertes Nationalismusphänomen gewesen ist, wenn auch im Ungeiste eines negativen Nationalismus´. Von Ungarn über Polen und die Slowakei bis nach Tschechien und Rußland: Überall da, wo es ein ungebrochenes, tolerantes Verhältnis der Autochthonen zum Eigenen gibt, wäre eine Demonstration gegen Wilders, le Pen und Petry ausgeblieben. Insofern ist der SPON-Artikel auch nichts weiter, als die eitle Nabelschau eines Mediums, dessen Horizont sich bei aller zeichengesetzter Weltoffenheit an den eigenen, unbewachten Grenzen orientiert. Am deutschen Gutmenschenwesen soll halt wieder mal die ganze Welt genesen. Vergeßt es einfach, ihr alten Zeichensetzernazis. Ihr seid Geschichte!

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