Höcke-Debatte: Und täglich kreischt das Murmeltier

Von Thomas Böhm

Leider durchschauen die Verantwortlichen in der AfD das miese Spiel der linken Politiker und Medien immer noch nicht. Gerne nehmen sie den Ball der Zerstörung, den der politische Gegner ihnen zuwirft, auf und tragen ihn in die Partei, auf das diese auseinandergesprengt werde.

Ein aktuelles Beispiel dieser Naivität liefert uns der „Focus“. Er schreibt:

AfD-Vorstandsmitglied Dirk Driesang hat dem Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke den Austritt aus der Partei nahegelegt. Höcke solle entweder den Inhalt seiner Rede in Dresden vom Dienstagabend vollständig zurücknehmen und sich zukünftig in seinem Wirken streng auf Thüringen beschränken, „oder Sie sollten die Partei Alternative für Deutschland verlassen“, heißt es in einem Offenen Brief.

„Ziehen Sie die Konsequenzen, ändern Sie sich oder gehen Sie; ersparen Sie der Partei eine elendigliche Quälerei im Wahljahr!“, fordert Driesang in dem Brief, den er am Mittwoch an Höcke und an einige Mitglieder der Parteiführung schickte. In dem Schreiben heißt es weiter: „Falls es Ihr Ansinnen gewesen sein sollte, die AfD im Westen deutlich unter zehn Prozent zu drücken und bundesweit zu diskreditieren, so – das fürchte ich – haben Sie mit dieser Rede einen guten Teil der Strecke zurückgelegt.“

http://www.focus.de/politik/videos/nach-skandal-rede-in-dresden-ziehen-sie-die-konsequenzen-afd-vorstandsmitglied-fordert-hoecke-zum-parteiaustritt-auf_id_6515014.html

Es ist immer dasselbe und man hat das Gefühl in einem Karussell zu sitzen, dass sich ewig dreht und aus dem es kein Entrinnen gibt: Man ist verdammt dazu, an einem Ping-Pong-Spiel teilzunehmen, bei dem der Ball ständig von links nach rechts geschmettert wird, es aber keine Gewinner, sondern nur Verlierer gibt.

Egal ob Petry, Gauland, von Storch oder Höcke – jeder von diesen unerfahrenen Politikern ist schon mal in die Medienfalle gelaufen, wurde durch mutwillige Fehlinterpretationen und mit der Waffe des aus dem Zusammenhanggerissenen bedroht und in die rechte Ecke gestellt.

Wenn Frauke Petry das nächste Mal bei eingeschaltetem Mikrophon sagt, sie müsse mal für kleine Mädchen, würden die Geier sicherlich daraus die Schlagzeile machen:

„AfD bezeichnet Deutschland als Kloake!“

Sei einfach ist das mit den Medien in Deutschland nun mal.

Und immer wieder dabei zu beobachten: Kaum ist einer von ihnen ins Visier der Linken geraten, versuchen die anderen, daraus Kapital zu schlagen, um sich so einen dieser lukrativen Posten im Bundestag zu sichern.

Auch die „linksliberale“ Junge Freiheit spielt in diesem Ränkespiel mit, obwohl der von mir hoch geschätzte Autor Michael Paulwitz natürlich Recht hat, mit dem, was er schreibt:

Björn Höckes Dresdener Rede hat der AfD einen Bärendienst erwiesen. Das augenzwinkernde Kokettieren mit zweideutigen Formulierungen („wir wollen den vollständigen Sieg“), das aufgesetzte Ausschließlichkeitspathos, das rhetorisch überhöhte, holzschnittartige Entweder-Oder – das paßt nicht zum selbstgesetzten Anspruch einer „Vision“ der „inneren Erneuerung“ und lädt zur böswilligen Interpretation geradezu ein. Mußte das sein, diese Steilvorlage?

Ärgerlich an diesem mißglückten geschichtspolitischen Exkurs ist vor allem, was nicht gesagt wurde. So unterirdisch das notorisch reflexhafte Gepöbel des SPD-Vize Ralf Stegner („Hetz-Rede“, „Neonazipack“), so „Fake News“-verdächtig in den Leitmedien die schwarmdumme Verzerrung von Höckes Formulierung „Denkmal der Schande“ zu der Behauptung, er habe das Holocaustgedenken an sich als „Schande“ bezeichnet: Höckes „Erstaunen“ über die Negativberichterstattung ist unaufrichtig, zumindest gespielt…

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/hoeckes-baerendienst/

Leider vergisst Paulwitz, wie bereits oben erwähnt, dass Höcke nur das Sahnehäubchen auf dem AfD-Kuchen ist, dass der politische Gegner genießt, bevor er die ganze Partei verschlingt.

Auch im Netz (Achtung: Feind hört mit) kocht die Suppe der Empörung über, wird diskutiert, dass die Fetzen fliegen. Und jeder hat natürlich auf seine Art Recht, weil er für sich das hinein- oder hinausinterpretiert, was ihm richtig dünkt.

Zum Beispiel Hans-Thomas Tillschneider:

Das gesamte Establishment fällt jetzt über Björn Höcke her, weil er das wiederholt hat, was auch ein Martin Walser gesagt hat, als ihm 1998 der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen wurde. Ich habe kein Verständnis für diese Irrationalität, dieses reflexhafte Aufgejaule im Rudel, sobald jemand auch nur die leiseste Kritik an der Art und Weise übt, wie wir mit unserer Geschichte umgehen. Wir sind die Partei der Vernunft. Das heißt: Wir haben den Mut, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen! Wir unterwerfen alle Einstellungen, Gewohnheiten und unreflektieren Wertungen der etablierten Politik einer rationalen Kritik und machen keine Ausnahme. Kritik an der herrschenden Form der Vergangenheitsbewältigung muß möglich sein.

Auch wieder richtig. Nur, gab es einen aktuellen Anlass für diese Rede und die darauffolgende Debatte? Die Kommentare häufen sich wieder, wie bei fast jeder Äußerung eines AfD-Obersten:

Renate Sandvoß zeigt uns noch einen ganz anderen Aspekt auf:

Mußte das sein, Herr Höcke?

Keine Zeitung, keine Tagesschau, kein Magazin, das nicht Höckes Dresdener Rede auseinandernimmt und anprangert. Nachdem das NPD-Verbot schief gegangen ist, war es doch nur eine Frage der Zeit, dass sich das Augenmerk unserer linken Regierungsparteien auf die AfD richten werden. Der Prozess war meiner Ansicht nach sowieso nur ein Probelauf, denn die AfD ist es, die es aus dem Weg zu schaffen gilt. Da das NPD-Verbot lediglich an der Bedeutungslosigkeitt der Partei gescheitert ist, könnte man bei der AfD ja mehr Glück haben. Man muß der Partei nur Rechtsradikalismus nachweisen. Also wird jeder Satz der Parteivorsitzenden gefiltert und seziert und von allen regierungstreuen Medien begierig aufgenommen. Das sollte doch eigentlich jedes Mitglied dieser Partei wissen, oder? Warum  laufen dann trotzdem alle Vorstandsmitglieder wie Storch, Petry, Gauland, Höcke immer wieder in die gleiche Falle, indem sie Sätze vor der Kamera heraushauen, die doppeldeutig ausgelegt werden können? Wir haben in Deutschland zur Zeit so viele Probleme, dass wir gar nicht wissen, wo wir zuerst anfangen sollen. Ist es da notwendig, dass man dann über ein Kriegsmahnmal diskutiert?  Die AfD darf nicht zu einer Einthemenpartei werden. Und sie darf nicht mit dem Hintern einreißen, was sie in mühevoller Arbeit aufgebaut hat. Eine zweite Chance für eine neue Partei wird es nicht geben.

Wolfgang Hübner schreibt:

Die AfD gehört nicht der AfD allein!

Eine Ermahnung aus aktuellem Anlass

Die teils künstliche, teils echte Aufregung um Björn Höckes letzte Rede zeigt einmal mehr, dass es nicht immer und schon gar nicht zum falschen Zeitpunkt richtig ist, sich mit den wundesten Punkten deutscher Geschichte zu beschäftigen. Zwar hat Höcke keineswegs eine antisemitische Rede gehalten, denn dann wäre er auch ganz zu Recht politisch ein toter Mann. Aber er hat sich ohne Not in stark erbebengefährdete Zonen begeben, die leicht und ohne jeden politischen Opportunismus zu umgehen gewesen wären. Da war schon eine gewisse Lust an der Provokation in der Rede zu verspüren. Doch die Lage in Deutschland ist so, dass die größte, die weit wichtigere Provokation das Totalversagen der politischen und medialen Klasse ist.

Dieses Totalversagen bietet viel zu viele Ansatzpunkte für Generalkritik und das Aufzeigen konstruktiver Alternativen, um sich in Debatten zu verzetteln, die für den überwältigenden Teil der gegenwärtig lebenden Deutschen keinen Nutzwert haben. Es zeichnen sich zwar schon lange wesentliche Unterschiede in der Ausrichtung der AfD ab, die eines Tages auch eine Trennung unterschiedlicher Lager notwendig machen könnten. Im Hinblick auf die nahenden Landtags- und Bundestagswahlen ist es aber für alle Personen in der Führung der Partei absolute Pflicht, den gemeinsamen Erfolg nicht zu gefährden. Denn dieser Erfolg ist lebenswichtig für Deutschland, dessen selbsternannte „Elite“ nach Brexit, Trump und Terror hilf- und konzeptionslos ist.

Was Höcke über das „Schandmal“ geredet hat, war politisch instinktlos. Wie Petry und Pretzell darauf reagieren, ist rachsüchtig und politisch schädlich. Was glaubt das AfD-Paar, mit seinen aggressiven Distanzierungen gewinnen zu können? Wem kann das nutzen außer all den AfD-Feinden? Niemand in der AfD-Führung, weder Höcke noch Petry/Pretzell, sollte und darf vergessen: Die AfD gehört nicht ihnen. Und die AfD gehört auch nicht der Partei allein: Die AfD gehört allen Deutschen, die sie wählen, die auf sie hoffen und die ihr vertrauen wollen. Niemand hat das Recht, dieses ungeheure Kapital zu verspielen – niemand!

Was dabei herumkommt und wer mal wieder als Sieger dieser überflüssigen Rede von Höcke und dem darauffolgenden noch überflüssigeren Gezanke in der Partei und außerhalb der Partei hervorgeht, erfahren wir aus einem Kommentar in der „faz“: Julius Bender triumphiert:

Die AfD ist eine kuriose Partei. Man möchte sich für einen Moment vorstellen, in einer anderen Partei wäre Ähnliches geschehen. Ein Landesvorsitzender hält eine Rede, in der er den zentralen Ort des Denkmals für die ermordeten Juden Europas kritisiert. Politische Gegner kritisieren den Landesvorsitzenden auf das Schärfste und das, wie man sagen kann, zu Recht. Der zentrale Standort des Denkmals entspricht der Bedeutung, welche die Erinnerungskultur in der Bundesrepublik hat. Schließlich gehört die Losung, Menschheitsverbrechen wie die Schoa dürften sich niemals wiederholen, zum Fundament der bundesrepublikanischen Verfassungsordnung.

Und gerade als der Landesvorsitzende mit rhetorischen Angriffen bedacht wird, bezeichnet ihn seine eigene Bundesvorsitzende als Belastung für die Partei. Ihr Ehemann nennt das Verhalten des Landesvorsitzende gar parteischädigend – ein Begriff, der vor allem deshalb von Bedeutung ist, weil er nach den Statuten der AfD einen Parteiausschluss rechtfertigt und auch sonst als unverhohlene Aufforderung zum freiwilligen Parteiaustritt zu verstehen ist. Sie reihen sich ein in die Riege der Kritiker, was man als Haltung verstehen könnte, wenn sie in der Vergangenheit nicht selbst zu denen gehört hätten, die Provokationen äußerten und sich dann als Opfer einer böswilligen Öffentlichkeit inszenierten. Stichwort: Schusswaffengebrauch an der Grenze…

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-hoeckes-moralische-verdunkelung-14689772.html

Fehlt nur doch, dass auch Bernd Lucke seinen Senf dazu gibt. Sein Parteifreund Piet Leidreiter macht das:

Nach der Höcke Rede ist die AfD unwählbar!
Gute Zeiten für die Liberal-Konservativen Reformer die nun diese riesige Lücke zwischen CDU und AfD füllt.

Danke Herr Höcke…..

Und während wir uns alle Köpfe einschlagen, das Murmeltier täglich herumkrakelt und mit dem Zeigefinger wackelt, freut sich die Dritte.

Herzlichen Glückwunsch, Angela Merkel!

Foto: Collage

 

 

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